Viertes Pferd tot - Stallverbot für Hofbesitzer in Elfsen

Vernachlässigte Pferde auf einem Reiterhof in Bad Sassendorf-Elfsen: Vier Tiere haben das Drama nicht überlebt.
Vernachlässigte Pferde auf einem Reiterhof in Bad Sassendorf-Elfsen: Vier Tiere haben das Drama nicht überlebt.
Foto: Hartwig Sellmann/FCD
Was wir bereits wissen
Ein weiteres Pferd ist tot. Auf dem Reiterhof im Dorf Elfsen bei Bad Sassendorf (Kreis Soest) starb das entkräftete Tier vermutlich an den Folgen des Futterentzugs.

Bad Sassendorf.. Von den abgemagerten 87 Pferden auf dem Gestüt in Elfsen bei Bad Sassendorf leben drei Tiere nicht mehr. Am Freitag meldete das Kreisveterinäramt den Tod eines weiteren Pferdes: Eine entkräftete 20-jährige Stute, die sich vor Schwäche auf den Boden gelegt hatte, konnten die Tierärzte nicht mehr retten. Sie mussten das Pferd einschläfern, um ihm weitere Leiden zu ersparen. „Leider haben wir diesen Kampf verloren. Das hat mir und meinen Kollegen sehr zugesetzt“, sagte Professor Dr. Wilfried Hopp, Abteilungsleiter Veterinärdienst im Kreis Soest.

Tierquälerei Somit sind nun insgesamt schon vier Pferde ein Opfer der dramatischen Zustände auf dem Reiterhof geworden. Bereits am 6. März starb dort eine ältere Schimmelstute. Ganz offensichtlich an den Qualen, die die Tiere in den vergangenen Wochen durchmachen mussten. Dieser erste Pferde-Tod alarmierte das Kreisveterinäramt. Zusammen mit einigen Tierärzten wurde das Gestüt in Elfsen am Montag, 9. März, erneut kontrolliert.

Ursachenforschung im Veterinäruntersuchungsamt Arnsberg

Das Ergebnis war entsetzlich: 87 Pferde kämpften vermutlich wegen Unterernährung um ihr Überleben. Sie waren offenbar lange nicht mehr gefüttert worden. Die genauen Ursachen sollen unter anderem mit pathologischen Obduktionen im Veterinäruntersuchungsamt Westfalen in Arnsberg erforscht werden. Die am Donnerstagabend eingeschläferte Stute untersucht Professor Dr. Hopp in der Tierkörper-Sammelstelle in Lohne.

Doch mittlerweile gibt es auch gute Nachrichten aus den lange Zeit schlecht gepflegten Pferdeställen in Elfsen. Dr. Wilfried Hopp: „Die anderen Tiere sind, soweit zurzeit erkennbar, in einem stabilen Zustand." Der Leitende Kreisveterinärdirektor hatte sich am Freitagmorgen die abgemagerten Pferde noch einmal genau angeschaut.

Die Vierbeiner nicht mehr zu Gesicht bekommen ihre Halter. Nach einer Anzeige wegen Tierquälerei hat der Kreisveterinärdienst Soest mit einer weiteren Ordnungsverfügung gegen das Ehepaar ein Stallverbot ausgesprochen. "Die Besitzer sollen sich nicht mehr in die Versorgung der Tiere einmischen", erklärt Kreis-Pressesprecher Friedhelm Müschenborn. Warum es überhaupt soweit kommen konnte, das hat nach Informationen von Soester Medien mit finanziellen Problemen der Hofbetreiber zu tun.

Gestüt seit 2012 mehr als 20 Mal durch Kreisveterinärdienst kontrolliert

Bereits im Jahr 2011 wurde wegen eines Insolvenzverfahrens die Zwangsbewirtschaftung des Reiterhofes eingeleitet. Im Januar 2012 bekamen die Besitzer ihre Pferde zurück. Danach soll das Gestüt mehr als 20 Mal durch den Kreisveterinärdienst oder indirekt durch den Hoftierarzt regelmäßig überprüft worden sein. T

Tierdrama Trotzdem muss sich die Situation innerhalb eines Jahres wieder erheblich verschärft haben. Im September 2013 ordnete der Kreis Soest eine Verfügung mit Auflagen zur artgerechten Versorgung der Pferde an.

Ein weiteres Jahr später, bei einem Ortstermin am 26. September 2014, stellten Vertreter des Verwaltungsgericht Arnsberg und des Kreises Soest keine Mängel mehr auf dem Gestüt fest. Alle Vorschriften zur Tierhaltung seien zu diesem Zeitpunkt erfüllt gewesen. Die Ordnungsverfügung wurde widerrufen. "Damals waren die Pferde in einem guten Zustand", erinnert sich Kreisveterinärdirektor Dr. Hopp.

Pferde werden vorsichtig wieder aufgepäppelt und bald verkauft

Heute ist das Gegenteil wieder der Fall. 87 Pferde sind seit Anfang März wohl dem Hungertod ausgesetzt gewesen. Ein solches Drama soll auf dem Hof in Elfsen nie mehr vorkommen. Der Kreis übernimmt bis auf Weiteres die Versorgung der Tiere. Pressesprecher Müschenborn: "Die Pferde stehen nach wie vor auf dem Reiterhof. Sie werden aber durch Pferdewirtschaftsmeister, die der Kreis Soest auf Honorarbasis engagiert hat, betreut und gefüttert." Pro Tag soll allein die Fütterung zirka 1000 Euro kosten. Der Kreis Soest tritt bei diesen Kosten in Vorleistung.

„Wir müssen die Tiere sehr vorsichtig wieder aufpäppeln“, beschreibt Professor Dr. Hopp die aktuelle Lage auf dem seit 2009 betriebenen Reiterhof. „Kraftfutter zum jetzigen Zeitpunkt wäre schädlich", weiß der Tierexperte. Das könne erst später vorsichtig dosiert den Pferden zum Fressen gegeben werden, damit sie jetzt keine Koliken bekämen. "Satt Heu", so Hopp, sei momentan erstmal das bester Aufbaufutter.

Wachdienst beschützt Stallungen auf Reiterhof in Elfsen

Es könne noch Monate dauern, bis alle Pferde wieder gesund auf den Beinen sind. Solange werden die Stallungen zum Schutz der Tiere von einem Wachdienst abgeschirmt. Kreissprecher Müschenborn: "Außer den Kontrolleuren der Behörden soll niemand in den Stall kommen - weder die Besitzer noch andere Unbefugte." Schon in drei bis vier Wochen sollen die armen Pferde bei einer Versteigerung an seriöse Halter verkauft werden.