Viele Lehrer prägen das Küsterhaus

Mülheim..  Als das Mülheimer Küsterhaus am 9. Juni 1872 seinen Küster und Lehrer Josef Girsch zur letzten Ruhe auf den Kirchhof nebenan entließ, endete eine 70-jährige Schulära Girsch. 1801 hatte der Vater, Wilhelm Girsch, als Erstbewohner das Haus bezogen. 1830 war ihm sein Sohn Joseph als Küster, Lehrer und Organist gefolgt. Die Mülheimer und Sichtigvorer, mit nur zwei Lehrpersonen in 70 Jahren schulische Beständigkeit gewohnt, erlebten erstaunt und ungehalten, dass in den nun folgenden Jahren bis 1888 die Lehrstelle vier Mal wechselte. Bis zur Neubesetzung der Stelle im April 1873 musste die eben erst eingestellte Lehrerin Clara Nolte (1872-1906) den Schulbetrieb allein bewältigen.

Klare Rangverteilung

Um die vakante Stelle im Kirchspiel bewarb sich der 26-jährige Albert Zengerling (1873-1876), seit 1867 Lehrer und Küster in Bökendorf/Belleresen. Mit sehr guten Abschlusszeugnissen des Königlichen Lehrerseminars Büren brachte er beste Voraussetzungen mit. Den damaligen Rangverhältnissen zwischen Pfarrer (gleich Schulinspektor) und Dorflehrer entsprechend, bewarb sich Zengerling schriftlich mit den Worten: „Wie bisher würde ich meinem geistlichen Vorgesetzten jeder Zeit ergeben und untergeben sein.“ Schon am 5. Oktober 1875 kündigte er aus heute nicht mehr bekannten Gründen diese von ihm einst so umworbene Stelle.

Am 18. April 1876 zog Joseph Rath (1876-1879) als Erster Lehrer in das Küsterhaus ein. Er erkrankte und musste, bevor er 1879 seine Ämter niederlegte, schon ein Jahr vorher durch den Aspiranten Dürwald vertreten werden. Die Nachfolge in Schule, Kirche und Küsterhaus trat noch 1879 der Hüstener Norbert Mutzenbach (1879-1883) an. 1880 zog nach seiner Heirat mit Maria Theresia Klauke wieder eine Ehefrau in das Küsterhaus ein. Sie war aber wohl der Grund, warum Mutzenbach schon 1893 Mülheim aufgab und nach Oberkirchen, in die Heimat seiner Frau, wechselte.

Familienbande entstehen

Nachhaltige Spuren im Kirchspiel hinterließ Mutzenbach eher dadurch, dass drei seiner Hüstener Schwestern sich mit Sichtigvorer Söhnen verheirateten: Caroline wurde die erste Frau von Friedrich Grundhoff-Schnuiders und Mutter von Pater Joseph Grundhoff und dem späteren Schneider Heinrich in der Bruchstraße. Anna vermählte sich mit Josef Hillebrand-Petern; ihr um 1905 an der Bergstraße erbautes Haus nannten die Sichtigvorer fortan „Mutzenbachs“. Die dritte Schwester, Josephine, verband sich 1886 mit Anton Cramer aus dem Hause Mellin.

Nur drei Jahre bewohnte der 1. Lehrer Dransfeld (1883-1886) das Küsterhaus. 1886 nahm er eine Schulstelle im Kreis Hagen an. Ewald Mohr (1886-1888) verweilte noch kürzer. Am 1. April 1886 begann er mit seinem Schul- und Küsterdienst in Mülheim, um ihn schon nach zwei Jahren zu quittieren.

Nach den häufigen, für Eltern und Kinder wenig erfreulichen Wechseln stellte sich mit Lehrer Heinrich Heins aus Olpe (1888-1905) am 11. April 1888 ein Glücksfall ein, nicht nur, weil er 17 Jahre blieb, sondern weil er auch tatkräftig und segensreich wirkte. Als Küster und Organist engagierte er sich nicht nur im sakralen Raum, sondern auch im Gemeindeleben des Kirchspiels.

Seine mit dem Josephsverein einstudierten Theaterstücke in Beckmanns Saal gerieten hier zu winterlichen Höhepunkten. Mit dem im Kirchspiel angesehenen Pfarrer Platte, zugleich Ortsschulinspektor, arbeitete er in Schule und Gemeinde harmonisch zum Segen aller zusammen. Auf ihr ständiges Drängen hin ließ die Arnsberger Regierung 1903/04 ein neues Schulgebäude am Deutschordensritterweg (später Spar- und Darlehenskasse) errichten. Ein großzügiges, modernes Lehrerhaus war diesem angegliedert.

Trennung der Ämter

Die Verlockung, lieber darin als im alten Küsterhaus zu wohnen, spielte wohl mit eine Rolle, als Lehrer Schmidt, Heins’ Nachfolger, 1910 darauf drängte, das Küsteramt von dem des Lehrers zu trennen und damit das Küsterhaus aufzugeben. Im Jahr 1905 verließ der gerade 50-jährige Heinrich Heins seine Mülheimer Wirkungsstätte. Nach K. Süggeler ging er nicht aus freien Stücken nach Freienohl, sondern veranlasst wegen seiner „sozialen Haltung“. Als Heinrich Heins 1928 in Freienohl starb, gab ihm an seinem Grabe eine große Abordnung von 40 Kirchspiel-Leuten und zwei Vereinsfahnen die letzte Ehre. Nach Heins’ Abschied vom Kirchspiel übernahm Wilhelm Kellermann für ein Jahr die Aufgaben des 1. Lehrers in Mülheim.