Viele Fragen offen nach Brennholzdiebstahl

Ein Brennholzdiebstahl beschäftigt das Amtsgericht Warstein.
Ein Brennholzdiebstahl beschäftigt das Amtsgericht Warstein.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
War es ein Brennhold-Diebstahl? Der Warsteiner Angeklagte bestreitet das. Setzt auf Freispruch. Darum musste das Warsteiner Amtsgericht den Fall sogar abgeben.

Warstein..  „Wenn sich das bewahrheitet, war das ein Super-Sonderangebot eines erfahrenen Kollegen!“ Doch den Strafbefehl nach einem Holzdiebstahl, den Staatsanwalt Wolf so umschrieb, wollte der Angeklagte nicht annehmen. Daher ging es vor Gericht – aber auch da lehnte der 42-Jährige ab.

Der Vorwurf: Der Angeklagte soll Brennholz im Wert von 25 bis 50 Euro gestohlen haben. Und als er vom Sohn des Eigentümers erwischt wurde und mit dem Auto davonfuhr, versuchte der mit einer Stange den Fahrer anzuhalten – allerdings vergeblich. Dabei schlug er mindestens zwei Mal auf das Auto, so dass unter anderem die Frontscheibe riss.

Jogging-Runde

Der Angeklagte schilderte jedoch eine ziemlich andere Version: Er habe an dem Sonntag Abend im September festgestellt, dass er noch eine Überweisung tätigen musste und wollte dies mit einer Jogging-Runde verbinden.

Er habe in der Nähe der Tennisplätze im Bereich Romecke geparkt, aber schnell festgestellt, dass es bereits zu dunkel sei. Also sei er wieder ins Auto gestiegen, wo jemand ohne Vorwarnung auf der Straße gestanden habe und ohne Vorwarnung mit einer Stange auf sein Auto geschlagen habe. Danach habe er Gas gegeben, zumal noch weitere Personen gekommen seien: „Ich habe beschleunigt, weil ich nicht wusste, was da noch auf mich zukam.“

Er tätigte seine Überweisung bei der Sparkassen-Filiale in Suttrop und fuhr zurück nach Warstein. An seinem Haus wartete bereits die Polizei.

„Ich wäre zur Polizei gefahren“

„Warum er nach dem Vorfall zur Bank und dann nach Hause gefahren sei, wollte Staatsanwalt Wolf wissen: „Ich wäre zur Polizei gefahren!“. Der 42-jährige begründete dies damit, dass er kein Handy dabei gehabt habe und seine Frau wartete.

Der 26-jährige Sohn des Eigentümers des Holzstapels schilderte die Sache anders: er sei mit der Familie unterwegs gewesen, als er sah, wie ein Auto rückwärts in den Schotterweg fuhr, am Holzstapel anhielt, den Kofferraum öffnete und Holz (20 bis 40 Stück) einlud. Sofort habe man die Polizei gerufen, die einen Streifenwagen schicken wollte.

Beim Warten auf die Polizei sei der Mann jedoch ins Auto gestiegen und ihnen mit Fernlicht entgegen gekommen. Der Fahrer habe abgebremst, „dann fuhr er an mir vorbei“. Er habe dabei „im Reflex auf das Auto gehauen“, musste selbst wegspringen und sei dabei umgeknickt. Hätte der Fahrer angehalten, „hätten wir das noch alles regeln können“, meinte der Zeuge. Der Angeklagte hatte wohl später angerufen, doch eine Klärung gab es nicht.

Für den 26-jährigen Straßenwärter gab es keine sinnvolle Erklärung, weshalb der Angeklagte ausgerechnet auf dem Schotterweg neben dem Holz parkte, um zu joggen: „Da hinten parkt keiner“. Die Tennisplätze und ihre Parkmöglichkeiten seien nicht weit entfernt. Der Schotterweg befinde sich schließlich auf der eigenen Wiese.

Der 54-jährige Polizist berichtete als Zeuge vom Einsatz am Tatabend: Man sei vor Ort gewesen, doch da sei das Auto bereits weg gewesen. Die Zeugen konnten allerdings die Nummer des Pkw nennen, so sei man zum Halterstandort gefahren und haben in einer Seitenstraße auf das Auto gewartet.

Das sei kurze Zeit später gekommen. Der Fahrer sei mit den Vorwürfen konfrontiert worden, man habe die Schäden am Auto in Augenschein genommen. Im Kofferraum habe man drei kleine Holzstücke gefunden. Somit habe man dem 42-Jährigen erklärt, dass er als Täter eines Holzdiebstahls in Betracht komme.

Einstellung gegen Spende

Verteidiger Gruhl rechnete vor, dass innerhalb von 28 Minuten sein Mandant von der Romecke zur Sparkasse gefahren sei – und nach der Überweisung nach Hause: „Wo und wann soll mein Mandant bis zu 40 Holzscheite entsorgt haben?“ Er regte, auch angesichts des Schadens am Auto eine Einstellung gegen eine Spende an Archemed an. Staatsanwalt Wolf überließ es Richterin Schmidt-Wegener, die höchstens eine Rücknahme des Strafbefehls (2000 Euro) akzeptieren würde: „Eine Einstellung mache ich nicht mehr mit“.

Das lehnte der Verteidiger („Ich bin eigentlich für einen Freispruch hier hingekommen“) ab, „daher machen wir weiter.“ Und da nach der bisherigen Verhandlung – statt lediglich Diebstahl – auch räuberischer Diebstahl im Raum steht (neben Nötigung und fahrlässiger Körperverletzung), ist nicht mehr das Amtsgericht, sondern das Schöffengericht Soest zuständig. Dorthin wurde der Fall nun verwiesen.