Verschwindende Bäche und wild blühende Orchideen

Warstein..  Wälder und Flussauen, stillgelegte Steinbrüche und Höhlensysteme – auf den 150 Quadratkilometern des Warsteiner Stadtgebiets hat die Natur viele Besonderheiten zu bieten.

Die Flächen, auf denen seltene Tier- und Pflanzenarten oder besondere geologische Merkmale zu finden sind, sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Bis Anfang des Jahres gab es acht dieser Schutzzonen zwischen Stimmstamm und Haar – mit dem Merpketal ist vergangene Woche eine neunte hinzugekommen. Ein Überblick über die Besonderheiten.

Liethöhle und Bachschwinden des Wäschebachs

Einen unterirdischen Komplex bilden die stark zerklüftete Liethöhle mit einer Ganglänge von rund 500 Metern und die Bachschwinden des Wäschebaches, die südöstlich der Ortschaft Warstein liegen. In der Höhle, deren Zugänge derzeit verschlossen sind, finden sich bedeutende Tropfstein-Formationen. Außerdem ist sie Lebensraum für Höhlenkrebse. Im nördlichen Teil des Naturschutzgebiets ist ein bemerkenswertes Orchideenvorkommen nachgewiesen.

Möhnetal

Der Verlauf der Möhne ist auf Warsteiner Stadtgebiet zwischen Drewerheide und Niederbergheim komplett unter Naturschutz gestellt und in verschiedene „schutzwürdige Biotope“ unterteilt. Die Möhneaue östlich von Belecke wird etwa durch ausgedehnte, offene Grünlandflächen charakterisiert. Diese gibt es auch zwischen Belecke und Sichtigvor, doch kommen hier verschiedene Waldbereiche hinzu, durch die eine abwechslungsreiche Landschaft entsteht, in der viele Tierarten ein Zuhause finden. Weiter in Richtung Allagen wird das Flusstal etwas enger, es finden sich aber weiterhin Wiesen und Weiden. Zwischen Allagen und Niederbergheim hat sich ein junger Weiden-Auenwald entwickelt. Im Bereich von Niederbergheim schließlich fließt die Möhne in Form einer Schleife durch einen Auenbereich mit wertvollem Grünland.

Oberhagen

Von Siedlungsfläche eingegrenzt wird das Naturschutzgebiet Oberhagen, das sich östlich von Warstein und südlich von Suttrop direkt an einem aufgelassenen Steinbruch, dem Risse-Gelände, befindet. Das Gebiet umfasst einen artenreichen und in der Region damit äußerst seltenen Buchenwald mit vielen geschützten Pflanzenarten, etwa der Türkenbundlilie und weiteren Orchideenarten.

Hamorsbruch und Quellbäche

Der Hamorsbruch nordwestlich des Stimmstamm-Gipfels umfasst Birkenwald und einen naturnahen Bachoberlauf, an dem ein artenreicher Erlenwald wächst. Im Quellgebiet des Bachs gibt es zudem eine hohe Moosdichte. Naturschützer sehen das Gebiet als wertvolle Ergänzung zum angrenzenden FFH-Gebiet. Nur intensive Forstwirtschaft könnte insbesondere die Pflanzenwelt künftig gefährden.

Arnsberger Wald

Ein solch großes, zusammenhängendes Waldgebiet wie der Arnsberger Wald ist nicht oft zu finden. Als wichtiger Lebensraum sind große Teilbereiche ebenfalls geschützt. Besonderes Merkmal ist der hohe Anteil naturnaher Buchenwälder sowie schutzwürdige Grünland- und Gewässerbiotope.

Wästertal

Ein „offenes Grünlandbachtal“ hat sich um den Unterlauf der Wester bei Belecke gebildet. Es besteht größtenteils aus so genannten Fettweiden, Feuchtgrünland und Hecken. Die Wester verläuft an der Westseite des Tals entlang eines jungen Auenwaldes. In nördliche Richtung führt das Naturschutzgebiet bis ins Ortszentrum von Belecke – für Naturschutzgebiete eine echte Seltenheit.

Lörmecketal

Die Landschaft im Lörmecketal auf der Grenze zu Rüthen ist vor allem wegen ihrer Vielfältigkeit besonders schützenswert. Es gibt Buchenmischwälder im Norden, Felsklippen und Magergrünland im Süden. Besonders prägnant ist das Naturdenkmal „Hohler Stein“ auf Rüthener Seite.

Piusberg

Der Piusberg ist nicht nur eines der Warsteiner Wahrzeichen, sondern auch ein Naturschutzgebiet. Die Nordseite fällt zwar fast senkrecht ab, doch auf der Südseite findet sich eine artenreiche und damit schützenwerte Magerwiese. Wertvoll sind auch die Hecken- und Gebüschstrukturen. Größtes Risiko für das Naturschutzgebiet sind zu viele Spaziergänger – leichte Beeinträchtigungen durch Trittschäden sind bereits zu erkennen.

Merpketal

Auf der eigentlich ackerbaulich genutzten Haar sticht das Merpketal heraus – durch „ein vielfältiges Mosaik an Lebensräumen mit seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten“, wie die Bezirksregierung erklärte. Und so ergänzt das Tal seit einigen Tagen die Liste der Warsteiner Naturschutzgebiete.