Vernachlässigte Pferde aus Elfsen bringen Erlös von 118 000 Euro

Die Versteigerung der 79 vernachlässigten Pferde durch den Kreis Soest in Bad Sassendorf-Elfsen hat einen Erlös von 118 000 Euro erbracht.
Die Versteigerung der 79 vernachlässigten Pferde durch den Kreis Soest in Bad Sassendorf-Elfsen hat einen Erlös von 118 000 Euro erbracht.
Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Service
Was wir bereits wissen
Die Versteigerung von 79 vernachlässigten Pferden und Ponys auf dem Reiterhof Gut Elfsen in der Gemeinde Bad Sassendorf (Kreis Soest) hat einen Erlös von 118 000 Euro erbracht.

Bad Sassendorf-Elfsen.. Fast 900 interessierte Bieter und damit doppelt so viele wie erwartet kamen zur Versteigerung auf das Gut in Bad Sassendorf-Elfsen. 79 vernachlässigte Pferde und Ponys haben nach der Auktion neue Besitzer, bei denen alle Tiere nun hoffentlich in guten Händen sind.

Es handelte sich um den vorläufigen Schlusspunkt eines dramatischen Tierschutzverfahrens, in dem der Veterinärdienst des Kreises Soest den Eigentümern insgesamt 87 vernachlässigte Pferde entzogen hatte. Fünf ausgemergelte Tiere überlebten die Tortur in den Ställen nicht. Weitere Pferde wurde verpfändet. 79 standen am Dienstag, 31. März, 2015, noch zur Auktion.

Schon deutlich vor dem Besichtigungstermin ab 12 Uhr füllte sich der Reiterhof auf dem Gut Elfsen mit Pferdetransportern und Fahrzeuggespannen mit Anhänger. Rund um das Dorf aus der Gemeinde Bad Sassendorf herrschte eine Ausnahmezustand. Zirka 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Veterinärdienstes sowie die Polizei und das Bad Sassendorfer Ordnungsamt hatten alle Hände voll zu tun, um eine geordnete Anreise sicherzustellen.

Tierdrama Eine große Herausforderung war auch das Verladen der Tier nach der Auktion. Der Abtransport zog sich bis in die Abendstunden hin. An den vier Ställen sorgte jeweils ein verantwortlicher Tierarzt des Veterinärdienstes für einen reibungslosen Ablauf. Da es schon dunkel wurde, musste das um Amtshilfe gebetene Technische Hilfswerk mit Notstromaggregaten für Licht sorgen. Denn auf dem Gut Elfsen stand Strom nur eingeschränkt zur Verfügung.

Auktionsgast bei Sturm Niklas von Ast getroffen

Die Windböen des Sturmtiefs Niklas sorgten zusätzlich für widrige äußere Bedingungen und Gefahren. Ein Besucher wurde von einem herabfallenden Ast getroffen und erlitt eine Platzwunde. Der Rettungsdienst des Kreises Soest brachte den Mann zur ambulanten Untersuchung ins Krankenhaus. Die Ordnungskräfte hatten den Auktionsgast zuvor mehrfach vergeblich aufgefordert, seinen Standort unter dem Baum und dem bereits herabhängenden Ast zu verlassen.

Mitgefühl der Auktionäre für das Schicksal der Pferde und Ponys

Der beauftragte Auktionator Volker Rauf (MennrathS – Auktionen für Pferde und Landwirtschaft, Mönchengladbach) zeigte sich nach der dreieinhalbstündigen Versteigerung überrascht über die erzielten Erlöse. Die Kaufpreise für die Pferde lagen zwischen 350 und fast 5 000 Euro. Selbst die angebotenen Shetland-Ponys, aufgerufen für jeweils 50 Euro, gingen durchweg für rund 300 Euro an neue Besitzer.

Versteigerung in der Reithalle auf Gut Elfsen

So brachte die Pferde-Auktion einen Gesamt-Erlös von 118 000 Euro. Für den Erfolg machte Volker Rauf auch den mittlerweile stark verbesserten Zustand der Pferde verantwortlich. „Die Veterinärbehörde und das beauftragte Team haben sehr gute Arbeit geleistet“, lobte der Experte am Mikrofon in der zum Hof in Elfsen gehörenden Reithalle, in der die Versteigerung über die Bühne ging. Der Reit- und Fahrstall Hagemann aus Soest hatte seit Aufdeckung des Tierskandals Anfang März die Pflege und Aufpäppelung der Pferde und Ponys übernommen.

Auktionator Raulf nannte am Rande der Veranstaltung weitere Gründe für die Erfolgsquote: „Natürlich wären geringere Preise erzielt worden, wenn sich nicht interessierte Gäste in so großer Anzahl eingefunden hätten und die Profis unter sich geblieben wären. Auch das Mitgefühl für das Schicksal der Tiere spielte sicher eine Rolle.“

Kreis Soest gab für Tierschutzfall bisher 45 000 Euro aus

Beim Kreis Soest sind bisher rund 45 000 Euro an Kosten und Gebühren aus dem Tierschutzfall angefallen. Der weitaus größte Teil wurde für die Versorgung der abgemagerten Pferde und Ponys in Elfsen ausgegeben. Das darüber hinaus eingenommene Geld steht eigentlich den Eigentümern zu. Doch mittlerweile haben auch Gläubiger der Halterfamilie ihre Ansprüche geltend gemacht. Das Ehepaar mit vier Kindern hatte den Pferdehof im Jahr 2008 geerbt,