Verhältnis von Beginn an von Wärme geprägt

Zwei Motoren der Städtepartnerschaft zwischen St. Pol und Warstein: Berna Enste (links), Madame Jumelage, und Marie-France Acquart, Madame 100 000 Volt.
Zwei Motoren der Städtepartnerschaft zwischen St. Pol und Warstein: Berna Enste (links), Madame Jumelage, und Marie-France Acquart, Madame 100 000 Volt.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Seit 50 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen Warstein und Saint Pol sur Ternoise. Eine, die sich seit den Anfängen dafür bis heute mit viel Herzblut einsetzt, ist Marie-France Acquart.

Warstein/St. Pol..  Sie ist ein Paradebeispiel für eine gewachsene Freundschaft, die 50-jährige Städtepartnerschaft zwischen dem französischen Saint Pol sur Ternoise und dem westfälischen Warstein.

Dass sich dieses zarte Pflänzchen einmal zu einem starken Baum entwickeln würde, der auf starkem Grund fest verwurzelt ist, hätte damals wohl kaum jemand zu hoffen gewagt. Die Versöhnung zwischen den ehemaligen Gegnern stand im Vordergrund, als die beiden Städte sich vor 50 Jahren annäherten. Von Anfang an legte man Wert darauf, dass es sich um eine wirkliche Annäherung in der Bevölkerung handeln sollte und nicht um eine Städtepartnerschaft, die von den örtlichen Amtsträgern diktiert wurde. Marie-France Acquart interessierte sich als Lehrerin damals besonders für die Schüleraustausche.

Aussöhnung und Frieden

„Aus sprachlichen Gründen“, erzählt sie. Wobei nicht nur die Sprachlehrer bei der Städtepartnerschaft involviert gewesen seien, sondern auch die Geschichtslehrer. „Es war im Lehrplan vorgeschrieben, dass im Unterricht über beide Weltkriege berichtet wurde“, erinnert sie sich. Wobei es ihr auch dort immer um die Aspekte Aussöhnung und Frieden zwischen den Völkern ging.

Nicht von der gesamten Bevölkerung wurde die Aussicht auf eine Partnerschaft mit einer deutschen Stadt vor 50 Jahren positiv gesehen. „Die extrem Linken haben Widerstand geleistet“, erinnert sich Marie-France Acquart. In der Regel seien dies Leute gewesen, die in den Kriegsjahren in der Résistance aktiv waren. Insbesondere Fernand Leclercq, einer der Väter der Städtepartnerschaft, sei massiv verspottet worden. „Er wurde ‘boche’ genannt – ein sehr böses Schimpfwort für die Deutschen.“ Leclercq hatte immer gesagt, er tue alles für die Städtepartnerschaft, damit seine Kinder einmal nicht das gleiche Grauen erleben müssen, das er erlebt habe.

1964 erste Delegation in St. Pol

1964 kam eine Delegation mit Bürgermeister Hermann Risse und Berna Enste, von den St. Polern liebevoll „Madame Jumelage“ genannt, erstmals nach St. Pol. Bei diesem ersten Treffen war Marie-France nicht dabei, denn sie war familiär sehr stark eingespannt, hatte sie doch ein drei Monate altes Baby zu versorgen, während ihr Mann Jean-Alain im Militärdienst abkommandiert war. „Aber ein Jahr später, 1965, war ich voll dabei.“

Sehr gut seien die ersten Begegnungen zwischen den Warsteinern und den französischen Gastgebern gelaufen. „Die Stimmung war überhaupt nicht kalt, ganz im Gegenteil: Sie war von Anfang an durch Freundschaft geprägt.“

Zu verdanken gewesen sei dies auch Henri Devillers und Berna Enste, die viel Feingefühl bei der Auswahl der Gastfamilien bewiesen hatten. Als Beispiel nennt Marie-France den Journalisten Otto Schmallenberg, der bei einem Kommunisten und Mitglied der Résistance untergebracht war. „Er hat ihn bekehrt, er ist ein guter Freund der Städtepartnerschaft geworden.“

Stetig wurde diese Städtepartnerschaft gefestigt, wuchs zu einer starken Pflanze an. „1995 ist einer der Höhepunkte gewesen, als die Warsteiner mit über 300 Personen nach St. Pol gekommen sind. Die große Mehrheit wurde damals in Familien untergebracht.“ 30 Jahre Städtepartnerschaft wurden groß gefeiert. Sie selbst konnte an den Feierlichkeiten nicht so intensiv teilnehmen, da ihr Mann schwer erkrankt war.

Ein weiterer Höhepunkt sei das Erscheinen der beiden Chroniken, der von Sylvain Macrez zum Drittel Jahrhundert Städtepartnerschaft, und ihrer eigenen zum 50-Jährigen für sie gewesen. Eine Arbeit, die sich gelohnt habe.

Persönliche Höhepunkte

Und die persönlichen Höhepunkte? „Persönlich habe ich zwei Höhepunkte erlebt im Verlauf der Städtepartnerschaft: Der erste war 1974, als ich von Bürgermeister Heiner Linnenbrügger die Ehrennadel der Stadt Warstein in Silber erhielt. Das hat mich sehr beeindruckt. Das andere war, dass ich im vergangenen Jahr den Ehrenring der Stadt Warstein erhalten habe.“

Wenn sie an all die Freundschaften denkt, die im Laufe der Jahre zwischen den Menschen der beiden Städte geschlossen wurden, lächelt sie: „Es kommt in der Städtepartnerschaft auf die persönlichen Beziehungen an. Wer die nicht knüpfen konnte, hat die Städtepartnerschaft nicht richtig erlebt.“

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