Vergewaltiger aus Allagen muss für zehn Jahre ins Gefängnis

Das Landgericht Arnsberg war von der Schuld des Angeklagten überzeugt.
Das Landgericht Arnsberg war von der Schuld des Angeklagten überzeugt.
Foto: WP Ted Jones
Was wir bereits wissen
Das Landgericht Arnsberg hat einen 65-jährigen aus Allagen zu fast zehn Jahren Haft verurteilt. Er soll eine Frau brutal vergewaltigt haben.

Allagen/Arnsberg.. Als die Große Strafkammer des Landgerichts Arnsberg dem Angeklagten das letzte Wort erteilte, versicherte er noch einmal: „Die Vergewaltigung habe ich nicht begangen.“ Trotzdem waren die Richter von der Schuld des 65 Jahre alten Allageners überzeugt. Sie verurteilten den einschlägig vorbestraften Mann gestern zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und sechs Monaten mit anschließender Sicherungsverwahrung.

„Wir sind uns bewusst, dass das Alter des Angeklagten die Wahrscheinlichkeit gering werden lässt, dass er noch einmal auf freien Fuß kommt“, sagte Vorsitzender Richter Klaus-Peter Teipel in der Urteilsbegründung, „aber wir sind überzeugt, dass sich die Dinge so zugetragen haben wie angeklagt.“

Angetrieben von Todesangst

Die Aussage des Opfers, einer 54 Jahre alten Bekannten des Täters, sei „stimmig, plausibel, geprägt von Detailreichtum und im Großen und Ganzen widerspruchsfrei“ gewesen, erklärte die Kammer. Die Frau hatte geschildert, wie der 65-Jährige sie an der Wohnungstür überrumpelt, zu Boden gedrückt und gefesselt hatte. Anschließend brachte er sie ins Schlafzimmer, wo er sie auszog und vergewaltigte. Zeitweise hielt er ihr dabei ein Brotmesser an die Kehle und drohte: „Du weißt, was sonst passiert.“

Das Leid des Opfers betonte Staatsanwältin Astrid Rehbein: „Sie war angetrieben von Todesangst und hat alles gemacht, nur um da raus zu kommen.“

Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert, weil die Zeugin sich in Widersprüche verstrickt habe und insgesamt nicht glaubwürdig gewesen sei. Der Angeklagte hatte eine heftige Ohrfeige eingeräumt, weil das Opfer ihre Schulden nicht begleichen wollte. „Auch dieses Zuschlagen kann als gewaltige Demütigung gewertet werden“, sagte Rechtsanwalt Martin Pohlmann in seinem Plädoyer und deutete an, dass das Opfer deswegen die Vergewaltigung erfunden haben könnte. „Möglicherweise war sie sich der Folge ihrer Aussage gar nicht bewusst – so undenkbar ist das alles nicht.“

Doch das Gericht schloss sich der Ansicht der Staatsanwaltschaft an, dass das Opfer „intellektuell nicht in der Lage ist, eine Falschaussage widerspruchsfrei zu vermitteln“. Kleinere Ungereimtheiten – etwa zu der Frage, wann genau das Messer eingesetzt worden ist – seien eher ein Indiz für ihre Glaubwürdigkeit. „Diese Unstimmigkeiten wären nicht aufgetreten, wenn sie sich die Geschichte ausgedacht hätte“, erklärte der Vorsitzende Richter.

Parallelen zu früheren Delikten

Aber auch weitere Indizien sprechen aus Sicht des Gerichts gegen die Version des Angeklagten, etwa eine SMS, in der er dem Opfer wenige Stunde nach der Tat unter anderem schrieb: „Die Verletzung, die ich dir zugeführt habe, ist unverzeihlich.“ Dies sei mit einer – aus Sicht des Angeklagten womöglich sogar gerechtfertigten – Ohrfeige nicht zu erklären.

Außerdem folgte das Gericht einer Gutachterin, die Parallelen zwischen der angeklagten Tat und früheren Sexualdelikten des Angeklagten aufzeigte. In den 70er Jahren war er wegen Mordes und versuchter Vergewaltigung zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Nach der Vergewaltigung seiner Schwägerin während eines Hafturlaubs kamen noch einmal acht Jahre hinzu. In beiden Fällen war ihm das Opfer – ebenso wie bei der Vergewaltigung im August – gut bekannt. Auch andere Vorgehensweisen waren identisch.

Schlafstörungen und Angstzustände

„Die Zeugin wusste davon nichts und hat trotzdem ein Geschehen geschildert, das nicht als dem Angeklagten wesensfremd erscheint“, sagte der Richter. Die Kammer folgte daher dem Antrag der Staatsanwaltschaft und ordnete wegen erhöhter Rückfallgefahr Sicherungsverwahrung an.

Für das 54 Jahre alte Opfer, das im Prozess als Nebenklägerin auftrat, geht ein sehr belastendes Verfahren zu Ende. „Sie kann nicht mehr normal arbeiten, hat Schlafstörungen und Angstzustände“, schilderte ihre Anwältin Jutta Klaus, „dieses Geschehen wird sie nie vergessen, nie in ihrem Leben.“