Verfahren um Rüthener Drogenküche macht Pause

Leisterbild Landgericht Arnsberg
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Foto: WP Ted Jones
Was wir bereits wissen
Das Landgericht Arnsberg hat das Verfahren um die „Drogenküche“ in Langenstraße ausgesetzt. In dem Indizienprozess könnte ein Gutachten entscheidend werden.

Langenstraße/Arnsberg..  Kurz sah es so aus, als könnte das Verfahren gegen einen 32 Jahre alten Soester, der gemeinsam mit einem Bekannten eine Drogenküche in Langenstraße betrieben haben soll, zu Ende gehen. Die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Arnsberg kündigte an, die Beweisaufnahme schließen zu wollen, und auch der Verteidiger schien sich bereits auf das Schlussplädoyer einzustimmen. Doch dann übernahm am gestrigen zweiten Verhandlungstag Staatsanwalt Ümit Görgün das Wort – und stellte gleich sechs Beweisanträge.

Die meisten davon richteten sich gegen die Aussage des mutmaßlichen Mittäters, der für den Betrieb der Drogenküche bereits im Oktober vom Landgericht Paderborn verurteilt wurde und vergangene Woche erklärt hatte, der Soester habe von der Amphetaminküche in der früheren Raiffeisen-Lagerhalle nichts gewusst. Die Staatsanwaltschaft ist vom Gegenteil überzeugt und will Indizien für eine Falschaussage sammeln. „Wir haben ohnehin einen Indizienprozess, da kommt es auf den Wert seiner Aussage an“, betonte Görgün.

So beantragte der Staatsanwalt, die in der Drogenküche gefundenen Handschuhe und Masken auf Farbspuren zu untersuchen. Der in Paderborn verurteilte Mann hatte ausgesagt, er habe diese Utensilien aus der Werkstatt mitgenommen, wo sie für Lackierarbeiten genutzt worden seien. Dort seien auch die DNA-Spuren des Angeklagten auf die Beweismittel gekommen. „Es handelte sich also angeblich um gebrauchte Gegenstände – nur ohne Gebrauchsspuren“, sagte Görgün.

Das möchte das Gericht jetzt mit einem Gutachten des Landeskriminalamtes prüfen lassen und setzte den Prozess aus. Damit wurden auch die anderen Beweisanträge vorläufig zurückgestellt, bis das Gutachten vorliegt.

Paderborner Richter soll aussagen

Denn die Staatsanwaltschaft forderte das Gericht zudem auf, den Geschäftspartner des Angeklagten als Zeugen zu vernehmen. Zusammen mit ihm hatte der Soester eine Werkstatt betrieben. Der bereits verurteilte „Drogen-Koch“ war dort angestellt. Er sagte aus, dass die Geschäftspartner die Lagerhalle in Langenstraße im Einvernehmen gepachtet hatten.

Bei dem Prozess in Paderborn hatte der Geschäftspartner des Angeklagten das bestritten. Daher sollten nun nicht nur der Werkstatt-Chef, sondern auch der Staatsanwalt und der Richter aus Paderborn in Arnsberg aussagen.

Begonnen hatte der zweite Verhandlungstag zuvor mit der Vernehmung eines 40-Jährigen, der als Mitglied einer Autoschieber-Bande in Haft sitzt. Er hatte bei der Polizei und in einer früheren Gerichtsverhandlung den Angeklagten in Verbindung mit Amphetaminen gebracht, dies gestern aber vermieden. „Ich habe ihn nur zweimal gesehen“, behauptete er, die Vernehmungsprotokolle seien falsch. „Also haben sowohl der Polizeibeamte als auch die Richterin gelogen?“, wollte der Staatsanwalt das nicht so recht glauben und beantragte, beide als Zeugen zu hören.

Belastet wird der Angeklagte von den Ergebnissen eines Gutachtens, das Vorsitzende Richterin Dorina Henkel vortrug. So wurde nachgewiesen, dass der Angeklagte einen Schlüssel bei sich trug, mit dem die Amphetamin-Küche geöffnet werden konnte. Dass der Schlüssel tatsächlich benutzt worden war, wollte die Staatsanwaltschaft mit einem weiteren Gutachten beweisen, doch das Gericht legte zunächst mehr Wert auf die Farbspuren. Bis der Prozess fortgesetzt wird, bleibt der Angeklagte in Haft.