Urwüchsiger Sonderfall des Karnevals

Warstein..  Wenn Warsteins einziger „Plattkuierer“ zu Karneval Tipps zum Finden der richtigen Ehefrau gibt, dann ist es Zeit für den Sängerkarneval des MGV 1858. Stimmgewaltig, niveauvoll und vor allem mit intelligenten Humor feierten die Sänger am Samstag in der Galerie der Domschänke einmal mehr ihren urwüchsigen Karneval. Sitzungspräsident Willi Dicke begrüßte die bunt verkleidete Gästeschar und richtete herzliche Grüße von dem erkrankten ersten Vorsitzenden Norbert Vogt aus. „Er wird unser Schunkeln bestimmt bis ins Krankenhaus vernehmen.“

Manfred Severin brachte die Jecken mit seiner Herbert Knebel-Nummer in die richtige Stimmung: Als renitenter Rentner berichtete er von seiner Begegnung mit Manfred Gödde im Krankenhaus: „Der will jetzt ja in die Gastronomie, wenn er in Rente ist. Dann macht er neben seinem Häuschen in der Rosengasse dann eine innerstädtische ErsatzBepflanzung samt Biergarten – speziell für die Bewohner des Mönchlands und der Hochstraße.“ Nur das Personal fehle ihm noch, das sei so schwer zu bekommen. „Mein Tipp an ihn: Nimm’ doch den Wolfgang Heppekausen und Florian Beutler als Koch und Oberkellner.“

Imposant präsentierte sich Heinz Glänzer: Mit beachtlicher Bodybuilderfigur sinnierte er über die Vorzüge, die das Mannsein mit sich bringt: „Mann braucht für das Gesicht kein Puder und fürs Hinterteil kein Mieder.“ Die MGV-Damen sorgten anschließend für den ersten musikalischen Höhepunkt des Abends und boten den „Comedian Harmonists“-Klassiker „Mein kleiner grüner Kaktus“ in einer ganz eigenen Version dar, an deren Ende Gewürzgurken ins Publikum flogen. Die Damen bekamen die erste Rakete des Abends, gefolgt von den obligatorischen Sessionsorden. Hierfür kam eigens der Schöpfer der Orden auf die Bühne: „Alfons Wienert hat nicht nur die Orden, sondern auch unsere Plakate und Eintrittskarten gestaltet“, lobte Willi Dicke.

Auf eine Reise durch die Musikgeschichte lud Matthias Risse die Anwesenden bei seiner Premiere in der Bütt anschließend ein und stellte fest: „Die gestreckte Terz geht eindeutig auf die Inquisition zurück.“

Bei weitem nicht zum ersten Mal auf der Karnevalsbühne standen hingegen Jakob Weeger, Willi Bender und Dieter Hölter, die als die „Sänger aus Finsterwalde“ seit Jahren fester Bestandteil des Programms sind. Mit „Eine Nacht ist mir zu wenig“ und „Ein gezapftes Bier“ heizten sie die Stimmung weiter an, bevor der Mann in die Bütt stieg, für den viele der Besucher eigens gekommen waren: Winfried Struff erzählte plattdeutsche Dönekes – obwohl er im vergangenen Jahr angekündigt hätte, nun doch langsam zu alt dafür zu sein. Doch Willi Dicke brachte es auf den Punkt: „Wir sind dank dir der einzige Verein, der einen Wöske Plattkuierer hat – wir können auch auf Jahrzehnte hinaus nicht auf dich verzichten.“

Hütchen-wechsel-dich

Ähnliches dürfte wohl auch für Willi Bender gelten, der von Dicke gebeten worden war, eine Büttenrede zu halten, stattdessen aber eine Ein-Mann-Schau á la bonheur ablieferte. Grummeliger Bauer, nervöse Bäuerin und dümmlicher Junge – Bender stellte sie alle im schnellen Wechsel dar, gekennzeichnet allein durch die wechselnde Kopfbedeckung. Ob es Absicht war, dass er dabei grandios mit seinen Textzetteln durcheinander kam? Bender wollte es nicht verraten; die Lacher hatte er aber alle mal damit auf seiner Seite. Seit März 2014 hatten sie angeblich bereits geprobt, am Samstag gehörte dann endlich die ganze Bühne ihnen: Die Achtzylinder zeigten einen Gardetanz vom Feinsten und schwangen unter dem großen Applaus der Zuschauer ihre mit Holzpantinen bekleideten Füße. Manfred Severin erklärte anschließend in der Bütt, wie er zum Karnevalisten wurde, obwohl seine Eltern dies mit allen Mitteln zu verhindern suchten.

Wunsch an den Bürgermeister

Das Finale gehörte dann wieder den Sängern aus Finsterwalde, die den scheidenden Bürgermeister gekonnt aufs Korn nahmen. „Ganz Warstein ist ein Märchen“ sangen sie und stellten fest: „Jeder lacht darüber: Manfred erzählt es schon wieder, von einer neuen schönen Stadt.“ Dass Gödde nun abtreten wird, verbanden die Sänger mit einem Wunsch: „Wir warten schon auf eine neue Vision.“ Ihre eigene Lösung für Warstein hatten sie auch parat: „Wir holen drei Riesenbagger und reißen alles ein.“ Eine Disko im ehemaligen Hotel Bergenthal, ein Freudenhaus im Rathaus samt eigener U-Bahn-Station und eine Burger-King-Filiale bei Teutenberg – ob dies wahr wird? Wahr ist aber eines: Der MGV-Karneval ist und bleibt ein gelungener, intelligenter und bodenständiger Sonderfall des närrischen Treibens in der Wästerstadt.