Unternehmer (63) aus Möhnesee soll Steuern hinterzogen haben

Mallorca ist der Deutschen liebstes Urlaubsziel. Aber auch ein Ort, den ein Unternehmer aus Möhnesee regelmäßig zum Arbeiten aufgesucht hat?
Mallorca ist der Deutschen liebstes Urlaubsziel. Aber auch ein Ort, den ein Unternehmer aus Möhnesee regelmäßig zum Arbeiten aufgesucht hat?
Foto: getty
Was wir bereits wissen
Die Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht Arnsberg muss in den kommenden Wochen klären, ob sich ein 63 Jahre alter Unternehmer aus Möhnesee der Hinterziehung von knapp 6,1 Millionen Euro Steuern strafbar gemacht hat.

Arnsberg/Möhnesee.. Der Mann auf der Anklagebank ist braungebrannt. Mit dieser Äußerlichkeit könnte er das Klischee eines Unternehmers bedienen, der die Kosten für vorwiegend privat genutzte Immobilien auf Mallorca und für die Flüge auf die Ferieninsel in seiner Steuererklärung als Betriebsausgaben angegeben hat. Doch Äußerlichkeiten und Vorverurteilungen haben in einem Strafprozess nichts zu suchen. Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Arnsberg unter dem Vorsitzenden Richter Markus Jäger muss in den kommenden Wochen klären, ob sich ein 63 Jahre alter Unternehmer aus Möhnesee der Hinterziehung von knapp 6,1 Millionen Euro Steuern strafbar gemacht hat.

Angeklagter macht keine Angaben zur Sache

Es ist nicht das erste Mal, dass der Unternehmer vor einem Gericht steht, seitdem seine ­­­Geschäfts­räume in Möhnesee im Juli 2008 durchsucht worden. „Sieben Jahre sind seitdem vergangen“, sagt der hagere Westfale. „Ein sehr bedrückender und belastender ­Zeitraum.“ Sein Fall ist bereits bei Deutschlands höchstem Gericht für Steuer- und Zollsachen, dem Bundesfinanzhof mit Sitz in ­München gelandet. Weil er sich „einer Vielzahl steuerlicher Ver­fahren ausgesetzt sehe“, will sich der Mann vor dem Arnsberger Landgericht zur Sache nicht ­äußern.

Die „Sache“ hat Staatsanwältin Stephanie Westermeyer bei der Verlesung der Anklageschrift ­skizziert. Zwischen September 2003 und September 2008 soll der Gesellschaftende Geschäftsführer einer GmbH bei der Umsatz-, ­Körperschafts-, Gewerbe- und ­Einkommensteuererklärung „überwiegend aus Eigennutz“ ­bewusst falsche Angaben gemacht haben, um Steuern zu hinter­ziehen. So landeten eine Wohnung sowie eine Villa auf Mallorca ­(beide laut Anklage privat genutzt) ebenso bei den ­Betriebsausgaben wie eine „am Tag vor Heiligabend“ gekaufte Digitalkamera (An­schaffungskosten: 12 630 Euro).

Steruerhinterziehung Nicht zu vergessen 106 Flugbewegungen (davon 98 nach und von Mallorca) mit den vier eigenen Fliegern und ­Lizenzgebühren nach einer unent­geltlichen Übertragung von Urheber­rechten an eine Firma auf der ­Kanalinsel Gournsey. Der ­Angeklagte war der wirtschaftlich ­Verantwortliche dieser Firma. Auch bei Darlehen zwischen ­seinen ­verschiedenen Gesell­schaften (unter anderem für den Erwerb eines Flugzeuges für ­„mindestens“ 400 000 Euro) soll er die Steuerbehörden getäuscht t ­haben.

Er will sich „der vollen ­Verantwortung meines Tuns ­stellen“, sagt der Angeklagte mit fester Stimme. Mittlerweile habe er seine „steuerliche Praxis“ ­ver­ändert und bereits 3 Millionen Euro Steuern an Vater Staat ­nachbezahlt. Nach der ersten ­Sitzungspause steht er auf und liest von einem Blatt Papier seine ­„Angaben zur Person“ ab. Mitte der 90er Jahre habe er den ­Flugschein gemacht, um die Firmenniederlassungen „mit weniger Zeitaufwand regelmäßig aufsuchen zu können“. Auf Mallorca habe er sich aus gesundheitlichen Gründen aufgehalten („das Meer tut mir gut“) und Räume nahe Palma angemietet, „um meinen Aufgaben nachkommen zu können“. Weil es dort wegen der direkten Strandlage zu laut gewesen sei, sei er in die Villa an der Südküste umgezogen.

Zum Arbeiten auf Mallorca?

Mallorca - das Synonym für Urlaub auf den Balearen. Ist der Unter­nehmer aus Möhnesee dorthin ­geflogen, um zu arbeiten? Was ­wäre gewesen, fragt sein Rechts­anwalt Franz Salditt irgendwann am ersten Prozesstag, wenn es nicht um Mallorca, sondern um eine anerkannte Industriestadt wie zum Beispiel Lüttich (Belgien) gehen würde.

Der Prozess wird am 23. Februar fortgesetzt.