Unmut über Kita-Streik Luft gemacht

Haben kein Verständnis mehr für den Streik in den Kindertagesstätten: Die Eltern und Kinder aus dem Möhnetal demonstrieren vor der Kindertagesstätte Niederbergheim
Haben kein Verständnis mehr für den Streik in den Kindertagesstätten: Die Eltern und Kinder aus dem Möhnetal demonstrieren vor der Kindertagesstätte Niederbergheim
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ihrem Unmut über die als unzumutbar empfundene Situation machten gestern Eltern und Kinder aus dem gesamten Möhnetal bei einer Demonstration vor dem Tabaluga-Kindergarten Niederbergheim Luft.

Niederbergheim..  Laut schallen Pfeifen und Trommeln durch die Spiekerecke in Niederbergheim. Allerdings sind es keine Kinder, die fröhlich auf dem Spielplatz der Kindertagesstätte in Niederbergheim spielen, die hier für Krach sorgen. Diese haben nämlich derzeit keine Möglichkeit sorgenfrei über das Kita-Gelände zu toben. Der Zugang ist ihnen wegen des andauernden Streiks verwehrt. Ihrem Unmut über die als unzumutbar empfundene Situation machten gestern Eltern und Kinder aus dem gesamten Möhnetal Luft.

Es muss sich endlich etwas bewegen – da sind sich alle Eltern und die Kinder einig. Denn für beide ist die derzeitige Situation nicht einfach. „Das Verständnis ist nicht mehr da und ein Ende des Streiks ist nicht in Sicht, das kann sich noch Wochen hinziehen“, macht Andrea Gosmann ihrem Ärger Luft.

Dass sie nicht die einzige ist, die auf einen baldigen Kompromiss hofft, zeigt die große Resonanz bei der Eltern-Demonstration am „Tabaluga“-Kindergarten. Entstanden war die Idee durch eine Niederbergheimer Whats-App-Gruppe, zog schnell weitere Kreise, so dass sich gestern Eltern und Kinder aus dem gesamten Möhnetal – von Sichtigvor bis Niederbergheim – an der Kindertagesstätte einfanden. „Irgendwann ist die Toleranzgrenze einfach erreicht“, betont Dagmar Wiegelmann vom Elternrat.

Vor allem die mangelnde Informationspolitik ist es, die den Eltern Planungen schwer macht, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. „Auf einem Zettel an der Tür stand: ‘Morgen wird gestreikt’. So kurzfristig ist das doch ein schlechter Scherz.“

Urlaubstage fehlen an anderer Stelle

Einer, der sich kurzfristig Urlaub nehmen konnte, zunächst auch auf andere Kinder aufpasste, ist Joachim Luig vom Elternrat. Doch nicht alle haben diese Möglichkeit. „Wir haben einen Fall, da ist ein Elternteil in der Probezeit und kann keinen Urlaub nehmen – was soll die Familie tun?“ Wobei auch bedacht werden müsse, dass 30 Tage Urlaub irgendwann verbraucht sind – und das wegen des Streiks. „Wie will man den Kindern erklären, dass der Sommerurlaub flach fällt, weil die Urlaubstage verbraucht sind“, fragt Andrea Gosmann.

Nicht erst dann wird man traurige Kinderaugen sehen. „Es ist schwer, den Kindern verständlich zu machen, warum sie nicht im eigenen Kindergarten untergebracht werden können“, erzählt Joachim Luig. Den Kindern, die zu Hause bleiben müssen, fehlen die Spielkameraden und die Kommunikation. Und hinzu komme, dass nicht alle Kinder ohne Weiteres in einer Not-Gruppe unterzubringen seien. „Einige Kinder sind emotional einfach überfordert.“ Vor allem die Kinder, die neu in der Kita sind, sich gerade eingewöhnt haben und sich nun umgewöhnen müssen.

Schwer ist die Situation auch für die Entlasskinder, fallen doch eigentlich geplante spezielle Aktionen für diese flach. Kein Wunder, dass die Eltern die Trillerpfeifen zücken. Nadine Lenze: „Es wird immer betont, die Eltern stünden hinter den Erzieherinnen, aber unsere Geduld ist am Ende. Das ist nicht mehr tragbar.“ Auch sie hofft, mit der Demonstration ein Signal zu setzen. „Man hat das Gefühl, wenigstens etwas gemacht zu haben – ob es was bringt, weiß man nicht.“