Über den Wolken mit der alten „Tante Ju“

Wolfgang Heppekausen fliegt mit der JU
Wolfgang Heppekausen fliegt mit der JU
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Einen Wunsch erfüllt hat sich Warsteins ehemaliger Stadtmarketing-Chef Wolfgang Heppekausen. Er ist in die Luft gegangen mit einem ganz besonderen Flugzeug: Der JU52, liebevoll „Tante Ju“ genannt.

Warstein/Berlin..  Wolfgang Heppekausen hebt ab – der ehemalige Stadtmarektingschef hat sich jetzt in Berlin einen besonderen Wunsch erfüllt: Einen Rundflug mit der legendären Junkers Ju52, oft liebevoll „Tante Ju“ genannt. Seine Eindrücke schildert er exklusiv für die WP:

Ein tiefes Brummen erfüllt die Kabine. Alles vibriert und dröhnt. Ich erinnere mich an die mahnenden Worte meiner Bekannten: „In eine solche Klapperkiste willst du steigen? Lass das sein! Du bist doch verrückt!“. Nein, bin ich nicht! Im Gegenteil, meine Freude steigt.

Unser Flugerlebnis führt uns zurück in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Mit der legendären Junkers Ju52 wollen wir Berlin, Potsdam und das märkische Umland aus der Luft erkunden. Wir starten auf dem Flughafen Strausberg – eine Stadt im Landkreis Märkisch-Oderland, östlich von Berlin.

Wir, die 16 Fluggäste, sitzen in exklusiven hellbraunen Ledersitzen. Unser Pilot ist Thomas Kreimeier, ein erfahrener Airbuspilot der Lufthansa. Auch Copilot und Flugingenieur sind Lufthansapiloten auf Airbus oder Boeing mit einer zusätzlichen Spezialausbildung für den Betrieb der alten „Tante Ju“. Hinzu kommen eine Flugbegleiterin und ein Flugmechaniker, der die Maschine vor und nach jedem Flug intensiv überprüft. Die 79 Jahre alte „Ziege“, so wird sie liebevoll von den Technikern bezeichnet, erfährt eine außergewöhnliche Pflege. Jährlich in den Wintermonaten, so wird mir gesagt, wird die Maschine fast vollständig auseinandergenommen und überprüft. Zwischen 1955 und 1963 flog sie in Südamerika und bis 1984 war sie auf Flugschauen in den USA unterwegs. In den USA wurden die drei originalen BMW-Sternmotoren gegen Pratt & Whitney Triebwerke getauscht. Dann erinnerte sich der Lufthansavorstand an das einstige Arbeitspferd und holte den legendären Wellblech-Oldie Anfang der 80er Jahre zurück nach Hamburg.

Seenlandschaft Potsdams fasziniert

Nach einer 15-monatigen Überholung erhielt die „Grande Dame der Lüfte“ die ursprüngliche Bezeichnung D-AQUI zurück und wurde auf den geschichtsträchtigen Namen „Berlin-Tempelhof“ getauft. Seitdem ist sie in den Sommermonaten auf Tournee. Jetzt geht es los. Nach einem kurzen Start erhebt sich die „79-jährige Dame“ langsam und sanft in die Höhe. Ich kann ins Cockpit blicken und sehe, welche körperliche Arbeit der Flugingenieur zu leisten hat. Nach einer Flughafenrunde haben wir schon fast die Flughöhe von 600 Metern erreicht.

Leider ist die Sicht nicht gut. Es ist diesig und grau. Wir steuern bei Sichtflug über den östlichen Berliner Autobahnring und Hoppegarten auf die Ortsteile Karlshorst und Britz zu und können schon bald das alte Flugfeld Tempelhof sichten. Welche eine große freie Fläche inmitten dichter Bebauung. Wir fliegen weiter über Schöneberg und haben schon bald einen Blick auf Berlin-Mitte mit Fernsehturm, Alexanderplatz, Spree und Reichstag mit Regierungsviertel. In südwestlicher Richtung geht es über den Grunewald und die Avus auf Potsdam zu. Gut erkennbar sind die Nikolaikirche, das neue alte Stadtschloss, es beherbergt den Brandenburger Landtag, der Park und die Weinbergterrassen von Schloss Sanssouci. Mächtig beeindruckt bin ich von der imposanten Seenlandschaft Potsdams.

Nacheinander darf jeder von uns ins Cockpit und den Piloten bei der Arbeit zuschauen. Über Spandau (Vorsicht: Einflugschneise Tegel!), Wedding, Pankow, Marzahn, Hellersdorf und Petershagen geht es zurück nach Strausberg. So sanft wie die Ju52 gestartet ist, so landet sie auch wieder. Nachdem unsere Maschine ausgerollt ist, hat der Flugtechniker fast unbemerkt seine Arbeit wieder aufgenommen und inspiziert die Ju von allen Seiten. Besonders intensiv blickt er in die alten Triebwerke. Dann ist Zeit für Gespräche und Fotos. Wir bedanken uns beim Flugpersonal, verabschieden uns und werfen einen Blick zurück. Irgendwie habe ich die alte „Ziege“ ins Herz geschlossen.

Am Flughafengebäude haben sich erneut zahlreiche Schaulustige eingefunden und bestaunen die alte „Wellblech-Tante“. Einer sagt mir beim Vorbeigehen „Da würde ich nie einsteigen!“ und ich denke nur „So ein Quatsch!“.