Trotz Wind und Wetter auf den Straßen Warsteins

WP-Volontärin Jana Naima Fischer verteilt den Weihnachtspfarrbrief des Pastoralverbundes Warstein und trotzt dabei eisiger Kälte und starkem Wind.
WP-Volontärin Jana Naima Fischer verteilt den Weihnachtspfarrbrief des Pastoralverbundes Warstein und trotzt dabei eisiger Kälte und starkem Wind.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
WP-Volontärin verteilt den Weihnachtspfarrbrief und merkt, dass das bei Sturm kein leichter Job ist

Warstein..  Etappe 1. Es ist kalt. Sehr kalt. Der Wind pfeift um meine Ohren, die kleinen Hefte in meiner Hand wehen mir fast aus den Armen. Der Briefschlitz klappert, als ich eines von ihnen hindurchschiebe. Es ist Freitag Morgen und ich verteile die Weihnachtspfarrbriefe. Einen großen Karton hat mir Michaele Enste mitgegeben. Einen Karton, den ich alleine kaum tragen kann. „Da sind noch Verteiler abgesprungen. Deswegen ist sehr viel übrig geblieben.“ Ich habe das Gefühl, dass die Hefte in meinem Auto nur mehr werden, nicht weniger. Regen peitscht mir ins Gesicht. Auch das noch. Ich seufze, laufe schneller.

Treppe hoch. Nummer 3. Treppe runter. Gartentor auf. Nummer 4. Briefkasten hinter der Hecke suchen. Bellen im Garten. Ich zucke zusammen und laufe zurück. Nummer 35 bekommt drei Pfarrbriefe. Das Ehepaar vor der Nummer 45 möchte nur einen. „Für meine Mutter“, sagt er und zieht sich die Mütze noch tiefer ins Gesicht. Meine Zehen sind eisig. Ich bin mir sicher, dass sie blau sind, würde ich jetzt meine Wollsocken ausziehen. Mein Handy bimmelt. Sturmwarnung. Amtliche Warnung vor Windböen. Das ist der Moment in dem ich aufgebe. Ich sprinte zurück in mein Auto und werfe den Stapel auf den Beifahrersitz. Der Gurtalarm des Sitzes piept wegen der Hefte. Ich ignoriere ihn und mache mich auf den Weg in die Redaktion und zum nächsten Taschentuch. Wie sagte Scarlett O’Hara noch so schön im „Vom Winde verweht“? Morgen ist auch noch ein Tag.

Etappe 2. Mein Auto quietscht. Mist, eine Einbahnstraße, da kann ich also nicht rein. Wieder um den Block fahren, parken, aussteigen und zu Fuß weiter. Ich stöhne auf als der Nieselregen kleine dunkle Tropfen auf den Heften hinterlässt. Ich kämpfe mich durch den Regen, stecke die Weihnachtspfarrbriefe durch Türschlitze, in Zeitungshalter oder in riesige Briefkästen.

Navigationsprobleme

Warstein kenne ich nun viel besser. Jede Türklingel, jeden Briefkasten hab ich nun gesehen. Zum Windpark muss ich jetzt, fahre wegen einer Straßensperrung zum Brauereigelände. Mein Navi findet sich nicht mehr zurecht und ich passiere ein großes weißes Tor. Das Brauereitor. Ich glaube nicht, dass die Brauerei die Pfarrbriefe bekommt.

Hinter weißen Gittern

Ich bleibe stehen, schaue auf mein Handy. Im Radio singt Wham! über gebrochene Herzen zu Weihnachten. Ich drehe und stehe vor dem verschlossenen Tor. Panik. Dann öffnet sich das weiße Gitter und schnell rase ich durch. Zum Windpark ist gefunden. Wiedersehen Warsteiner. Ich düse zurück in die Redaktion. Etappe 3. Heute geht es von vorneherein zu Fuß los. Und nicht allein. Mein Kollege Thorsten Streber hilft mir, die letzten Weihnachtspfaarbriefe in der Mönchlandstraße zu verteilen. Zusammen laufen wir die Straße hinauf und hinunter, werfen die letzten 24 Heftchen ein und sind nach zwanzig Minuten endlich fertig mit dieser Mammutaufgabe. Eine Aufgabe, die mir ehrlich gesagt am wenigsten gefallen hat von den vielen guten Taten, die ich bisher absolviert habe. Zurück in der Redaktion an meinem gemütlichen Schreibtisch in der Ecke frage ich mich, wieso das so ist.

Das Problem bei guten Taten

Vielleicht weil ich mit niemandem reden konnte. Vielleicht, weil ich nichts neues gelernt habe. Vielleicht aber auch, weil ich kein Dankeschön bekommen habe. Kein kleines Lächeln, kein simples Kopfnicken. Vielleicht ist das das Problem mit den guten Taten, vielleicht existieren sie gar nicht, weil man insgeheim immer eine kleine Gegenleistung erwartet, auch wenn diese nur in Form von Anerkennung und einem Dankeschön daher kommt. Aber wenn das als kleine Belohnung schon reicht, sollten wir uns trotzdem bemühen, weiterhin gutes zu tun. Denn ganz oft geben einem diese Taten viel mehr, als man ursprünglich erwartet hat. Und vielleicht macht das dann eben doch die ultimative gute Tat aus. Etwas für andere und gleichzeitig auch für sich selbst zu tun.