Tote Sprache

Lateinlehrer will der junge Mann werden – und die Meinungen in der Redaktion gehen auseinander. „Eine tote Sprache unterrichten?“, fragen die einen. „Das hat mir früher auch immer Spaß gemacht“, erwidern die anderen. Ich gehöre deutlich zu den einen...


Zwar steht das Latinum auf meinem Abiturzeugnis und meine Latein-Karriere war in der siebten Klasse auch mit überzeugenden Noten angelaufen, aber kurz vor dem Abschluss, als es eher um Cicero und Homer statt um Asterix und Obelix ging, ließ mein Elan spürbar nach.


Der lilafarbenen Stowasser wurde irgendwann zu meinem besten Freund in den Übersetzungs-Klausuren. Ich schlug die Wörter nach, schrieb sie hintereinander auf und versuchte, sie dann in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Wer muss schon unzähligen Zeitformen und Kasus-Endungen lernen oder den noch viel unsäglicheren AcI verstehen?


Für eine 4 hat’s am Ende gereicht – und auch mein schlechtes Gewissen ist eher minder stark ausgeprägt, nachdem ich das Geständnis einer Kollegin hörte. Sie hat auf dieselbe Weise gearbeitet – und damit sogar ihr Studium bestanden.