Todestag von Albert Cramer - Erinnerungen an Warsteiner-Brauerei-Inhaber

Familienmensch: Albert Cramer brachte Tochter Cathrina Cramer am 9. Juni 2012 zum Altar.
Familienmensch: Albert Cramer brachte Tochter Cathrina Cramer am 9. Juni 2012 zum Altar.
Foto: Hartwig Sellmann/WNM
Was wir bereits wissen
Der Todestag jährt sich: Albert Cramer starb am 20. November 2012 im Alter von 69 Jahren. Der Tod des Unternehmers erschütterte die ganze Stadt. Ein Jahr ohne den einstigen Brauerei-Chef – was ist geblieben, von seinen Ideen, seinen Visionen, seinen Plänen für Warstein?

Warstein.. Vielen Warsteinern in Erinnerung bleiben wird Albert Cramer als ein Förderer des Reitsports, aber auch der Kultur. Er war ein Visionär. Am Herzen lag es ihm, die Stadt nach vorne zu bringen, sei es touristisch, wirtschaftlich oder auch verkehrstechnisch.

Der Visionär

Um eine Stadt nach vorn zu bringen, braucht es Menschen mit Visionen. Albert Cramer war so ein Visionär – auch wenn seine Ideen oft auf wenig Gegenliebe in Politik und Verwaltung stießen. Erinnert sei an die Brauwasser-Talsperre, die heute wahrscheinlich ein touristischer Anziehungspunkt wäre, und das Warsteiner Besucherzentrum, das ursprünglich als große Anlage mit mehreren Gebäuden und Hotel im Fachwerk-Stil geplant war. Übrig blieb davon Unsere Warsteiner Welt und das einstmals idyllisch gelegene Haus Waldfrieden.

Auch für die Neue Mitte hatte sich Albert Cramer stets stark gemacht, hatte dem Investor als Signal ein Vorkaufsrecht für die ehemalige Brauerei-Verwaltung eingeräumt. Eine abgespeckte Version könnte bald Wirklichkeit werden.

Warsteiner Visionär war er vor allem aber in Hinblick auf sein eigenes Unternehmen: Der Inhaber der Warsteiner Brauerei hat den Familien-Betrieb in den vergangenen Jahrzehnten geprägt wie kein Zweiter. Cramer brachte das Unternehmen Warsteiner in den 80er und 90er Jahren an die Spitze der deutschen Brauereien. Heute hat sie sich auf den vorderen Plätzen etabliert.

Der Pferdesportliebhaber

Seine Liebe zum Reitsport gab wohl den Ausschlag für den Bau des Reitsportzentrums am Hillenberg. Eine Reitsportanlage der Extraklasse mit einer Führanlage mit integriertem Longierzirkel, zwei großzügigen Reithallen und Außenplatz. 1997 zog der Warsteiner Reitverein in die Anlage ein und ist dort immer noch beheimatet.

Zum 13. Mal fand in diesem Jahr die Champions Trophy statt, bei der in jedem Jahr namhafte Springreiter von Ludger Beerbaum bis Franke Sloothaak und Alois Pollmann-Schweckhorst, Pächter der Anlage, starten. Integriert in das Turnier ist die Warsteiner Reitsportförderung für junge Talente, die Cramer besonders am Herzen lagen.

Nicht nur beim Turniersport hatte AC die Pferde im Blick. Seit vielen Jahren werden in Warstein Percherons, große weiße Kaltblüter, gezüchtet, die vor Kutschen gespannt werden, aber auch als Show-Gespanne bei nationalen und internationalen Sportevents ihren großen Auftritt bekommen.

Der Kulturliebhaber

Seit über 15 Jahren gehört das Neujahrskonzert, das im Rahmen der Kupferhammerkonzerte stattfindet, zu den Höhepunkten im städtischen Kulturkalender. Dieses Konzert wurde von AC und der Paul-Cramer-Stiftung maßgeblich unterstützt.

Ebenso im Gedächtnis geblieben sein dürfte das Konzert von Cameron Carpenter in der St. Pankratius-Kirche am 23. März 2012. Cramer hatte den jungen Ausnahme-Organisten bei einem Konzert in Amerika gehört und holte ihn nach Warstein. Über 850 Musikfreunde kamen zu Carpenters Konzert, das auch von der Kulturinitiative Warstein mitpräsentiert wurde. Auch ihr Vorstand schätzte Cramer als großen Freund und Förderer der heimischen Kulturlandschaft.

Nochmals war Cameron Carter in Warstein zu Gast und zwar am 22. Mai auf Einladung der Familie Cramer. Albert Cramer wäre an diesem Tag 70 Jahre alt geworden und hätte dieses musikalische Geschenk sicher zu schätzen gewusst.

Albert Cramer war ein Unternehmer mit Herz für die Stadt Warstein

Paul-Cramer-Stiftung

Die finanziellen Möglichkeiten der Stadt sind begrenzt. Gleichwohl wird an vielen Stellen dringend Geld „von außen“ benötigt, um Projekte zu realisieren. Dieses Problem erkannter Albert Cramer bereits 1988. Er gründete eine Stiftung, die den Namen seines Vaters Paul Cramer bekam. .Ziel ist es laut Satzung, die „Beschaffung von Mitteln zur Förderung der Kultur, insbesondere des Heimatgedankens, der Jugend und Altenhilfe, des Wohlfahrtswesens und des Sports“ in Warstein.

Warsteiner „AC“ stattete die Stiftung mit vier Millionen Mark aus. Mit diesem Geld erwarb die Stiftung von der Stadt vier ehemalige Übergangswohnheime. Diese wurden so ausgestattet, dass sie auf dem freien Wohnungsmarkt zur Miete angeboten werden konnten. Die Erlöse werden entsprechend dem Stiftungszweck ausgeschüttet. Da eine Stiftung zeitlich unbegrenzt angelegt ist, profitieren die Warsteiner Bürger auch über den Tod Albert Cramers hinaus an den Erträgen der Einrichtung.

Geologie-Museum

Vor gut anderthalb Jahren präsentierte der Stadtmarketingverband erstmals seine Idee: Ein Geologie-Schulmuseum. Solch ein Projekt kann der kleine Verein natürlich nicht alleine stemmen. Das Werben bei Brauerei-Chef Albert Cramer war erfolgreich. Er versprach seine Unterstützung. Die Idee: Das Museum soll im ersten Stock der Waldwirtschaft untergebracht werden.

Auf einer Fläche von 300 bis 400 Quadratmetern soll ein Überblick über die Entstehung der Erde und die Geschichte der Warsteiner Kalkgewinnung präsentiert werden; zudem Informationen über die Besonderheiten des Warsteiner Trinkwassers. Einer der Gedanken: Das gesamte Bilsteintal wird durch die Ausstellung noch attraktiver, zieht weitere Besucher an. Der Haken: Eigentlich war gedacht, die Ausstellung nach einiger Zeit den Bilsteintalern kostenlos zu überlassen. Die lehnten letztlich aber ab, weil sie sich mit den übrigen Aufgaben bereits ausgelastet fühlen.

Auch wenn es nun mit dem Museum in der Waldwirtschaft wohl nichts wird, gibt es doch eine Ausstellung, die der Stadtmarketingverband derzeit an verschiedenen Stellen (aktuell in der Maximilian-Kolbe-Schule Rüthen) zeigt. Auch der Steinlehrpfad in Suttrop profitiert von den erarbeiteten Informationen.

Warsteiner Albert Cramer war Brauer mit Leib und Seele. Das sehen Besucher des Warsteiner Friedhofes auch heute noch bei einem Besuch. Denn er hatte sich zu Lebzeiten ein Grabmal aus einem kupfernen Braukessel gewünscht und angeblich den Aufbau auch schon einmal an Ort und Stelle gesehen. Rund ein halbes Jahr nach seinem Tode wurde der Wunsch umgesetzt. Die fast vier Meter breite Haube erregte bei vielen die Gemüter; nicht nur Bürgermeister Manfred Gödde steht jedoch hinter dem Wunsch, die eigentlich gegen die Friedhofssatzung verstößt. Außerdem soll durch die Begrünung die breite Haube nicht mehr so dominieren.

Montgolfiade

Ausgerechnet im Jahr nach seinem Tode musste eines der Lieblingsprojekte Albert Cramers ausfallen: Die „Warsteiner Internationale Montgolfiade“ 2013 wurde aufgrund der Legionelle-Gefahr kurzfristig gestrichen. Cramer war ein begeisterter Ballon-Fahrer und gründete die Veranstaltung 1986 – seit 1996 findet sie jährlich im September statt. Sie entwickelte sich zum europaweit größten Ballonsportereignis und macht die Stadt – neben dem Bier – vielerorts bekannt.