Tankstellenräuber zu Haft verurteilt

Was wir bereits wissen
Unter Alkohol- und Drogeneinfluss überfiel ein 33-jähriger Mann aus Menden bewaffnet mit einem Brotmesser zwei Tankstellen an einem Tag. Vor dem Landgericht Arnsberg musste er sich nun für diese beiden Taten verantworten.

Arnsberg..  Der Mendener Tankstellenräuber, der am 21. Februar drei Flaschen Bier und 660 Euro Bargeld erbeutete, muss ins Gefängnis. Richterin Dorina Henkel verurteilte den 33-Jährigen am Landgericht Arnsberg zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten.

Die beiden Taten ereigneten sich an einem Samstag im Februar. Der Angeklagte, der während der Verhandlung einen sehr ruhigen Eindruck machte, zeigte sich umfassend geständig.

„Ich hang zwei Monate auf dem Sofa rum. Die Probleme wurden immer größer. Ich steckte in einer ausweglosen Situation“, fasste der Angeklagte zusammen. Kurz vor der Tat habe er durch Eigenverschulden seine Anstellung verloren, die Miete war schon zwei Monate überfällig und zu essen blieb ihm nur noch ein Glas mit Bohnen.

Eine schwachsinnige Idee

Mit ein paar eben dieser Bohnen als Stärkung und unter dem Einfluss von „zwei bis drei Lines“ Amphetamine fasste er eine unkluge Entscheidung, die er nur wenig später bitter bereuen würde: „Bevor ich auf der Straße lande, gehe ich lieber in den Knast, habe ich gedacht. Das war eine richtig schwachsinnige Idee.“

Besser kann man die Vorgehensweise des Mendeners nicht bewerten. Schließlich tat er wirklich alles dafür, schnellstmöglich von der Polizei gefasst zu werden: Er betrat die Tankstellen ohne jegliche Maskierung und versuchte Sekunden vor seiner Tat noch einmal mit seiner EC-Karte zu bezahlen. Wie erwartet, so gab es der geständige Angeklagte zu Protokoll, funktionierte dies nicht, da er sein Konto bereits überzogen hatte.

Daraufhin zog er das mitgebrachte Küchenmesser und forderte die Kassiererin auf, ihm Bargeld aus der Kasse auszuhändigen. Die junge Mendenerin machte ihn darauf aufmerksam, dass dies nicht möglich ist. Selbst wenn sie es wollen würde, komme sie nicht an das Bargeld, woraufhin der Angeklagte die Tankstelle verließ. Nicht jedoch, ohne eine Flasche Bier mitzunehmen.

Frisch gebadet zu Nummer zwei

Zuhause badete er und zog sich frische Kleidung an, bevor er sich – erneut bewaffnet mit dem Küchenmesser – auf den Weg zum zweiten Raub machte. Dass er wieder sein Glück in einer Tankstelle suchte, war ursprünglich nicht sein Plan: „Eigentlich wollte ich zum Real-Markt, aber der war mir zu voll“, gab er zu.

Weniger gut besucht war aber eine weitere Tankstelle. Dort nahm er erneut zwei Bier aus dem Kühlfach und orderte dazu noch Tabak, Blättchen und Filtertipps von der 23-jährigen Studentin aus, die an diesem Samstag ihren Dienst an der Kasse leistete. Als er sie dazu aufforderte, alles in eine Plastiktüte zu packen, machte ihn die junge Frau darauf aufmerksam, dass eine solche Tüte 15 Cents koste, was der 33-Jährige mit: „Ja, das passt schon“, absegnete. Schließlich hatte er ohnehin nicht vor, die Waren zu bezahlen.

Als ihm die 23-Jährige Mitarbeiterin den zu zahlenden Betrag nannte, hatte er bereits das Messer gezückt und forderte: „Machen sie die Kasse auf“, in einem gelassenen Ton. „Er hat auch nicht mit dem Messer rumgefuchtelt. Es war überhaupt nicht so, wie man es in den Filmen sieht“, sagte die Zeugin.

Der Angeklagte kam noch nichteinmal dazu, die beiden geraubten Biere auszutrinken, geschweige denn die Beute auszugeben, da saß er auch schon im Streifenwagen.

Er war nicht einschlägig vorbestraft, zeigte sich vollends geständig und entschuldigte sich glaubhaft bei den beiden Zeuginnen. Das bewahrte ihn vor einer noch höheren Strafe als den 39 Monaten, zu denen er wegen schwerem Raubes verurteilt wurde.