Talentsuche

Musik liebt einfach jeder. Und wer hat sich noch nicht gewünscht, auch ein Instrument spielen zu können? Ich jedenfalls war immer scharf darauf, mich musikalisch zu zeigen und ein verborgenes musisches Talent in mir zu Tage zu fördern. Dafür tat ich als Kind einiges. So nahm ich Blockflötenunterricht bei einer alten Frau mit großem Garten, die mit Katzen und ihrem wuscheligen grauen Haar direkt neben dem Friedhof wohnte.


Sie brachte mir und meiner besten Freundin bei, wie man den Daumen auf die Löcher legt und wann man ihn wieder wegnehmen muss. Ich kann mich nicht ganz an die Lieder erinnern, die sie uns beibrachte, wohl aber an die Frau an sich, die durch das Haus schwebte, immer einen bunten Schal um die Schultern. Irgendwann nahm sie uns mit in den Garten, um im Freien zu spielen. Sie pflückte Gänseblümchen und berichtete daraufhin entrückt, wie sie einmal einige Tage nur eben diese Gänseblümchen zu sich nahm anstatt normal zu essen. Dieser Tag markierte das Ende meiner Karriere als Flötistin und meine Freundin zog kurz darauf weg - was hoffentlich nicht an der Flötenlehrerin lag.


Weil nun mein mäßiges Talent an der Flöte nicht mehr gefördert wurde, entschied ich, das Schlagzeug auszuprobieren. Mit wildem Elan trommelte ich auf allem herum, was vor mir stand. Mein Lehrer war entsetzt und die Gruppe der Kinder, die um mich herum saß, traute sich nicht, die Ohren zuzuhalten. Vielleicht sah ich zu wild aus. Nach einem Tag entschied man, mich nicht mehr zum Schlagzeugunterricht zu schicken. Einmal erbarmte meine Schwester sich, mich am Klavier zu unterrichten, aber irgendwie wollte mir nichts so recht gelingen, auch wenn ich „Alle meine Entchen“ noch heute beeindruckend interpretieren kann. Vielleicht ist es mir nicht bestimmt, Musikerin zu werden. Aber manchmal trommele ich trotzdem noch auf dem Tisch herum. Und so schlecht klingt das gar nicht!