„Suttrop ist der Ort, an den ich gehöre“

Lange aktiv im Heimatverein Suttrop: Gisela Jütte und Albert Weber.
Lange aktiv im Heimatverein Suttrop: Gisela Jütte und Albert Weber.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Albert Weber und Gisela Jütte haben sich aus dem Vorstand des Heimatvereins Suttrop verabschiedet. Aktiv bleiben sie, denn die Heimat ist ihnen wichtig.

Suttrop..  Sie sind beide hartnäckig, haben beide unglaublich viele Ideen und seit vergangener Woche noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie sind beide Ehrenmitglieder des Heimatvereins Suttrop. Albert Weber und Gisela Jütte haben den Verein über Jahrzehnte geprägt. Nun wurden sie von ihren Kollegen und Freunden aus dem Verein als Vorsitzender und als Geschäftsführerin verabschiedet. Dass dies keinesfalls heißt, dass sie fortan die Füße hochlegen, dürfte so mancher bereits auf der Generalversammlung geahnt haben. Ein Interview mit zwei Menschen, die keine Ruhe geben.

Frage: Frau Jütte, Sie haben auf der Generalversammlung ein flammendes Plädoyer für das Ehrenamt gehalten – da kann man es sich eigentlich nicht vorstellen, dass Sie gerade als Geschäftsführerin aufgehört haben.

Gisela Jütte: Nun ja, wir machen das schon so lange. Wenn jetzt neue Leute kommen, dann bringt das frischen Wind. Man muss sehen: Albert wird 76 und ich bald 70 Jahre alt. Da muss man für eine geregelte Nachfolge sorgen. Wenn das nicht passiert, steht der Verein auf einmal da und niemand findet sich – das geht nicht. Wir wollen nicht rausgetragen werden. Mir war wichtig, dass ich mir einen ordentlichen Schlusspunkt setze. Das heißt ja nicht, dass wir uns komplett verabschieden. Wir sind weiter aktiv, aber wenn jetzt nach und nach andere unsere Aufgaben übernehmen: sehr gerne. Ich habe keine Langeweile.

Die werden Sie, Herr Weber, vermutlich auch nach Ihrem Rücktritt als Vorsitzender nicht haben. Sie haben ja noch ein ganz besonderes Anliegen: Die Schürfwiese am Kalkofen.

Albert Weber: Ja, diese Schürfwiese bleibt mein persönlicher Wunsch, um unseren Geopark komplett zu machen. Da werde ich mich auch weiter für einsetzen. Man darf aber mit 76 Jahren auch nicht die Augen davor verschließen, dass es mal einen gesundheitlichen Nackenschlag geben kann. Deswegen haben wir jetzt einen Generationswechsel vollzogen. Die jungen Leute, die jetzt am Zuge sind, können sich bei uns jederzeit Rat holen. Das ist ein guter Übergang.

Junge Leute ist ein gutes Stichwort: Die Jugendarbeit in Ihrem Verein scheint außergewöhnlich gut zu funktionieren – woran liegt das?

Jütte: Wir hören den Jugendlichen zu und bieten ihnen etwas.

Weber: Dazu gehört auch, dass man respektiert, dass sie nicht immer da sind. Und das tun wir. Wenn sie bei einem Arbeitseinsatz morgens um 10 Uhr mal nicht da sind, weil sie den Abend vorher gefeiert haben, dann haben wir da Verständnis für. Knallharte Methoden bringen da gar nichts.

Was macht den Heimatverein aus?

Jütte: Wir gestalten unsere Arbeit abwechslungsreich. Es ist nicht „nur“ Heimat, was wir machen: Wir fahren ins Theater, wir basteln, wir gehen essen. Und wir bemühen uns, es unterhaltsam zu gestalten.

Da spielt die Frauengruppe doch sicherlich eine große Rolle?

Weber: Diese Gruppe war ja so eine Idee von mir, für die ich erst belächelt wurde. Und heute ist sie gar nicht mehr wegzudenken. Die Frauen machen die Cafeteria, sie binden die Kränze und sind einfach da und organisieren alles. Unsere Frauen sind immer sehr gastfreundlich. Da brauche ich sie nur ansprechen und dann läuft da alles: Die decken das wunderschön ein, kochen Kaffee und kümmern sich um die Besuchergruppen.

Jütte: Das Schöne an dieser Gruppe ist auch, dass wirklich jede Frau mit ihren Talenten akzeptiert und respektiert wird. Jede macht etwas, was sie gut kann.

In Ihrem Fall wäre das die Reiseorganisation, oder?

Jütte: Dass ich das mache, ist ja eigentlich Albert in Schuld. Er hat gefragt, ob ich nicht mal eine Tagesfahrt organisieren könnte. Das ist klein angefangen, mit einer Fahrt zum Weihnachtsmarkt nach Soest. Und dann kam irgendwann die erste Fahrt, wo mir klar war: An einem Tag schaffen wir das nicht. Dann haben wir uns gesagt: Versuchen wir es doch mal, ob die Leute auch drei Tage mitkommen. Das hat wunderbar geklappt, wir hatten sogar zu viele Anmeldungen. Ich versuche immer, Ziele zu finden, die nicht alle schon kennen. Ich habe die nächste Reise schon im Blick. In den nächsten 14 Tagen werde ich die stehen haben. Es wird in den Osten gehen, so viel kann ich schon verraten.

Eines ist ganz deutlich spürbar, wenn Sie beide erzählen: Der Verein liegt Ihnen am Herzen.

Weber: Ganz eindeutig. Wenn man sieht, was wir da aufgebaut haben, ist das etwas Schönes. Wir können unsere Objekte nur über Sponsoren finanzieren. Da muss man Kontakte haben. Und Sponsoren bekommt man nur, wenn die Leute sehen, dass im Verein etwas passiert.

Jütte: Wichtig ist auch, dass man sich selbst für nichts zu schade ist. Man darf nicht sagen: Macht das mal so und so und dann packt man selbst nicht mit an. Es muss immer heißen: Wir müssen das machen.

Wie definieren Sie beide „Heimat“?

Weber: Das ist Suttrop, das kann ich ganz leicht beantworten. Hier bin ich geboren, aufgewachsen. Ich bin in allen Vereinen tätig. Es gibt kaum einen, den man hier nicht kennt. Für mich ist Suttrop der Ort, an den ich gehöre. Ich fühlte mich woanders nicht wohl. Das ist meine Heimat und hier bin ich Zuhause.

Jütte: Ich bin ja vom Niederrhein zugezogen und seit 40 Jahren hier. Es ist zur Heimat geworden – durch die Menschen, die man kennenlernt. Und ich weiß es sehr zu schätzen, wenn ich nach dem Besuch einer Großstadt wieder hierhin komme: Dann weiß ich, dass die Heimat eigentlich hier ist.