Steinabbau in der Tiefe nicht um jeden Preis

Steinbruch Kupferkuhle Warsteiner Kalkwerk GmbH & Co.KG, Warstein, Sauerland, Warstein, Nordrhein-Westfalen, Deutschland, Europa
Steinbruch Kupferkuhle Warsteiner Kalkwerk GmbH & Co.KG, Warstein, Sauerland, Warstein, Nordrhein-Westfalen, Deutschland, Europa
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Westkalk-Geschäftsführer Franz-Bernd Köster wehrt sich gegen die Behauptung der Trinkwasser-Initiative, den Warsteinern die Wasserversorgung entziehen zu wollen.

Warstein..  „Die Trinkwasserversorgung in Warstein wird nie gefährdet sein“, sagt Westkalk-Geschäftsführer Franz-Bernd Köster. Er reagiert damit auf eine Stellungnahme der Initiative Trinkwasser, in der Werner Braukmann den Betrieben der Steinindustrie vorwirft, „ihre Abgrabungsrechte auf das Warsteiner Wasser auszuweiten“. Das Verwaltungsgericht hatte im Dezember der Klage von acht Unternehmen recht gegeben und die Bewilligung der Bezirksregierung aufgehoben, die es den Stadtwerken erlaubte, weitere 30 Jahre lang Trinkwasser aus der Hillenberg-Quelle zu gewinnen (wir berichteten).

Werner Braukmann schreibt im Namen der Initiative: „Jetzt können wir schwarz auf weiß lesen, was man vorher nicht recht glauben wollte. Nämlich dass es die gegen die Bezirksregierung klagenden Steinunternehmen tatsächlich darauf abgesehen haben, der Stadt Warstein, also uns, die eigene Wasserversorgung zu entziehen.“

Die Hillenberg-Quelle sei den Unternehmen bei der Kalkgewinnung im Weg, glaubt Braukmann. „Schon vor 30 Jahren haben sie die Gefahr gesehen, dass es teuer werden könnte, wenn die Quelle unseres hervorragenden Tiefenwassers durch den Steinabbau und vor allem durch Sprengungen plötzlich versiegen oder sonst wie beeinträchtigt würde. Und so ließen sie sich von der Stadt aus der Haftung befreien – was bedeutet, dass sie risikolos weiterarbeiten konnten.“

„Naturschutzargumente sind Hohn“

Werner Braukmann interpretiert Klage und Urteil so, dass die acht Unternehmen, die den Prozess gemeinsam anstrengten, nun „aufs Ganze“ gingen. Sie brächten nicht mehr nur Haftungsfragen vor, sondern griffen gleich die Genehmigung an sich an. „Die Unternehmen lassen die renommierte, teure Rechtsanwaltskanzlei Redecker sogar Argumente vorbringen, die sonst Umweltschutzorganisationen verwenden“, schreibt Braukmann.

So begründete das Verwaltungsgericht sein Urteil unter anderem damit, dass der Verzicht auf eine vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung von der Bezirksregierung nicht plausibel begründet wurde. „Welch ein Hohn“, heißt es in der Stellungnahme der Trinkwasser-Initiative, „mit Naturschutzargumenten dafür zu kämpfen, weiter zerstörerisch in die Natur eingreifen zu können.“

In der Urteilsbegründung wurde darüber hinaus bemängelt, dass die Bezirksregierung auf mögliche künftige Abbauvorhaben in der Tiefe nicht in ausreichendem Maße Rücksicht genommen habe. „Frank und frei gestehen die Unternehmen, ins Grundwasser gehen zu wollen“, kritisiert Werner Braukmann. Erst kürzlich habe Franz-Bernd Köster in der WESTFALENPOST gesagt, dass die Trinkwasserversorgung für die Betriebe der Steinindustrie höchste Priorität habe. „Ganz im Gegensatz dazu nun das Vorgehen“, kritisiert die Initiative.

Gespräch mit Stadt suchen

Der Westkalk-Geschäftsführer erkennt darin hingegen keinen Widerspruch. „Wir haben nie ausgeschlossen, irgendwann in die Tiefe zu gehen“, sagt Franz-Bernd Köster im Gespräch mit der WP, aber die Trinkwasserversorgung dürfe dadurch nicht gefährdet werden, „ich bin ja auch Warsteiner.“ Köster will das Gespräch mit Bezirksregierung und Stadt suchen, um eine Lösung zu erarbeiten. „Wir müssen prüfen, ob und wie Trinkwasser-Gewinnung und Steinabbau in der Tiefe nebeneinander funktionieren können“, plädiert er. An anderen Orten seien Lösungen für diese Problematik gefunden worden. Köster stellt aber zugleich klar: „Wenn das technisch nicht geht, dann lassen wir die Finger davon.“

Westkalk stehe für Gespräche jederzeit zur Verfügung. „Wir werden weiter offen sein, das muss aber von beiden Seiten ausgehen“, sagt Köster. Gleich mehrfach seien Gesprächsangebote bislang von Stadt und Bezirksregierung ausgeschlagen worden.

Und so stellt der Richterspruch Franz-Bernd Köster auch nicht zufrieden. „In diesem Verfahren gibt es keine Gewinner“, betont er, „wir sind erst zufrieden, wenn eine gemeinsame Lösung erarbeitet ist.“