Stefan Redder geht mit Optimismus in neuen Job

Stefan Redder aus Suttrop wurde in der Ratssitzung am 10. Februar zum neuen Ersten Beigeordneten und Kämmerer der Stadt Warstein gewählt.
Stefan Redder aus Suttrop wurde in der Ratssitzung am 10. Februar zum neuen Ersten Beigeordneten und Kämmerer der Stadt Warstein gewählt.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der neu gewählte Erste Beigeordnete und Kämmerer Stefan Redder sieht im Haushaltsausgleich die größte Herausforderung, erkennt in Warstein aber große Potenziale.

Warstein..  Mit einem einstimmigen Votum hat der Rat Stefan Redder am Dienstag zum Ersten Beigeordneten gewählt. Im Interview spricht er über seine Einarbeitung, die Herausforderungen des neuen Postens und seine Zusammenarbeit mit dem neuen Bürgermeister.

Frage: Durch Ihre einstimmige Wahl haben Sie einen großen Vertrauensvorsprung erhalten. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das neue Amt?

Stefan Redder: Die Verwaltung ist in den knapp vier Jahren, in denen ich weg war, nicht stehen geblieben. Von daher werde ich mich erst einmal in die neuen Baustellen einarbeiten müssen. Das ist auch der Grund, warum ich schon ab dem 1. Mai in Warstein anfange und mich Florian Beutler auf den neuesten Stand bringen kann. Außerdem werde ich mich auch mit der Politik zusammensetzen, um deren Erwartungshaltung und Planungen zu besprechen.

Wie steht Warstein nach der Legionellen-Krise aus Ihrer Sicht da?

Warstein ist zum Glück nicht in Lethargie verfallen. Es gibt in vielen Bereichen eine Aufbruchstimmung. Mit dem integrierten Handlungskonzept wird etwa versucht, die Situation in der Innenstadt zu verbessern. Bei der Bewerbung um das Leader-Programm gibt es eine breite Unterstützung aus dem privaten und gewerblichen Bereich. Ich sehe Warstein auf einem guten Weg, alle wieder zusammenzuholen.

Was wird in den kommenden Jahren die größte Herausforderung sein?

Die größte Baustelle ist sicherlich der Haushaltsausgleich. Wir müssen einen Weg finden, für das Jahr 2021 eine schwarze Null darzustellen. Steuereinnahmen und Zuwendungen richtig zu prognostizieren, ist über diesen Zeitraum mit hohen Unsicherheiten behaftet. Wenn sich bestimmte Einnahmen oder Ausgaben anders entwickeln als vorhergesagt, werden wir einen Plan B brauchen. Dazu kommt die künftige Organisation der städtischen Eigenbetriebe. Da werde ich mich auf Stand bringen müssen, wie die konkreten Vorstellungen hinsichtlich der künftigen Organisationsform des Betriebshofes oder des Abwasserbereiches aussehen.

An ihrer bisherigen Wirkungsstätte in Büren sind die roten Zahlen etwas kleiner, der Gestaltungsspielraum demnach etwas größer. Was hat die Aufgabe in Warstein trotzdem interessant für Sie gemacht?

Auch in Büren musste ich immer genau rechnen, damit wir nicht in die Haushaltssicherung rutschen. Hier in Warstein ist das Ziel eben der Haushaltsausgleich für 2021. Aber da dürfen wir nicht die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, die Situation ist nicht aussichtslos.

Wie wurde Ihre Wahl in Büren aufgenommen?

Ich habe viele Glückwünsche erhalten, aber meine Entscheidung wurde auchsehr, sehr bedauert. Ein Fraktionsvorsitzender sagte zu mir: „Ich freue mich für dich, aber ich bin dagegen.“

Bedauern Sie Ihren Abschied aus Büren auch?

Wenn man nach 25 Jahren wechselt, wie ich 2010 von Warstein nach Büren, dann braucht man Zeit, um sich einer anderen Verwaltung zurecht zu finden. Eine andere Verwaltung kann, auch wenn sie nach denselben Vorgaben arbeitet, ganz anders ticken. Ich habe gern mit meinen Kolleginnen und Kollegen zusammengearbeitet – in sofern gehe ich auch mit einem weinenden Auge.

Viele der Sachbereiche, für die Sie zuständig sein werden, haben Sie auch in Büren betreut. Worin liegt der Unterschied zwischen neuem und altem Posten?

Zum einen kommen die Stadtwerke hinzu und zum anderen ist es natürlich ungewöhnlich, dass das Stadtmarketing zum Fachbereich Finanzen gehört. Das ist eigentlich ein sachfremdes Gebiet. Hier wird es wichtig sein, das Image der Stadt nach der Legionellen-Krise wieder gerade zu rücken.

Kann es Ihnen helfen, dass Sie Stadt und Verwaltung schon sehr gut kennen?

Es ist immer schwierig, sich in einer vollkommen neuen Organisation zu Recht zu finden. In Warstein kennen mich die meisten Verwaltungsmitarbeiter schon und ich kenne sie. Das ist eine gute Vertrauensbasis.

Liegt in dieser Vertrautheit auch ein Nachteil?

Wenn man an dem Ort wohnt, an dem man auch arbeitet, wird man auch in der Freizeit viel häufiger auf Probleme der Stadt angesprochen. Aber das habe ich bewusst in Kauf genommen, weil die Aufgaben in Warstein so interessant sind. Außerdem habe ich jetzt fast vier Jahre lang eine andere Verwaltung kennen gelernt und in Büren auch einen anderen Blick auf die Abläufe erhalten. Dass ich davor schon einmal in Warstein war, ist sicher kein Nachteil.

Man könnte meinen, Sie hatten bei Ihrem Abschied aus Warstein vor vier Jahren die Nachfolge von Florian Beutler schon im Auge.

Das wäre ja Zocken auf hohem Niveau gewesen. So etwas kann man nicht planen. Angefangen, über eine Bewerbung nachzudenken, habe ich erst ab dem Neujahrsempfang 2014. Irgendwann im Laufe des Jahres habe ich mich dann dafür entschieden.

Jetzt blicken alle gespannt auf die Bürgermeister-Wahl. Befürchten Sie, Ihre Entscheidung zu bereuen, wenn der Falsche gewählt wird?

Das denke ich nicht. Der Wahlkampf steckt noch völlig in den Anfängen. Wer weiß, wie viele Kandidaten es am Ende überhaupt gibt. Ich warte das alles ab und hoffe, dass der neue Bürgermeister und ich gut miteinander auskommen und als Team arbeiten werden.