Stangenabend

„Marc, hast du Lust, zum Stangenabend zu gehen?“, wurde ich in der Redaktion gefragt. Als Volontär aus Essen ist mir jegliches Schützenfestbrauchtum fremd. Und zwar gänzlich. Aber einiges habe ich in den paar Wochen, die ich jetzt in Warstein bin, gelernt.


Zum Beispiel weiß ich jetzt, dass nicht der beste Schütze automatisch Schützenkönig wird – wie mein Verständnis von sportlichem Wettkampf mir logisch erschließen wollte. Sondern dass derjenige gute Chancen auf die Krone hat, der sich traut, auch dann noch auf das Vögelchen zu schießen, wenn nur noch ganz wenig dran ist. Jetzt weiß ich: Mut geht vor Können.


Weiteres Schützenfestwissen kam am Mittwoch hinzu. Was genau beim „Stangenabend“ passiert, konnte mir im Vorfeld keiner aus der Redaktion so richtig sagen. Aber ich würde es ja herausfinden.


Empfangen wurde ich herzlich von einer kleinen Gruppe von gut 20 Leuten. Meine Unwissenheit schamlos zur Schau gestellt, wurde ich aufgeklärt. Nicht über Bienchen und Blümchen, aber über Schützen und deren Brauchtum.


„Der Stangenabend ist eine kleine private Veranstaltung, mit der wir das Schützenfest einleiten“ und „Das hat bei uns Tradition“, sind die einleitenden Worte von Jüppe Enste, der mich auch zügig mit einem Bier ausstattete – auch das habe schließlich Tradition.


15 Haushalte aus den umliegenden Straßen stellen an diesem Abend die Fahnenstangen auf: Das ist also dieser ominöse „Stangenabend“. Aber irgendwie macht sich bei mir der Eindruck breit, dass der inoffizielle Start ins Schützenfest ein weiterer guter Grund sei, ein Bierchen zu trinken. . .

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