Stadt will Wald vor Wild schützen

Vertraut zieht das Rotwild in einen Wiesengrund
Vertraut zieht das Rotwild in einen Wiesengrund
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Verpachtung der städtischen Jagdbezirke wird neue geregelt, außerdem wird es zu einer Aufteilung der Jagdreviere Rüthen Wald I und Rüthen Wald II in vier Reviere kommen.

Rüthen..  Die Verpachtung der städtischen Jagdbezirke wird neue geregelt, außerdem wird es zu einer Aufteilung der Jagdreviere Rüthen Wald I und Rüthen Wald II in vier Reviere kommen. Dies ist nach der Sitzung des Wald- und Umweltausschusses am Dienstag so gut wie sicher. Bei nur einer Gegenstimme, es handelte sich um die von Franz-Josef Dohle (BG), sprach sich das Gremium dafür aus den entsprechenden Vorschlägen Bürgermeister Peter Weikens zu folgen.

Der Hintergrund ist einfach erklärt: Die Wilddichte ist zu hoch. Dies betrifft vor allem das Rot-, aber auch das Reh- und Schwarzwild. Dies führt zu enormen Schäl- und Verbissschäden im Wald, der das städtische Wirtschaftsgut Nummer eins in Rüthen ist. Diesem soll Einhalt geboten werden.

Mehr Pächter, so die Rechnung, sorgen schon aus eigenem jagdlichen Interesse für höhere Abschusszahlen. Sollte dies nicht der Fall sein, werden sie durch die Bedingungen des Pachtvertrages dazu gedrängt, ihre Verpflichtungen zu erfüllen. Sollte auch das nichts nützen, greift die Stadt selbst in das Geschehen ein, indem sie sich das Recht sichert, revierübergreifende Drückjagden zu veranstalten. Wo und unter welchen Bedingungen legt die Stadt dann ebenfalls fest. Dies jedoch, versicherte Bürgermeister Peter Weiken dem Ausschuss, soll die Ausnahme, nicht die Regel sein.

Gerade an der Rolle Stadt als Ausrichter solcher Jagden stieß sich Franz-Josef Dohle. Haftungsfragen, Arbeitsaufwand und Hygienebestimmungen nannte er u.a. als Argumente dagegen.

Keine Regiejagden

„Es geht nicht um Regiejagden, sondern um die Möglichkeit für die Stadt, sich einzuschalten, wenn ein Pächter nicht klarkommt mit den Abschüssen“, beschwichtigte er. „Wer die Stückzahl aus irgendwelchen Gründen nicht schafft, dem zeigen wir, dass es geht. Wenn alles läuft, wird das nicht der Fall sein“, versprach Weiken. „Nur müssen wir erst das Zepter in die Hand bekommen, um es anschließend wieder abgeben zu können“, betonte er mit Blick auf die Bestimmungen in dem den Beratungen zugrunde liegenden Mustervertrag. Darin ist die Verpflichtung der Pächter enthalten, solche städtisch organisierten, revierübergreifenden Drückjagden einmal jährlich zu dulden.

„Es gibt immer widersprechende Interessen“, so Weiken. Aufgabe der Politik aber sei es, die finanziellen Interessen der Stadt zu sehen, und die liegen eben zuallererst in der Forstwirtschaft und nicht in der Jagdpacht. „Der Wald ist keine Mastanstalt für Wildtiere“, formulierte Johannes Erling (SPD) griffig die Notwendigkeit zum Einschreiten gegen den hohen Wildbestand. Im Beschlussvorschlag und dem Entwurf für die Pachtverträge sah Ulrich Heimann (CDU) „gute Rahmenbedingungen, um die Rotwilddichte in den Rüthener Revieren zu reduzieren“.

Zwei Dinge sorgten für die große Mehrheit für die Neuregelung: Zum einen die Zusage Weikens, dass es zunächst nur um einen Fünf-Jahres-Zeitraum geht, in dem sich diese bewähren soll – oder anschließend revidiert wird. Zum anderen die Tatsache, dass es sich zunächst nur um einen Rahmenvertrag handelt, der für jedes Revier im Detail modifiziert werden kann, wenn konkrete Pachtverträge auszuhandeln sind. Spätestens dann ist die Politik sowieso wieder im Boot.