Stadt will Jagdpächtern sanft Druck machen

Die Aufteilung der Jagdreviere in Rüthen soll möglicherweise geändert werden.
Die Aufteilung der Jagdreviere in Rüthen soll möglicherweise geändert werden.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Das Rotwild verursacht im Rüthener Wald zu viele Schäden, aber die Jäger jagen nach Meinung der Verwaltung nicht genug. Mit neuen Pachtverträgen soll sich das ändern.

Rüthen..  Jäger freuen sich über einen hohen Wildbestand, haben also kein großes Interesse daran, wenn die Abschussquoten hoch sind; denn die gilt es eigentlich zu erfüllen. Der Stadtwald muss dann unter den Schäden, die die vielen Tiere verursachen, leiden. Aber ist es wirklich so? Und was kann die Stadt machen, dass es diese Probleme nicht gibt?

Im Wald- und Umweltausschuss präsentierte Bürgermeister erste Überlegungen, damit die Revierpächter künftig kein großes Interesse mehr daran haben, die erforderlichen Abschusszahlen nicht zu erfüllen. Aus diesem Grund sollen die Reviere (mit Ausnahme von Meiste/Kneblinghausen) im kommenden Jahr neu ausgeschrieben und vergeben werden. Im Vorfeld wurden daher bei den letzten Verpachtungen darauf geachtet, dass dieses alle nur noch bis ins kommende Jahr reichen.

Eigenregiejagd nicht gewünscht

„Wir wollen die Schälschänden durch das Rotwild so in den Griff kriegen“, betonte Bürgermeister Weiken. Die Einfache Rechnung: Je mehr Reviergrenzen und je mehr Pächter es gibt, desto mehr Abschüsse werde es geben, da die Pächter sonst befürchten müssen, dass die scheuen Tiere das Revier wechseln und somit für sie nicht mehr erlegbar sind. Alternativ wäre auch eine Eigenregie-Jagd möglich, bei der die Stadt das Heft in der Hand hielte, aber in Rüthen „wollen wir diesen Weg nicht gehen“ – wohl auch mit Blick auf die Diskussionen, die es in der Nachbarstadt Warstein zu dem Thema gab und gibt.

Bislang befinden sich die Rüthener Reviere in einer Hand. Künftig sollen es fünf Pächter sein, so die Überlegungen im Rathaus. Wichtig sei bei der Aufteilung, dass alle Reviere gut zu erreichen sein müssten und auch die Äsungsflächen gleichmäßig verteilt seien. Die Biber soll dabei die eine neue Grenze bilden, hinzu kommen zwei weitere Grenzen, so dass vier Flächen (334, 304, 507 und 520 Hektar groß) neben dem Revier Schören (154 Hektar) entstünden.

Vertrag bereits erarbeitet

Ein entsprechender Vertragsentwurf für die Neuverpachtung sei bereits erarbeitet worden, und zwar städteübegreifend. Auch die Regulierung der Wildschäden soll da neu (und besser für die Stadt) geregelt werden. Die Rüthener Überlegungen sehen zudem vor, einmal im Jahr (an einem vertraglich festgelegten Wochenende) eine revierübegreifende Jagd unter Regie der Stadt zu organisieren. Dies soll mindestens drei Jahre gelten und dafür sorgen, dass im Zweifelsfall auf diesem Wege die Abschussquoten erfüllt würden.

Bisher seien diese Gedanken allerdings nur Überlegungen, betonte Bürgermeister Weiken. Die Unterlagen sollen nun zunächst in den Fraktionen diskutiert werden, ehe in der nächsten Sitzung in einem Monat beschlossen werden könne, „noch ist nichts in Stein gemeißelt“. Auf jeden Fall sei es „eine logistische Herausforderungen, wenn es darum gehe, die gesamten Reviere neu zu verpachten (etwa dann, wenn Interessenten sich vor Ort ein Bild machen wollen).

Vorrecht für neuen Arzt?

Ulrich Heimann (CDU) hatte mit Blick auf den drohenden Ärztemangel in Rüthen (Viele Ärzte sind passionierte Jäger“) vorgeschlagen, die Stadt möge doch ein Revier in städtischer Hand behalten, um dieses einem Arzt bei Interesse anbieten zu können. Franz-Josef Dohle (BG) widersprach heftig: „Nicht für Einzelpersonen“ solle man Regelungen schaffen. Auch der revierübergreifenden Jagd konnte er nichts positives abgewinnen, auch wenn Bürgermeister Weiken die Idee ausdrücklich als „praktische Sache“ bezeichnete.

Nach fünf Jahren sollten dann die Ergebnisse bewertet werden – bei der nächsten Pachtvergabe könne man dann auch erneut über die Reviergröße sprechen. Doch bis dahin sollten die Reviere nicht wieder in eine Hand gehen, betonte der Bürgermeister, „und wer uns hinters Licht führt, sollte ein für alle mal ausgeschlossen werden“.