Stadt Warstein will Kloster Mülheim zwangsversteigern

Dreharbeiten Kinofilm "Nebel im August" im Kloster Mülheim
Dreharbeiten Kinofilm "Nebel im August" im Kloster Mülheim
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Kloster-Investor Joachim Ney soll der Stadtkasse Grundbesitzabgaben von knapp 14 000 Euro schulden. Seine neuen Konzepte könnten damit hinfällig sein.

Warstein..  Während im historischen Ambiente des Klosters Mülheim die Dreharbeiten für den Kinofilm „Nebel im August“ auf Hochtouren laufen und langsam auf die Zielgerade einbiegen, läuft hinter den Kulissen ein ganz anderes Drama ab. Hauptdarsteller: Eigentümer Joachim Ney und die Stadt Warstein, vertreten durch Jürgen Kösters (Leiter der Stadtkasse).

Am Mittwoch war der Wadersloher Kaufmann Ney nach eigenen Angaben mehrere Stunden gemeinsam mit seinem Architekten Werner Sander in der Stadtverwaltung, um neue Ideen und Konzepte für das Kloster vorzustellen. „Ich habe mich von der Euphorie um den Film anstecken lassen“, erklärte er im Gespräch mit der WESTFALENPOST. Angeblich sehen diese Ideen eine weitere Nutzung des Klostergebäudes über die Dreharbeiten hinaus vor. Seine Vorstellungen, so Ney, seien bei Stephanie Luse von der Bauverwaltung durchaus positiv aufgenommen worden. Ney: „Wir haben sogar erste Anträge gestellt und das weitere Vorgehen besprochen.“

Umso erstaunter war Ney, als er bei seiner Rückkehr nach Wadersloh gleich zweimal Post in seinem Briefkasten vorfand. Absender: Amtsgericht Warstein. Inhalt: Zwangsversteigerung des Klosters und der dazu gehörigen Gebäude. Grund: Rückständige Forderungen aus Grundbesitzabgaben.

Konzept erstmal hinfällig?

Insgesamt fordert die Stadt Warstein eine Summe von 13 585,26 Euro. „Das ist eine Unverfrorenheit“, reagierte Ney gestern erbost und erklärte, damit habe die Stadt Warstein einen „eklatanten Vertrauensbruch“ begangen. Ney: „Dank der Dreharbeiten und der Berichterstattung darüber hatte ich das Gefühl, dass ich das Ruder in Sachen Kloster herumreißen und eine vernünftige Perspektive für das Kloster entwickeln kann.“

Mit dem nun erfolgten Antrag auf Zwangsversteigerung seien nun alle Konzepte erst einmal hinfällig. Noch am Mittwochabend hat Ney in einer Mail an die Stadt Warstein zu verstehen gegeben, dass das Thema „Kloster Mülheim“ damit zu „100 Prozent“ für ihn erledigt sei: „Die Art und Weise, wie das gelaufen ist, lässt mir doch gar keine andere Wahl.“

Das sieht Jochen Kösters als Verantwortlicher der Stadtkasse ähnlich. Auch er habe keine andere Wahl gehabt, als einen Antrag auf Zwangsversteigerung zu stellen: „Ich habe meine Probleme mit dem Herrn Ney.“ Schließlich müsse er in erster Linie die Interessen der Stadt vertreten und angesichts von nicht gezahlten Abgaben in Höhe von besagten 13 385,26 Euro – aus dem Zeitraum 2. Juni 2013 bis 15. Februar 2015 – habe die Stadt Warstein auch gar keine Alternative mehr gehabt, als beim Amtsgericht Warstein die Zwangsversteigerung zu beantragen. Kösters: „Herr Ney baut mir zu viele Luftschlösser. Ich frage mich ernsthaft, ob überhaupt schon einmal Konzepte von ihm umgesetzt worden sind.“

Der Kloster-Eigentümer hat nun 14 Tage Zeit, um dem Antrag der Stadt zu widersprechen. Kösters: „Der Weg, um seinen guten Willen zu zeigen, ist im Grunde ganz einfach: Er muss nur unsere Forderungen begleichen.“ Auch bei diesem „Drama“ wird es also wohl eine Fortsetzung geben.