Spezieller Charme macht fehlende Infrastruktur wett

Allagen..  Der Ortsteil mag vielleicht nicht so viele Einwohner wie der Hauptort haben, in einem Aspekt ist Allagen die gelebte Kontinuität in Warstein: Bezirksliga-Fußball.

Natürlich kann man jetzt argumentieren, dass auch der TuS 45 Warstein in der Bezirksliga spielt; und natürlich ist es auch kein irrelevantes Argument, dass der Grün-Weiß Allagen das erste Derby gegen die Warsteiner in dieser Saison mit 2:4 verloren hat. Und auch beim Blick auf die Tabelle rangiert Warstein inzwischen vor dem Konkurrenten aus dem Möhnetal. Aber das kann sich Sonntag mit einem Sieg im Derby schon wieder ändern.

Das weiß kaum jemand besser als Rüdiger Roderfeld, dessen Herz schon seit seiner Kindheit für den Verein schlägt – schließlich ist er seit Geburt Allagener und nicht Warsteiner, sagt er. „Ich schreibe in meine Adresse nicht Warstein, sondern Warstein-Allagen“, betont er. Aus seinem geliebten Allagen kriege ihn niemand weg, „nicht einmal eine Frau!“

Das zweite Wohnzimmer

Und aus seinem „zweiten Wohnzimmer“, so sagt seine Frau immer, bekommt ihn auch niemand weg. Und das ist eben jenes Waldstadion des TuS Allagen. Seinen Heimatverein für den er als Spieler, Jugendgeschäftsführer und 2. Vorsitzender aktiv war.

Dass die lokale Konkurrenz aus Warstein nach gewaltigen Startschwierigkeiten inzwischen den Klassenerhalt perfekt hat, freut Roderfeld trotz einer „gesunden Rivalität“ aus zweierlei Gründen: „Zweimal im Jahr ein Derby ist was Besonderes für alle Beteiligten. Außerdem freuen wir uns über jede Auswärtsfahrt, bei der wir kein Navi brauchen.“

An seiner zweiten Liebe lässt er ebenfalls keinen Zweifel aufkommen; schließlich zeigt der Fußballenthusiast wortwörtlich Flagge – und das nicht zu knapp. Denn ein großes Banner des FC Bayern München steht unübersehbar vor seinem Haus, das er direkt neben sein Elternhaus gebaut hat.

Und wenn es mal nicht um sportlichen Nervenkitzel geht, dann geht es zum Entspannen auf das Höchste Lieth an der Straße Ölmannsberg. Denn von hier aus hat man „den schönsten Blick auf Allagen“, sagt Roderfeld.

Damit man diesen aber baumfrei genießen kann, muss die Stelle gefunden werden, an der eine freie Sicht auf den Ortsteil gewährt ist. Leicht erkennbar an der bestens für diesen Zweck positionierten Parkbank. Diesen Anblick hat er auch schon einmal in einer Silvesternacht genossen...

Keine Optionenvielfalt

Wer bei einem Bierchen in Allagen entspannen will, der hat allerdings keine große Auswahl. „Früher gab es hier fünf oder sechs Kneipen, jetzt gibt es nur noch eine“, bedauert Roderfeld die auf ein Minimum reduzierte Auswahl. Das liege natürlich auch viel an den jüngeren Leuten, die sich nicht mehr so häufig zum Reden treffen, wie es früher noch der Fall gewesen ist.

Andere Möglichkeiten, Geld auszugeben, sind ebenso äußerst rar gesät. Einen Supermarkt gibt es nicht mehr in Allagen. „Jüngere Menschen sind mobil, aber für ältere Leute ist das schon schwer hier“, gibt er zu bedenken und fügt hinzu: „Man sagt ja scherzhaft: Das Dorf hat mittwochnachmittags zu. Aber Allagen hat von Sonntag bis Samstag geschlossen.“

Auch der Slogan „Grüne Stadt mit Zukunft“ passt für ihn nicht zur Situation im Ortsteil. Es werde zwar viel geredet, aber das führe in Allagen zu nichts. „In Belecke ist das anders. Die haben einiges gemacht in den vergangenen Jahren“, lobt er das dortige Ortsbild, das stets Fortschritte mache.

Und beim Zusammenschluss mit den anderen Ortsteilen vor 40 Jahren musste auch Allagen zurückstecken und ein paar kleinere Änderungen in Kauf nehmen. Denn die Viktor-Röper-Straße, so erklärt Roderfeld, hatte früher einen ganz anderen Namen. Sie war eine von mehreren Straßen in Allagen, die umbenannt wurde. „Vor einiger Zeit hieß die noch offiziell ,Neuer Weg’. Aber auch wenn da jetzt was anderes steht, nennen sie trotzdem alle hier noch so“, erläutert Roderfeld.

Doch trotz all der Makel kann sich der Ur-Allagener nicht vorstellen woanders zu leben: „Nirgendwo kann man so idyllisch wohnen wie hier.“