Spagat zwischen Elferrat und Schützenoberst

Amtierendes Prinzenpaar 2012 der Karnevalsgesellschaft MüSiWa: Prinz Thomas I. Schulte und Prinzessin Lena I. Strube
Amtierendes Prinzenpaar 2012 der Karnevalsgesellschaft MüSiWa: Prinz Thomas I. Schulte und Prinzessin Lena I. Strube
Foto: WP
Einen größeren Gegensatz, als zwischen Schützenfest und Karneval kann man sich fast nicht vorstellen. Jemand, der den Spagat zwischen der lustigsten Jahreszeit und dem Schützenbrauchtum seit Jahren meistert, ist Thomas Schulte aus Sichtigvor.

Sichtigvor..  Einen größeren Gegensatz, als zwischen Schützenfest und Karneval kann man sich fast nicht vorstellen. Jemand, der den Spagat zwischen der lustigsten Jahreszeit und dem Schützenbrauchtum seit Jahren meistert, ist Thomas Schulte aus Sichtigvor. Als Oberst der Schützenbruderschaft Sichtigvor und ehemaliger Schützenkönig ist er im Sommer „Glaube, Sitte, Heimat“ verpflichtet, doch in der fünften Jahreszeit steht sein Stimmungsbarometer voll auf Karneval.

Kein Wunder, schließlich ist er bei der Karnevalsgesellschaft MüSiWa bereits seit 33 Jahren aktiv. Seine „Karriere“ begann er mit 14 Jahren in der Prinzengarde. Närrische elf Jahre tanzte er mit, wirkte dann zwei Jahre als Trainer, bevor er Manager der Prinzengarde wurde. „Das ist Hintergrundarbeit: Ich kümmere mich um die Termine, die Uniformen und Ausstattungen.“ Eine Aufgabe, die Thomas Schulte noch heute ausfüllt, auch wenn er mit 25 Jahren in den Elferrat ging.

Ein Mann, der gern anpackt

Hier ist er nicht der Mann, der auf der Bühne bei den Sitzungen repräsentiert, lieber ist es ihm, etwas tun zu können. „Ich bin nicht so der Techniker, ich bin mehr für Handreichungen und das leibliche Wohl zuständig – als gelernter Koch und Restaurantfachmann ist das mehr meine Welt.“ Dabei geht es nicht nur um die Verpflegung seiner Elferratskollegen, sondern auch des Nachwuchses beim Kinderkarneval. „Seit vier Jahren kümmere ich mich hinter der Popcorn-Maschine darum, dass genug Popcorn da ist“, schmunzelt Schulte. Für einen Auftritt hatte man diese einst angeschafft. „Ich hab gesagt: Lasst sie uns nutzen, das ist toll für die Kinder.“ Der Ansturm aufs Popcorn gibt ihm jedes Jahr recht.

War er früher als Prinzenpaar-Betreuer dafür zuständig, den Majestäten eine Gelegenheit zum Umziehen zu suchen, vor der Theke dafür zu sorgen, dass diese immer genug Getränke haben, kümmert er sich heute um das Kinder-Prinzenpaar. „Ich fahre mit den Kindern zum Kostümverleih nach Ahlen, bereite sie auf ihren großen Auftritt vor.“

Schließlich weiß er, wie aufgeregt man ist, wenn man auf die hell erleuchtete Bühne muss. Und das nicht nur als Mitglied der Bühnenreiter, die Jahr für Jahr für einen Glanzpunkt im Programm der Kappensitzung sorgen, sei es mit einer Star-Parade, einem Schwarzlicht-Tanz oder im vergangenen Jahr mit Marionetten-Theater. „Die Übungsabende sind immer nett. Je nachdem, wie aufwändig die Auftritte sind, fangen wir im Spätsommer an. Das ist viel Arbeit, das sehen die meisten nicht.“

Was Thomas Schulte nie verloren hat, ist das Lampenfieber. „Ich bin heute noch genau so nervös wie als 14-jähriger Prinzengardist“, erzählt Schulte. „Ich habe mir immer gesagt: Wenn ich nicht mehr nervös bin, dann ist es vorbei. Dann ist man abgestumpft.“

Prinzenjahr war Höhepunkt

Wie aufgeregt muss er erst 2012 gewesen sein? Denn da stand Thomas Schulte noch viel mehr im Mittelpunkt des närrischen Geschehens.

„Mein absoluter Höhepunkt war das Prinzenjahr, das ist mit Geld nicht zu bezahlen“, schwärmt Schulte. „Das war ein unbeschreibliches Gefühl.“ Vor allem habe ihn niemand auf dem Plan gehabt, da er schon so lange im Karneval aktiv sei. „Der Elferrat bekommt vor der Sitzung vom Präsidenten Bescheid, wer das Prinzenpaar ist. Als es hieß ‘Schwindel und Lena’ gratulierte so recht keiner, weil es keiner glaubte – es waren alle von den Socken.“ Ähnlich sei es gewesen, als er mit seiner Prinzessin durch die Halle marschierte. „Alle guckten und realisierten das erst auf den zweiten Blick. Um so größer war die Überraschung“, blickt der Sichtigvorer zurück. „Die paar Minuten, die du durch die Massen gehst, das ist der beste Moment. Ich habe mir vorher ausgeguckt, wo meine Familie, meine Clique und die Bühnenreiter saßen – man sah meinem Umfeld an, dass alle total begeistert waren.“

Keinem hatte Thomas Schulte vorher verraten, dass ihm an diesem Abend eine besondere Ehre zuteil würde. „Das war schwierig, es die ganze Zeit geheim zu halten. Man hat immer das Gefühl, die anderen wissen was – aber es hat definitiv niemand geahnt.“ Zu Gute sei ihm und seiner Prinzessin Lena Strube, die die Damengarde trainiert, der Bekanntheitsgrad gekommen. „Sie ist als Friseurin stadtbekannt, ich als Schützenoberst und Küster – da hatten auch die Gastvereine einen Bezug.“ So habe es am Krönungsabend stundenlang gedauert, bis alle gratuliert hatten und man selbst ans Feiern kam.

„Das ist ein ganz krasser Gegensatz zum Schützenfest. Ich bin auch schon König gewesen, aber das kann man nicht vergleichen“, schmunzelt Schulte. Was beim Schützenfest fehle, sei beispielsweise der Überraschungseffekt. Außerdem sei die Regentenzeit als Prinz viel kürzer. „In MüSiWa wird man ja Karnevalssonntag gekürt und Aschermittwoch ist alles vorbei. Die Prinzensaison fing eigentlich am 11.11. erst richtig für uns an.“ Die Zäsur an Aschermittwoch sei radikal gewesen – für ihn als Kirchenküster erst recht, da ja die Fastenzeit begann.

Im Karneval Erfahrung gesammelt

Aber ist ihm der Karneval lieber als das Schützenfest? Schulte ist diplomatisch: „Im Karneval bin ich groß geworden, dadurch habe ich auch Vereinsarbeit gelernt.“ Dies wiederum sei von Vorteil bei der Arbeit als Oberst gewesen. „Ich genieße es, im Elferrat in der zweiten Reihe sitzen zu dürfen und nicht die Verantwortung zu haben. – Im Schützenvorstand habe ich als Oberst ja die alleinige Verantwortung.“

Einen Spagat machen muss Thomas Schulte nicht, um Karneval und Schützenfest unter einen Hut – oder eine Kappe – zu bekommen. „In Sachen Karneval ist es ja bis Ende September relativ ruhig. In dieser Zeit kann ich mich gut meinen Aufgaben als Oberst widmen. Das kollidiert nicht.“ – Thomas Schulte hat eben viele Talente – und ist sicherlich noch für manche Überraschungen gut.

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