So sieht der durchschnittliche Warsteiner aus

So voll ist Warstein sonst nur zur Montgolfiade oder dem Schützenfest.
So voll ist Warstein sonst nur zur Montgolfiade oder dem Schützenfest.
Foto: Manfred Böckmann / WP
Was wir bereits wissen
Wie sieht die Person aus, die bei allen Statistiken im Mittel liegt? Kann es so jemanden überhaupt geben. Die Ergebnisse überraschen – der typische Warsteiner ist eine Frau.

Warstein..  Claudia Müller ist Warstein. Sie ist fast 46 Jahre alt, wohnt in der Kernstadt und hat ein Kind. Claudia Müller ist Warsteins absolute Durchschnittsbürgerin – ist so alt wie der Durchschnitt, ist eine Frau wie die Mehrheit der Warsteiner und lebt in der größten Ortschaft der Stadt.

Aber Claudia Müller gibt es nicht. Sie ist eine Erfindung der Redaktion.

Regelmäßig werden neue Statistiken über die Stadt und ihre Einwohner veröffentlicht. Da stellt sich die Frage: Wie sähe ein Warsteiner aus, der bei all diesen Statistiken im Durchschnitt liegt, der immer zur Mehrheit gehört? Wäre das überhaupt möglich? Wir haben Tabellen durchsucht und Mediane ermittelt – und das Ergebnis ist Claudia Müller.

Vor- und Nachname

Unser Durchschnitts-Warsteiner heißt nicht zufällig Claudia Müller. Denn nicht Risse oder Enste, auch nicht Bräutigam oder Eickhoff – der typische Warsteiner trägt den Namen Müller. Zumindest ist das nach einer groben Auswertung des städtischen Meldeamtes der Familienname, der im Stadtgebiet wohl am häufigsten vorkommt.

Der häufigste Vorname ist nicht so einfach zu ermitteln, doch Claudia ist die wahrscheinlichste Variante. Schließlich waren 2013 von 25 247 Warsteinern 12 765 Frauen (50,6 Prozent). Der Altersdurchschnitt liegt bei 45,8 Jahren, unsere Frau Müller ist also 1969 geboren – und damals war Claudia der beliebteste Vorname für neugeborene Mädchen in Deutschland.

Bildung, Arbeit und Einkommen

Claudia Müller ist Deutsche, denn der Ausländeranteil in Warstein liegt bei nur 5,3 Prozent. Bis zum Abitur hat sie es nicht ganz geschafft, nur knapp ein Drittel der Warsteiner hat die Hochschulreife erlangt. Aber Sorgen muss man sich um Claudia Müller trotzdem nicht machen, denn sie gehört auch nicht zu den 3,2 Prozent der Warsteiner, welche die Schule ganz ohne Abschluss verlassen.

Außerdem hat Claudia Müller eine Arbeit – anders als die 3,9 Prozent Arbeitslosen und 5,5 Prozent Hartz-IV-Empfänger. Der Weg zur Arbeitsstelle dauert dabei höchstens eine Viertelstunde, denn Claudia Müller ist in ihrer Heimatstadt beschäftigt. Dahingegen pendeln immerhin 45,7 Prozent der Warsteiner Erwerbstätigen (4386) in andere Städte, denen 4463 Einpendler gegenüber stehen.

Würde Claudia Müller nicht in Warstein wohnen, wäre sie wohl im Dienstleistungsbereich beschäftigt. Denn sowohl im Kreisgebiet als auch in ganz Nordrhein-Westfalen entfallen die meisten Jobs inzwischen auf diesen Sektor. In Warstein arbeitet dagegen die Mehrheit noch in der Industrie (59 Prozent). Allein rund ein Drittel davon ist wie unsere Durchschnittsbürgerin in einem Unternehmen angestellt, in dem Datenverarbeitungsgeräte, elektronische und optische Erzeugnisse hergestellt werden. In ganz Nordrhein-Westfalen macht diese Branche nur 2,7 Prozent der Arbeitsstellen aus. Von den sieben Unternehmen im Kreis Soest, die in diesem Bereich tätig sind, stammen drei aus Warstein.

Durch ihre Arbeit verfügt Claudia Müller nach Abzug von Steuern und Sozialbeiträgen über ein Einkommen in Höhe von 22184 Euro. Von ihren Steuerzahlungen profitiert die Stadtkasse über die Grundsteuern und einen Teil der Einkommenssteuern sowie über einen Anteil der Mehrwertsteuer insgesamt in Höhe von rund 550 Euro im Jahr. Ein stetiger Kostenfaktor im Leben von Claudia Müller ist das eigene Auto, denn auf 1000 Warsteiner kommen 648 Pkw.

Familie und Erziehung

Und auch das eigene Kind muss nicht, wie ganze 9,4 Prozent seiner Altersgenossen in Armut aufwachsen. Sein genaues Alter lässt sich nicht feststellen. Da Claudia Müller eine Arbeit hat, scheint es älter als drei zu sein, denn jüngere werden in Warstein mehrheitlich immer noch rund um die Uhr von einem Elternteil, in der Regel von der Mutter, betreut. Drei- bis Fünfjährige besuchen dagegen die Kindertagesstätten im Stadtgebiet, wo sie von bestens ausgebildeten Erzieherinnen umgeben sind. 83,5 Prozent von ihnen haben einen Fachschulabschluss, im Kreis Soest liegt dieser Wert nur bei 77 Prozent, in Nordrhein-Westfalen sogar bloß bei 73 Prozent.

Wahrscheinlich hat Claudia Müllers Kind aber sowohl die KiTa als auch die Schule hinter sich und ist bereits ausgezogen. Denn nur in einem Drittel der Warsteiner Haushalte leben noch Kinder. Hoch ist der Wert der Ein-Personen-Haushalte (28,5 Prozent), doch die Zwei-Personen-Haushalte bilden damit immer noch die Mehrheit. So lebt unsere Durchschnitts-Warsteinerin wohl mit ihrem Ehemann zusammen.

Politik

Und wie tickt Claudia Müller politisch? Sie gibt bei jeder Abstimmung ihr Votum ab, auch wenn etwa zuletzt bei der Kommunalwahl nur noch 51,6 Prozent der Wahlberechtigten ihre Bürgerpflicht erfüllten. Und meist gilt ihre Stimme der CDU. Nur bei Personenwahlen, wie der zum Bürgermeister, schaut sie nicht ganz so genau aufs Parteibuch. Und bei Landtagswahlen gibt sie – Frauenpower? – Hannelore Krafts SPD eine Chance.