Silvesterlauf von Werl nach Soest: Ein Sportler reanimiert

Rund 4300 Läufer gingen beim Silvesterlauf in Werl an den Start. Ein Sportler kolabierte auf der Strecke nach Soest.
Rund 4300 Läufer gingen beim Silvesterlauf in Werl an den Start. Ein Sportler kolabierte auf der Strecke nach Soest.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Ein Sportler musste beim Silvesterlauf von Werl nach Soest reanimiert werden. Er liegt im Krankenhaus, ist aber außer Gefahr. Silvesterlauf-Organisator Ingo Schaffranka zeigt sich erleichtert und zieht ein insgesamt positives Fazit der 34. Veranstaltung.
  • 6700 Teilnehmer insgesamt
  • Begeisternde Atmosphäre an der Strecke
  • Eyob Solomun dominiert Feld von Anfang an

Soest/Werl.. Er zieht ein mehr als zufriedenes Fazit: Silvesterlauf-Organisator Ingo Schaffranka erlebte eine aus seiner Sicht perfekte Veranstaltung – und zeigte sich sehr erleichtert, dass die medizinische Betreuung eines kolabierten Läufers Erfolg hatte. Der Sportler liegt zwar im Krankenhaus,befindet sich aber außer Gefahr. Mit 6.700 Teilnehmern konnte zudem dem Abwärtstrend bei den Anmeldezahlen erneut Einhalt geboten werden.

Schrecken für Schaffranka im Ziel

Es ist nur eine Durchsage, eine mit wenigen Wörtern. Aber sie lässt Ingo Schaffranka schnell werden. Auf dem Absatz macht der Organisator des Silvesterlaufes von Werl nach Soest kehrt, läuft durch den Zielbereich auf dem Soester Marktplatz – und nimmt Kontakt mit dem Roten Kreuz auf. Zuvor schien alles perfekt zu sein.

Eyob Solomun (SG Wenden) gewann wie erwartet die 34. Auflage des Traditionsrennens über 15 Kilometer und auch Laura Hottenrott (GSV Eintracht Baunatal) siegte bei Deutschlands größtem Silvesterlauf wie vorhergesagt bei den Damen. Und nun? Was will das Rote Kreuz? Einige Zeit später gibt Ingo Schaffranka erleichtert Entwarnung.

Herr Schaffranka, wenn Sie vom Roten Kreuz ausgerufen werden, erinnern sich viele Menschen schnell an die drei Todesfälle in der Vergangenheit. Was ist passiert?

Ingo Schaffranka: Bei Kilometer drei musste ein Läufer reanimiert werden. Das Rote Kreuz war aber schnell vor Ort, der Mann ist mittlerweile in Unna im Krankenhaus und es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Das freut mich natürlich sehr für ihn. Außerdem bin ich sehr erleichtert, dass unsere Vorsorgemaßnahmen gegriffen haben.


Welches Fazit ziehen Sie sportlich nach der 34. Auflage?

Punkt eins: Ich bin schwer begeistert, weil wir ausverkauft waren. Das heißt, wir hatten keine Startnummern mehr. Also waren mindestens 6500 Teilnehmer am Start. Punkt zwei: Die Stimmung an der Strecke war supergeil. Ein Lob an alle Dörfer, da war richtig was los. Es war ein super Lauf, ich bin richtig zufrieden.


Ein Lauf, den Eyob Solomun mit seinem läuferischen Alleingang krönte?

Aus sportlicher Sicht war das schon fast zu langweilig, weil Eyob dem Feld bereits ab Kilometer eins abgehauen ist. Und das, obwohl alle vorderen Platzierten super Läufer sind. Ich habe die ersten drei Jungs mehrmals in diesem Jahr verfolgt. In Wiedenbrück hatte Eyob vielleicht 30 Sekunden Vorsprung – hier hättest du noch ein Bier trinken können.


Wie haben Sie diese Spitzenläufer für Werl-Soest begeistert?

Geld kriegen sie bei uns nicht, das bleibt auch so. Wir leben von der Atmosphäre und von unserem Renommee. Mit einem Sieg hier können die Läufer Sponsoren gewinnen und das ist letztendlich das, was zählt. Ich habe ihnen von der einzigartigen Atmosphäre bei uns vorgeschwärmt – und habe nicht gelogen. (lacht)

Organisator Schaffranka freut sich über 6500 Teilnehmer


Rund 6500 Teilnehmer – das heißt, dass der Negativtrend der vergangenen Jahre gestoppt wurde, wenn es denn einen gab?

Ja, natürlich. Bis vor drei Jahren hatten wir zurückgehende Teilnehmerzahlen, aber das haben wir in den vergangenen zwei Jahren kompensiert.


Wie haben Sie das geschafft?

Auch wir müssen auf allen zur Verfügung stehenden Kanälen Werbung für unseren Lauf machen. Wir müssen uns hübsch machen. Natürlich spielt auch das Wetter immer eine Rolle, das will ich gar nicht verhehlen. Aber die Zeiten von „Macht den Kanal auf und die Leute kommen“ sind vorbei.


Sogar der „kleine“ Silvesterlauf über fünf Kilometer, der in Ampen gestartet wird, scheint den Teilnehmerzahlen nach zu urteilen, erwachsen geworden zu sein.

Beim 5er waren wir bereits am Tag zuvor ausverkauft und mussten Startnummern nachdrucken lassen. Deswegen haben wir insgesamt rund 6700 Teilnehmer, fällt mir gerade ein. (lacht)


Wie viele Teilnehmer hatte der 5er?

Wir hatten im Vorfeld 500 Startnummern für Läufer gedruckt. Bei dieser Masse können wir beim nächsten Mal nicht mehr alle gleichzeitig starten lassen. Dort war diesmal ein Hauen und Stechen. Wir müssen erst die Läufer auf die Strecke schicken und zwei, drei Minuten später die Nordic Walker und Walker. Das ist nicht schlimm. Aber: Wir müssen den Start splitten.

Ein eventuell heikles Thema: Im Vorfeld kündigte die Mobile Funkhilfe an, wegen Dissonanzen mit Ihnen bei der nächsten Auflage nicht mehr mitarbeiten zu wollen. Was ist los?

Das hat mich auch überrascht. Ich habe davon aus den Medien erfahren – und das ärgert mich sehr. Aber: Ich bin ersetzbar und jede andere Gruppe ist auch ersetzbar.

Wie behandeln Sie dieses Thema nun weiter?

Letztendlich sind ja die Vereine aus Werl und Soest Veranstalter dieses Silvesterlaufes für den guten Zweck. Ich bin nur der Organisator. Wir werden uns im Silvesterlaufkomitee zusammensetzen und darüber diskutieren. Aber auch das Komitee war sehr überrascht.


Könnten Sie die Funkhilfe mal eben ersetzen?

Die Funkhilfe stellt 25 Leute, die kann man nicht so einfach ersetzen – alles andere wäre gelogen. Aber wir müssen uns der Aufgabe stellen und wir werden sie ersetzen können. Wir haben dafür schließlich 365 Tage Zeit.


Verspüren Sie bei solchen Scharmützeln eine gewisse Amtsmüdigkeit?

Wir haben am Tag vor dem Lauf noch mit Gründervätern wie Rolf Lohmann und Gert Albrand zusammengesessen und die haben davon geredet, dass wir noch 16 Jahre weitermachen müssen – dann bin ich 65. Ich habe mich gefragt, wie alt die Herren dann sind. (lacht) Wenn sie bis zum 50. Lauf machen wollen, dann ziehe ich das mit durch. Dann habe ich noch 16 Jahre vor mir und gehe dann in Rente – und alles ist gut.