Sie blieben Mensch und bezahlten dafür mit ihrem Leben

Gedenken den von den Nazis ermordeten Fremdarbeitern und den deutschen Kollegen aus Lippstadt: Holger Schild, Sabine Pfeffer und Raimund Göbel (r.).
Gedenken den von den Nazis ermordeten Fremdarbeitern und den deutschen Kollegen aus Lippstadt: Holger Schild, Sabine Pfeffer und Raimund Göbel (r.).
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Kurz vor Kriegsende brachten die Nazis sieben Franzosen und sechs Deutsche um, die schlicht menschlich gehandelt hatten.

Lippstadt..  13 Menschen haben kurz vor Ende des 2. Weltkrieges den Tod gefunden. „Sie mussten sterben, weil sie in einem Unrechtsstaat lebten. Weil sie Brot gaben, weil sie Brot nahmen“. Holger Schild vom DGB-Kreisverband erinnerte am Karsamstag in der Gedenkstunde der Ermordung vor 70 Jahren am Gedenkstein an der Josefskirche.

Menschlich gehandelt

Damals brachten die Nazis sechs Arbeiter der Lippstädter Unionwerke, Friedrich Sprink, Stefan Freitag, Franz Schultenjohann, Franz Engelhardt, Johann Liebner und Albert Klar, um, weil sie menschlich handelten und Brot teilten, sowie sieben französische Arbeitskameraden Edouard Abejean Uguen, Robert Geoffroy, Leon Chardirac, Robert Deyredk, Paul Deleforge-Burette, Leon Deloor und Robert Vanderyssen, die das Brot annahmen.

„Man hätte vieles wissen können, hätte vieles wissen müssen“, schlug Schild einen Bogen auch zur Jetztzeit mit Blick auf die Neonazi-Szene. Die damalige Kollegen „blieben Mensch“ – und bezahlten mit ihrem Leben.

„Tod, Trauer, Erinnerung, Mahnung, Hoffnung“ – auf diesen fünf Worten baute die stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Pfeffer ihren Beitrag auf. Sie forderte die Menschen auf, nicht in Trauer zu verharren: „Sie ist auf die Zukunft gerichtet.“ Man müsse zugleich die Erinnerung lebendig halten.

Erniedrigend behandelt

Für den erkrankten Ernst Söder vom Rombergpark-Komitee Dortmund verlas Raimund Göbel (IG Metall-Vertreter bei Hella) dessen Beitrag. Die Zwangsarbeiter seien erniedrigend behandelt worden, die Deutschen hätten versucht, sie zu schützen. Die Gestapo bekam im Dezember 1944 davon Wind, verhaftete alle, brachte sie nach Herne, später Dortmund, wo sie im Rombergpark erschossen wurden.

Viel zu wenige Täter seien später zur Rechenschaft gezogen worden, so Söder in seiner Rede; im Gegenteil hätten diese teilweise später Karriere gemacht. 15 Freisprüche habe es gegeben, eine Verurteilung zu sechs Jahren, der Rest sei mit im Durchschnitt sechs Monaten davon gekommen.

Nie wieder Faschismus

Es gelte, aus der Geschichte Lehren zu ziehen, vor allem: „Nie wieder Faschismus!“ Es gelte, die Menschenwürde aller zu verteidigen. Dabei sei Rechtsradikalität noch immer in der Gesellschaft verankert. Dem müsse man entgegen treten. In diesem Zusammenhang müsse auch die Justiz ihr Verhalten überdenken; noch sei es so, dass die Polizei die faschistischen Gedanken bei Demonstrationen sogar noch verteidigen müsse.

Keine „alten Geschichten“

Auch die Schüler des Gymnasiums Schloß Overhagen haben sich mit dem Thema beschäftigt. Es seien keine „alten Geschichten“, stellten sie fest. Die 13 von den Nazis Gefangene seien ermordet worden, „weil sie menschlich waren“. Außerdem wurde den Deutschen vorgeworfen, „Feindsender“ gehört zu haben. Die Jugendlichen verstanden dies als Aufforderung, selbst nachzudenken und eine eigene Meinung zu haben.

Eine Eigenschaft, die vor 70 Jahren offenbar teilweise Mangelware war.