Sichtigvorer wollen um ihren Wald kämpfen

Windkraft-Wanderung Sichtigvor/Allagen
Windkraft-Wanderung Sichtigvor/Allagen
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Eigentlich bot die Wanderung, zu der Sichtigvors Ortsheimatpfleger Willi Hecker eingeladen hatte, jegliche Gelegenheit zum Genießen der vielfältigen Natur. Doch die Tour quer durch den Mülheimer und Sichtigvorer Wald hatte einen ernsten Hintergrund: Erkundet wurde jenes Gebiet, das sich durch den geplanten Windpark nachhaltig verändern würde.

Sichtigvor.. Zwölf bis 15 Windkraftanlagen könnten auf der Fläche zwischen dem Möhnetal und Hirschberg im Bereich des Rennwegs entstehen: Eine Fläche von rund 608 Hektar ist im Gespräch. Eine Fläche, die für das Möhnetal eine besondere Bedeutung hat, wie Willi Hecker auf der Wanderung erklärte: „Für die südlich der Möhne am Fuße des Loermund angesiedelten Sichtigvorer war der Wald schon früh von existenzieller Bedeutung. Ohne die Laubheu- und Dunggewinnung hätten sie ihre kleinen Viehwirtschaften mit Kuh und Ziege nicht durchbringen können.“

Noch inniger verbanden sich die Kirchspielleute mit dem Mülheimer Wald, als die Waldaufteilung 1855 jeder eingesessenen Familie eine eigene Waldparzelle bescherte. „Auch wenn die frühere Nutzung heute keine Rolle mehr spielt, so ist die gewachsene Liebe zum Wald, besonders bei den Sichtigvorern, weiterhin lebendig“, schilderte Hecker ein Gefühl, das er mit vielen Sichtigvorern teilt. Die mit dem Ortsheimatpfleger auf dem Wanneweg südwärts wandernde Gruppe zeigte sich betroffen, als sie anhand mitgeführter Waldkarten erkannten, wie nah sich der geplante Windpark an das Dorf heranschiebt und welch großen Anteil er vom Sichtigvorer Wald beansprucht.

Angekommen am Allagener Rennweg, der Achse des größten Sauerländer Windparkvorhabens, konnten Hubert Struchholz und Dirk Störmann aus Allagen anhand von Fotomontagen die Auswirkungen bis zu 200 Meter hoher Windkraftanlagen auf die Landschaft demonstrieren. Die Teilnehmer waren sich einig: „Der Arnsberger Wald muss grundsätzlich von Windkraftanlagen freibleiben.“ Die Inanspruchnahme des gesamten südlichen Sichtigvorer Waldes sei untragbar.

Eigene Wassergewinnung

Die weitere Wanderung an diesem Nachmittag bot dann noch Gelegenheit, auf die frühere Trinkwasser-Gewinnung an der Quomecke, die Hohe Jagd am Hagensiepen und botanische Raritäten am Wegesrand, wie Tollkirsche und Orchideen, einzugehen. Insbesondere das einstige Filterhaus mit dem vorgeschalteten System der Sammelbrunnen weckte Nostalgie: „Hätten wir heute noch die eigene Wassergewinnung in Sichtigvor, dann wäre das hier Wasserschutzgebiet und ein Windpark nicht ohne Weiteres zu bauen“, so Hecker.