Sichtigvorer Sebastian Gerden regiert Mülheim

Sebastian Gerden aus Sichtigvor ist neuer König der Mülheimer Schützen.
Sebastian Gerden aus Sichtigvor ist neuer König der Mülheimer Schützen.
Foto: Manfred Böckmann
Was wir bereits wissen
Bei den Peter-und-Paul-Schützen in Mülheim nimmt man es mit der Gemeindegrenze nicht so genau: Ein Sichtigvorer ist König.

Mülheim.. Bei der St. Peter- und-Paul-Schützenbruderschaft Mülheim sind die Dinge noch klar geregelt. Vor allem, wenn es darum geht, wer auf den stolzen Schützenvogel anlegen darf. Und: Alle haben sind dran gehalten.

Oberst Jörg Rhoden hatte nämlich vor dem Schießen erklärt: „Der alte König macht den ersten Schuss, der neue den letzten“. Und natürlich kam es auch so: Georg Hein eröffnete das spannende Schießen, Sebastian Gerden beendete es – und sicherte sich folglich den Titel unter der Vogelstange.

Vogelbauer Fred Heinze ist Experte. Gerne dozierte er vor dem Beginn des Schießens am hölzernen Objekt, wie man so einen Aar baut („Ich bin in der Gestaltung frei, er muss nur in den Kugelfang passen“) und wie viele Schuss das Mülheimer Exemplar des Jahres 2015 aushalten sollte („80 Treffer, nicht Schuss“). Und damit lag der Schreinermeister nicht schlecht.

Drei ernsthafte Bewerber

Ebenso exakt waren die Schützen, die munkelten, es gebe zwei ernsthafte Bewerber um das Amt des neuen Königs. Die Namen stimmten. Und ein dritter Name kam schnell noch dazu: Sebastian Gerden. Doch zunächst galt es, zwischen all den in weiß und grün gehaltenen Eierschalen die Insignien des Vogels zu finden – und natürlich zu Boden zu bringen. Mit der ersten Einstellung der Flinte schienen die Schützen da Probleme zu haben, so justierte Andreas Wirth noch mal nach – und nun klappte es auch. Mit dem 8. Schuss brachte Daniel Rhoden den Apfel zu Boden. Markus Dahlberg sicherte sich mit dem 20. Schuss das Zepter – was den anderen Schützen gar nicht so recht war, war doch offenbar gerade das Zepter begehrt. Daniel Gerden war es, der sieben Schüsse später die Krone traf.

Ob er nicht auch auf den ganze Vogel zielen wolle? Er galt als der dritte Aspirant. Und in der Tat: Er, sowie Bruno Frenz und Holger Ehlert, die beiden weiteren Aspiraten, ließen auch nach den Insignienschüssen das Gewehr nicht kalt werden. Außerdem schossen Bernd Heinze (König in Sichtigvor im Jahr 2008/09) und Silberkönig Alfons Dicke mit – wobei der Sichtigvorer recht schnell das Feld den anderen überließ.

Alfons Dicke jedoch ließ sich ein ums andere Mal von den Kindern überzeugen, noch einen Schuss abzugeben. „Na gut“, meinte er dann. Und erntete Lob von den übrigen Peter-und-Paul-Schützen: „Du machst das, als hättest Du das schon mal gemacht“ – was ja auch stimmte.

Jedoch räumte Sebastian Gerden im Kugelfang auf, als er den linken Flügel filetierte, der aber von den Fäden der Eierkränze weiter in der Luft gehalten wurde. Er fiel – mit dem rechten Flügel und einem Großteil des Körpers – nach einem Treffer von Bruno Frenz. „Hier kannst Du jetzt lange ballern“, prophezeite Silberkönig Alfons Dicke. Um dann aber doch einen so gut platzierten Schuss abzugeben, dass er erschrocken (und erleichtert) feststellte: „Ist noch was drauf!“

Die „wahren Aspiranten“

Den Rest besorgten die „wahren Aspiranten“, von denen Sebastian Gerden mit dem 110. Schuss um 11.35 Uhr der glückliche Sieger war. Der 37-jährige Mitarbeiter bei Infineon wohnt am Sichtigvorer Ordensritterweg, ist Vater von drei Kindern (Natascha, Marlon und Robin) und kürte natürlich seine Ehefrau Heidi Gerden, Friseurmeisterin von Beruf, zu seiner Königin.

Ob er auf den Geschmack gekommen war? Gerden vertrat beim Fest den krankheitsbedingt fehlenden Fahnenoffizier Thomas Schneider. Es war, wenn auch kurzfristig, auf jeden Fall abgesprochen: Der König zur seiner Königin: „Du wolltest das doch so...!“