Sensibilisieren für Geschichten der Flüchtlinge

Rüthen..  Ganz still ist es im Klassenraum der Maximilian-Kolbe-Schule. Auch wenn Robel aus Eritrea und Mohammed aus Syrien nur mit leiser Stimme von ihrer Flucht aus ihren Heimatländern, von der Angst, den Entbehrungen berichten, ihre Geschichten dringen bis in die hinterste Ecke des Raumes. Es sind Geschichten, die berühren. Geschichten, die deutlich machen, warum Menschen ihre Heimat verlassen, all diese Strapazen auf sich nehmen auf der Suche nach einem sicheren Leben.

Mohammed und Robel berichteten im Rahmen eines Projekttages zum Thema „Migration, Flucht und Asyl“ in der Klasse 9c der Verbundschule von ihren Fluchterfahrungen. Die Begegnung und der Austausch zwischen der Klasse und den beiden Flüchtlingen standen im Mittelpunkt des Projekttages. Verständnis wecken wollte Referent Felix Becker bei diesem Projekt, gleichzeitig rückte er die Themen Asylrecht und globale Gerechtigkeit verstärkt in den Fokus.

Empathie im Vordergrund

Ganz anders und doch ähnlich als beim Projekt in der vergangenen Woche an der Nikolausschule (wir berichteten) sei die Arbeit mit den Neuntklässlern. „Es läuft mehr auf der argumentativen Ebene, es gibt mehr Daten und Fakten, aber die Empathie steht wie bei den Grundschülern im Vordergrund.“ Diese war bei den Schülern der 9c wirklich spürbar. „Es ist sehr ermutigend zu sehen, dass viele Schüler bereit sind, sich in die Lage der Geflüchteten hineinzuversetzen.“

Darauf hatte Lehrerin Christina Grüne gehofft, die den Anstoß für den Projekttag gab. „Ich fand das Angebot von Felix Becker ganz interessant – vor allem wegen der Situation hier in Rüthen. Es ist wichtig, dass man die Schüler sensibilisiert für die Situation der Menschen im Haus Maria vom Stein“, erklärte sie. „Man merkt, dass die Schüler ergriffen sind.“

Kein Wunder, bei den Geschichten, die Robel und Mohammed zu erzählen hatten. „Ich bin einer der wenigen, die den tödlichen Weg geschafft haben“, betonte Robel, der bis Februar in Heidberg gelebt hat, heute in Belecke wohnt. Mit Hilfe von Schleppern war er aus seiner Heimat geflohen, hatte es in einem mehrtägigen Gewaltmarsch bis nach Äthiopien geschafft. Verirrte Flüchtlinge wurden teilweise von Hyänen gefressen.

Keine Alternative zum Töten

Gefährlich war auch eine weitere Etappe, die ihn in 14 Tagen vom Sudan bis Libyen führte. Es gab wenig Wasser, oft mussten die Flüchtenden den eigenen Urin trinken. Menschen, die vom Wagen fielen, wurden ihrem Schicksal überlassen. Nicht besser war die Situation auf dem Flüchtlingsschiff gen Italien, das mit über 350 Menschen völlig überfüllt war. „Irgendwann hat das Boot Risse bekommen, wir haben die italienische Küstenwache zur Hilfe gerufen. Als wir auf dem großen Schiff waren, ging unser Boot gerade unter – wir haben wirklich unglaubliches Glück gehabt.“

„Wenn ich in Syrien geblieben wäre, hätte ich keine Wahl gehabt: Dann hätte ich in den Krieg ziehen und Menschen töten müssen“, erläuterte der 22-jährige Mohammed. Eine Reise über Libyen, die Türkei und weiter über Italien, Bulgarien, aus dem er heimlich flüchten musste, und Rumänien nahm er auf sich, um schließlich nach Deutschland zu gelangen. „Das Leben hier ist gut, aber nicht das, was ich erwartet habe“, erläutert er. Die Asylsuchenden könnten nicht abschätzen, ob sie eine Chance haben, hier bleiben zu dürfen. Es herrsche große Willkür bei den Asylgerichten.