Senioren genießen Gemeinsamkeit

Urlaub ohne Koffer im Pfarrheim in Rüthen: Die 33 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind begeistert von dieser Art des Verreisens.
Urlaub ohne Koffer im Pfarrheim in Rüthen: Die 33 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind begeistert von dieser Art des Verreisens.
Foto: Armin Obalski

Oestereiden..  Viele sitzen jetzt zum Beginn der Ferien auf den sprichwörtlich gepackten Koffern. 31 Seniorinnen und zwei Senioren haben sich die Mühe erspart. Ganz ohne Gepäck genießen sie fünf Tage Abwechslung und Entspannung vor der Haustür. Zum achten Mal findet im Pastoralverbund der Urlaub ohne Koffer statt. Die Teilnehmer sind begeistert. „Wir haben sehr viel Spaß – das ist allen zu empfehlen“, sagt Christel Thöne. „Wir lachen den ganzen Nachmittag.“

„Eigentlich liegt das Maximum bei 25 Teilnehmern“, berichtet Christa Mertens. Die Gemeindereferentin organisiert den Urlaub ohne Koffer von Beginn an mit den drei Caritas-Konferenzen im Pastoralverbund Rüthen, die da sind Hoinkhausen-Oestereiden, Kallenhardt und Rüthen. Diese Auszeit vom Alltag für ältere Menschen, die keinen klassischen Urlaub mehr antreten würden, ist inzwischen so beliebt, dass die Obergrenze gesprengt wurde. 33 Urlauber treffen sich von Montag bis einschließlich Freitag täglich von 8.30 bis 17 Uhr. Darunter sind dieses Mal sechs Neulinge, zu denen sich das Reiseangebot der kurzen Wege durch Mund-zu-Mund-Propaganda herumgesprochen hat. Besonders voll war es am Dienstag im Pfarrheim in Oestereiden. Zu den normalen Urlaubern kamen fünf Teilnehmer der Tagespflege auf dem Lande hinzu. Diese bietet der Kreisverband der Caritas seit wenigen Wochen in fünf Orten des Kreises Soest an. Dienstags ist Oestereiden an der Reihe.

Die Urlauber ohne Koffer kommen aus dem ganzen Stadtgebiet. Der Jüngste ist der 70-jährige Hubert Mertens aus Weickede, die älteste mit 92 Jahren Walburga Bell aus Kallenhardt. Ihr Urlaubstag beginnt um 8.15 Uhr mit dem Abholen durch ehrenamtliche Helfer an der Haustür. „Dann gibt es hier Frühstück mit allem, was dazugehört: frische Brötchen, Aufschnitt- und Käseplatten und vielen Sorten selbst gemachter Marmelade. Den Teilnehmern wird der Kaffee eingeschenkt, sie werden rundum verwöhnt. Das alles haben die meist allein stehenden Menschen sonst nicht“, fasst Christa Mertens das zusammen, was den Urlaub ohne Koffer vom Alltag unterscheidet. Dazu gehört das Mittagessen in großer Runde, nach dem die Möglichkeit zum Schläfchen besteht oder zu Gesellschaftsspielen, Kaffee und Kuchen am Nachmittag sowie Unterhaltungsangebote. Besonders aber genießen die älteren Menschen die Gespräche.

Gelegenheit zum Austausch

„Es tut gut, jemandem zum Reden zu haben, sich auszutauschen“, fasst Christa Mertens zusammen. Ins Detail gehen die Urlauberinnen selbst. „Es ist enorm, was geboten wird“, findet Clementine Rose. Sie ist das dritte Mal dabei und kommt direkt aus Oestereiden. Inzwischen, freut sie sich, gebe es auch andere Möglichkeiten für Senioren im Dorf. Das Caritas-Café, das Kaffeekränzchen im Gasthof Pieper sowie die Caritas-Aktion „Kaufen + Klönen“ begeistern die 85-Jährige. „Wo soll man in unserem Alter noch hinfahren“, fragt Mathilde Erling (86). Auch die Kallenhardterin ist trotz ihrer vielfältigen Kontakte im Ort wiederholt kofferlose Urlauberin. „Alle hier sind freundlich, nett und fröhlich“, fasst sie die Atmosphäre im Oestereider Pfarrheim zusammen.

Auf die Spitze treibt das Lob Elfriede Berle aus Rüthen. „Das ist hier wie eine zweite Heimat“, befindet die resolute 89-jährige Rüthenerin. „Wie bei einem Urlaub freut man sich das ganze Jahr darauf und hofft, dass dann auch alles klappt.“ Zum siebten Mal macht sie den Urlaub ohne Koffer. „Ich war so begeistert, dass ich dabei geblieben bin.“ Sichtlich viel Spaß hat sie mit ihrer Tischnachbarin Christel Thöne. „Wir lachen den ganzen Tag. Diese fünf Tage tun richtig gut“, findet die 78-jährige Rüthenerin.