Seltener Dolch fasziniert Wissenschaftler

FÖJ-Dienstleistende Ruth Simon von der Bilsteinhöhle übergibt den wertvollen Kupferdolch an M. Siepmann, Mitarbeiter des Rheinischen Landesmuseum in Bonn.
FÖJ-Dienstleistende Ruth Simon von der Bilsteinhöhle übergibt den wertvollen Kupferdolch an M. Siepmann, Mitarbeiter des Rheinischen Landesmuseum in Bonn.
Foto: privat

Bilsteintal..  Einer der interessantesten Funde der Ausgrabung der Bilsteinhöhle vor 127 Jahren ist ein kleiner Dolch aus Kupfer. Der Ausgräber – der Geologe Emil Carthaus – konnte den Fund damals noch nicht richtig einordnen. Er meinte, er habe eine „kupferne Pfeilspitze aus dem Mittelalter“ gefunden.

Im Laufe der Zeit wurde jedoch klar, dass es sich bei diesem Fund um eine Besonderheit handelt: Es ist ein Griffzungendolch, ein ganz typisches Stück der so genannten Glockenbecherzeit, einer Kultur am Übergang von der Steinzeit in die Metallzeiten. Heute geht man davon aus, dass der Dolch ca. 4300 bis 4500 Jahre alt ist.

Interessant ist vor allem, dass es aus dem ganzen Sauerland keinerlei Hinweise auf eine glockenbecherzeitliche Besiedlung gibt, wohl aber vereinzelt aus der Soester Börde. Der Dolch ist in den vergangenen Jahren zweimal im Bergbaumuseum in Bochum untersucht worden. Einerseits wurde die genaue Zusammensetzung des Kupfers erforscht. Dabei wurde ein deutlicher Arsen-Anteil festgestellt, der das an sich weiche Kupfer härtete. In einer weiteren Untersuchungsreihe wurden Blei-Isotope des Kupfers analysiert, um Hinweise auf die Herkunft des verwendeten Kupfers zu bekommen.

Material stammt wohl aus Serbien

Klar ist nach diesen Untersuchungen: Das Material stammt wohl nicht aus der Umgebung, mit gewisser Wahrscheinlichkeit konnte Ost-Serbien als Herkunftsort des Kupfers bestimmt werden. Das würde bedeuten, dass zumindest das Kupfer (wahrscheinlich aber der fertige Dolch) eine Reise von rund 1700 Kilometern zurückgelegt hat, bevor er in die Bilsteinhöhle gelangte. Am vergangenen Freitag ging der Dolch auf eine nicht ganz so weite Reise: Ein Mitarbeiter des Rheinischen Landesmuseums für Archäologie holte den Dolch ab, um ihn nach Bonn zu bringen. Am 5. September öffnet dort die „Archäologische Landesausstellung NRW“ ihre Tore für interessierte Besucherinnen und Besucher.

Fund dokumentiert Handelswege

Auf der archäologischen Landesausstellung werden aktuelle Ergebnisse der archäologischen Forschung in Nordrhein-Westfalen präsentiert. In diesem Jahr steht die Ausstellung unter einem Leit-Thema: „Revolution Jungsteinzeit“. Der Dolch aus der Bilsteinhöhle ist da ein besonders wichtiger Fund, der den Übergang von der Steinzeit in die Metallzeiten dokumentiert und auch die bereits vor mehr als 4000 Jahren bestehenden Handelswege quer durch Europa.

Die archäologische Landesausstellung ist danach im LWL-Museum für Archäologie in Herne und im Lippischen Landesmuseum in Detmold zu sehen.