Selbst die Fahne bekommt ihren Schuss ab

Vogelschießen Niederbergheim
Vogelschießen Niederbergheim
Foto: WP
Einen widerspenstigen Aar, eine zerschossene Fahne und ein packendes Duell bis zum Schluss – wieder mal bildete das Vogelschießen der Niederbergheimer St. Johannes Schützenbruderschaft den spannenden Höhepunkt des Schützenfestwochenendes.

Niederbergheim.. Mit dem 338. Schuss erlegte Michael Berghoff den hölzernen Vogel, der sich satte drei Stunden im Kugelfang verschanzt hatte.

Seine Begleitung im Schützenumzug und der Parade bildete selbstverständlich Ehefrau Monika, die mit König Michael sichtlich glücklich war. Doch dass es so lange dauert, hätte Michael Berghoff wohl selber nicht erwartet. Wie schon auf dem Warsteiner Schützenfest schaffte es Bürgermeister Manfred Gödde abermals, mit seinem Ehrenschuss dem Adler den Reichsapfel zu entledigen. Mit dem siebten Schuss ging das Zepter an Vinzenz Hirnstein, beim 14. Schuss fiel mit der Krone die letzte Insignie, die sich Rolf Möller sichern konnte.

Und plötzlich schien es, als hätten die Niederbergheimer Schützen ihre ganze Zielsicherheit für die Insignien-Schüsse verbraucht. Eine Patrone nach der anderen glitt durch die Hände von Schießmeister Lothar Lange, doch bis auf kleine Spanflüge hielt sich der Vogel wacker. Selbst nach knapp 70 Schüssen zeichneten sich keine besonderen Einschüsse im hölzernen Gefieder – die Niederbergheimer wollten dem Vogel an die Gurgel und feuerten durchgehend in den Hals. „Einen Zentimeter weiter links, zwei Zentimeter tiefer“ gab Schießmeister Lothar Lange Tipps und Anweisungen, wo gute Treffer zu machen seien.

Denn an Aspiranten mangelte es nicht, so übten sich zwischenzeitlich knapp 15 Schützen unter dem Kugelfang, beobachteten den Holzvogel durch das Fernglas und beäugten die stabile Bauweise. Und plötzlich wurde die neben dem Kugelfang wehende Schützenfahne zur Zielscheibe. Von Regen keine Spur, doch trieb der Wind die Fahne immer wieder vor den Kugelfang. „Wir sind hier beim Vogelschießen und nicht beim Fahnenschießen“ stellten die Schützen unter Gelächter fest.

Doch die Einschusslöcher in der Fahne waren kaum zu übersehen. Ganz im Gegenteil zum Holzvogel. So war es Schriftführer Peter Raab, der mit dem 211 Schuss den linken Flügel zu Fall brachte und so das Schießen an Spannung gewann. Immer wieder mischten sich Raab oder Christian Linnemann ins Getümmel unter der Vogelstange, doch wurde am Ende das Wagnis zu groß. So waren es noch Michael Berghoff und Manuel Winnig. Berghoff, der schon im letzten Jahr denkbar knapp gegen Ralf Griese scheiterte und Winnig, dessen Vater Paul in diesem Jahr 25 Jahre Jubelkönig ist. Alle fieberten mit, gönnten es beiden.

Jubel beim Tambourcorps

Und mit dem 338. Schuss war es schließlich Michael Berghoff – endlich geschafft, der Jubel war groß. Ganz besonders groß war er im Niederbergheimer Tambourcorps, wo Michael Berghoff eine feste Größe ist. Der Maschinenbauer wohnt zusammen mit seiner Frau Monika in der Spiekerecke 15 in Niederbergheim.

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