Schlaflosigkeit, die in den Wahnsinn führt

Ein intensives Drama: Das "Rottstr5"-Theater Bochum zeigt "Fight Club".
Ein intensives Drama: Das "Rottstr5"-Theater Bochum zeigt "Fight Club".
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Es war schon starker Tobak, der den Zuschauern in der Neuen Aula in Belecke geboten wurde. Auf Einladung der Kulturinitiative zeigte das „Rottstr. 5“-Theater Bochum „Fight Club“, bekannt durch die Verflimung mit Edward Norton.

Belecke..  „Wenn man an Schlaflosigkeit leidet, ist man immer wach. Aber nicht richtig, sie vernebelt die Realität“. – Das Licht verdunkelt sich, ein roter Lichtkreis auf der Bühne, spannungsvolle Hintergrundmusik: Ein Schatten an der rötlich beschienenen Wand kündigt den ersten Darsteller an, der das Stück „Fight Club“ nach dem gleichnamigen Buch und Hollywood-Thriller aus den 90er Jahren einläutet.

Konsum gegen innere Leere

In Fassung und unter Regie von Oliver Paolo Thomas hatte die Kulturinitiative Warstein das Bochumer Off-Theater „Rottstr. 5“ nach Belecke geholt. Als Jack erzählt Alexander Ritter, lediglich mit knielanger, ausgebeulter Sporthose bekleidet: „Du bist nicht das Auto, das du fährst. Du bist nicht der Inhalt deiner Brieftasche. Du bist der singende, tanzende Abschaum der Welt.“

Sechs Monate habe er nicht geschlafen, sein Un-Einverständnis mit seiner eigenen Person hinter einer Sammlung aus IKEA-Möbeln versteckt; Ärzte nehmen sein Problem nicht ernst, er solle lieber Selbsthilfegruppen seiner Wahl besuchen, denn dort würde er erfahren, was wirkliches Leid bedeutet.

Die ersten Minuten hüllen sich die Zuschauer in der Theateraula in Schweigen, lauschen gebannt der Geschichte dieses Mannes mit der Schlaflosigkeit, der mit seinem blassen Gesicht und vor Schreck geweiteten Augen starr im hellen Scheinwerferlicht steht und erzählt, die Bühne ganz allein mit seiner starken Präsenz füllt.

Verstärkung auf der Bühne bekommt er wenig später von Dagny Dewath in der Rolle der Marla Singer. In einer der Selbsthilfegruppen lernte Jack sie kennen, doch auch wenn für das Publikum eine unmissverständliche Bindung zwischen den beiden zu erkennen ist, sträubt sich Jack gegen sie.

Als auch noch Tyler Durden (Felix Lampert) ins Spiel kommt, nimmt Jacks Leben endgültig eine Wendung: Noch erschüttert, dass seine Wohnung mit den heiß geliebten Möbeln durch eine Gasexplosion ausgebrannt ist, kommt Jack bei ihm unter und findet nach einmaligem Auffordern Tylers, er solle ihn so heftig wie möglich schlagen, Zuflucht in Schlägereien und Schmerzen. Tylers Moral: Jack solle aufhören, sich hinter materiellen Dingen zu verstecken, denn „alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich“ – man sei eben nicht das Auto, das man fährt.

Es gründet sich der „Fight Club“, dem sich weitere Personen anschließen, die ebenfalls den Nervenkitzel einer Schlägerei suchen. Es entsteht vor allem seitens Jack eine Art Sucht nach einer Bestätigung, mitten im Leben zu stehen.

Ein Thriller rund um Liebe, Hinterhältigkeit, Selbstfindung und mit versteckter Lebensmoral sowie stellenweise doch humoristischen Auflockerungen zog eineinhalb Stunden lang das Publikum in der Neuen Aula in seinen Bann.

Begegnung mit anderem Ich

Noch nach der Vorstellung beschäftigte viele die Frage nach dem Ende des Stücks, denn wie sich herausstellte, war Tyler die ganze Zeit über eine Einbildung in Jacks Vorstellungen – sein anderes Ich. Einige Antworten hatten die vier Darsteller mitsamt Regisseur Oliver Paolo Thomas parat, standen sie doch anschließend in gemütlicher Runde noch für einige Fragen bereit. So erzählten sie von dem Leben als Schauspieler, vom Texte lernen, ihrem Leben neben der Beschäftigung am Theater und luden zum Abschied auf ein Wiedersehen im Theater in Bochum ein.