Sascha Heinrich: „Ich werde Belecke vermissen“

Sascha Heinrich, Theologie-Student und Praktikant im Pastoralverbund Möhnetal, in der Propsteikirche St. Pankratius.
Sascha Heinrich, Theologie-Student und Praktikant im Pastoralverbund Möhnetal, in der Propsteikirche St. Pankratius.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Theologie-Student Sascha Heinrich war Praktikant im Pastoralverbund Möhnetal. Im Interview spricht er über seine Zeit in Belecke und seine Zukunft als Pastor.

Belecke..  Die Teambesprechung der Priester im Pastoralverbund Möhnetal ist gerade zu Ende gegangen, als Sascha Heinrich zum Gespräch bittet. Im Flur herrscht Trubel: Pastor van Lieshout greift zur Jacke, auch Pfarrer i.R. Josef Sauerwald verabschiedet sich. „Wir wollen ihn am liebsten gar nicht gehen lassen“, sagt er noch, ohne dass Sascha Heinrich es mitbekommt.

Nebenan setzt Pfarrer und Hausherr Markus Gudermann noch einmal Kaffee auf, während Sascha Heinrich, der Praktikant, es sich im Besprechungsraum bequem macht. Drei Monate war der Theologie-Student im Pastoralverbund tätig, vor allem in Belecke. Nach Ostern wird er die Gemeinde wieder verlassen. Zeit für ein Abschlussgespräch.

Frage: Sie scheinen in Belecke längst fester Bestandteil des Teams zu sein. Wie schwer fällt Ihnen da der Abschied?

Sascha Heinrich: Ich werde Belecke schon vermissen, weil ich in den drei Monaten viel erlebt habe – die gesamte Karnevals- und Fastenzeit. Daher werde ich auch bis Montag bleiben, obwohl eigentlich Freitag mein letzter Tag wäre. Aber Ostern möchte ich als Abschluss schon noch erleben. Andererseits ist mir bewusst geworden, was mir noch fehlt und was ich im Studium noch lernen möchte und muss.

Sie sprechen Karneval an. In Ihrer Heimat Iserlohn-Letmathe spielt das kaum eine Rolle. Waren Sie überrascht?

Ich war erstaunt von der Professionalität und der Leidenschaft, mit der Karneval in Belecke gefeiert wird. Kurz vor dem Karnevalswochenende hatte keiner mehr Zeit, weil alle Wagen gebaut oder sich auf ihre Auftritte vorbereitet haben. Auf den Sitzungen von GBK und JuKa war auch schön zu sehen, wie hier generationsübergreifend gefeiert wird. Und ich wurde auch überall mit offenen Armen empfangen.

Sie sind selber ein Vereinsmensch, waren in Ihrer Heimat etwa im Schützenverein engagiert.

Deswegen verstehe ich nicht, warum das Vereinswesen kränkelt – egal wohin man schaut. Hier funktioniert es noch einigermaßen, aber es wird immer schwieriger, Menschen zu motivieren. Auf der einen Seite vereinsamen immer mehr und auf der anderen Seite finden Vereine keine Mitglieder.

Auch die Kirche verliert Mitglieder. Können Sie als junger Mensch auf dem Weg ins Priesteramt dem entgegenwirken?

Das Kapitel Volkskirche ist vorbei. Vielleicht müssen wir familiärer werden – von den Abläufen, aber auch von der Größe her. Der Sonntagsgottesdienst hat sicher zurecht eine hohe Wertigkeit, aber er sollte nicht der einzige pastorale Ort sein. Als Pastor sollte man nicht nur im Kirchturm bleiben, sondern auf die Menschen zugehen – ausdrücklich nicht nur auf Flüchtlinge und Arbeitslose, sondern auf die normalen Menschen mit ihren ganz normalen Problemen. Da können wir als Kirche Antworten liefern.

War Ihnen das während Ihres Praktikums möglich?

Ich war jeden Mittwoch sechs Stunden in der Realschule, wo ich mit Jugendlichen ins Gespräch gekommen bin. Sie haben viele Fragen – auch ans Leben. Und Kirche kann darauf Antworten geben. Außerdem habe ich bei der Caritas-Tagespflege reingeschnuppert, was nochmal etwas ganz anderes war. Und die Krankenkommunion im Maria Hilf war mir ein besonderes Anliegen.

Was waren sonst Ihre Aufgaben?

Im Grunde habe ich dem Pastor am Rockzipfel gehangen, um einen Einblick in den Arbeitsalltag zu erhalten: die Gremienarbeit, Tauf- und Kondolenzgespräche, der Büroalltag. Das war ganz neu für mich. Und zum Misereor-Hungertuch habe ich im Gottesdienst zum Beispiel auch eine erste längere Predigt gehalten. Wenn man da vor der Gemeinde steht, kriegt man schon Muffensausen.

Sie haben sich erst spät dazu entschieden, Pastor zu werden. Wie kam es dazu?

Mir ist während meiner Meister-Ausbildung bewusst geworden, dass mir die menschliche Komponente fehlte. Das Leben bietet mehr als acht Stunden Büroarbeit am Tag. Ich will ein Leben im Gebet und aus Liebe zu Christus führen. Da muss man dann wohl von Berufung sprechen, das ist ganz schwer zu erklären. Schon als Schüler haben viele gesagt: Der wird entweder Pastor oder Politiker. Die Ausbildung habe ich nur auf Wunsch meiner Mutter gemacht.

Endgültig zum Priester geweiht werden Sie erst in einigen Monaten. Würden Sie sich freuen, wenn der Erzbischof Sie danach wieder nach Belecke schicken würde?

Es wäre nicht mehr so wie jetzt. Ich hätte eine andere Rolle und auch der Ort verändert sich ja. Aber ich würde mich freuen. Der Bischof dürfte es mir gerne anbieten, ich würde nicht nein sagen.