Rund 700 Euro plus für Warsteins Erzieherinnen

Viel mehr als „bloß aufpassen“: Die Aufgaben von Erzieherinnen haben sich in den vergangenen  Jahren stark verändert..
Viel mehr als „bloß aufpassen“: Die Aufgaben von Erzieherinnen haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert..
Foto: FUNKE Foto Services

Warstein..  Drei Verhandlungsrunden – kein Ergebnis. Die Gewerkschaft Verdi und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst haben sich immer noch nicht einigen können, wie künftig Erzieherinnen und Sozialarbeiter bezahlt werden sollen. Damit wird es absehbar auch in Warstein Anfang der kommenden Woche wohl wieder Warnstreiks in den kommunalen Kindertagesstätten geben. Doch worum genau geht es bei diesen Verhandlungen eigentlich? Der Blick auf die Forderung von Verdi zeigt: Sollte diese erfüllt werden, dann müsste die Stadt Warstein ganz besonders tief in die Tasche greifen.

80 Erzieherinnen arbeiten in den Kindertagesstätten unter städtischer Trägerschaft. 80 Fachkräfte, die nach dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst, Sozial- und Erziehungsdienst (TVöD-SuE), bezahlt werden. In diesem sind „Erzieherinnen mit staatlicher Anerkennung und entsprechender Tätigkeit“ in der Entgeltgruppe S 6 eingruppiert. Abhängig davon, in welchem Berufsjahr sie sich befinden, bekommen sie dabei unterschiedliche Gehälter: Je länger sie in dem Beruf arbeiten, umso mehr Gehalt bekommen sie. Sechs Gehaltsstufen nach Berufsjahren gibt es in dem Tarifvertrag.

Viele langjährig Beschäftigte

Das „Problem“ für Warstein: Der überwiegende Anteil der knapp 80 Erzieherinnen arbeitet seit 15, 20 oder mehr Jahren bereits für die Stadt – sie sind also in der sechsten, der höchsten Stufe eingruppiert. Dort verdient eine Erzieherin derzeit monatlich 3289, 06 Euro brutto. Zu wenig, sagt Verdi. Seit Jahren nähmen die pädagogischen Anforderungen an die Beschäftigten zu, neue Aufgaben kämen hinzu. Nur die Bezahlung spiegele dies nicht wider, argumentieren die Gewerkschaften. Sie fordern, anders als in der letzten Tarifrunde im Jahr 2009 keine prozentuale Erhöhung der Gehälter, sondern eine bessere Eingruppierung der Erzieherinnen im Tarifvertrag.

Nächste Verhandlung am 16. April

Das bedeutet: Eine Erzieherin, die bis in Entgeltgruppe S 6 eingruppiert ist, soll nach dem Willen von Verdi künftig in die Gruppe S 10 eingeteilt werden. „Das würde uns ganz heftig reinhauen, wenn diese Forderungen eins zu eins durchkämen“, meint Hermann-Josef Nübel, in dessen Fachbereich Personal die Eingruppierungen der Warsteiner Erzieherinnen vorliegen, „wir haben sehr viele Erzieherinnen, die seit langem bei uns beschäftigt sind; die also bei einer möglichen Neueingruppierung besonders ins Gewicht fallen.“ Rund 700 Euro brutto mehr im Monat könnte die Verdi-Forderung für die meisten Warsteiner Erzieherinnen bedeuten (siehe Beispielrechnung in der Grafik). „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Arbeitgeberverbände dem zustimmen“, meint Nübel.

Mit weiteren Warnstreiks noch vor der vierten Verhandlungsrunde am kommenden Donnerstag, 16. April, rechnet man im Rathaus jedoch schon (siehe Infobox). Ob es Notgruppen geben wird, ist derzeit noch offen. Zuletzt waren Ende März die acht kommunalen Kindertagesstätten in Warstein im Rahmen des Warnstreiks geschlossen geblieben. Die Streikenden hatten sich auf Einladung von Verdi im Gasthof Hoppe in Belecke getroffen. Zum aktuellen Streik gibt es Montag genauere Informationen.