Qualifizierte Fachkräfte gehen

Personelle Engpässe gibt es bei der Brauerei nicht, wenn langjährige Mitarbeiter mit 45 Beitragsjahren vorzeitig abschlagsfrei in den Ruhestand gehen. Aber es verlassen dann qualifizierte Mitarbeiter das Unternehmen.
Personelle Engpässe gibt es bei der Brauerei nicht, wenn langjährige Mitarbeiter mit 45 Beitragsjahren vorzeitig abschlagsfrei in den Ruhestand gehen. Aber es verlassen dann qualifizierte Mitarbeiter das Unternehmen.
Foto: WAZ / FotoPool
Was wir bereits wissen
Seit einem Jahr kann nach 45 Berufsjahren Schluss sein. Wer lange gearbeitet hat, darf in Rente gehen. Das macht sich bei heimischen Firmen bemerkbar.

Warstein..  „45 Jahre sind genug!“ – das denken viele Arbeitnehmer aus Warstein und würden dann gerne in Rente gehen. Nur: Das offizielle Renteneintrittsalter lag bislang bei 65 Jahren, verschiebt sich nun sogar monatsweise nach hinten. Seit einem Jahr besteht aber die Möglichkeit, unter gewissen Voraussetzungen sich tatsächlich früher in den Ruhestand zu verabschieden, ohne dass die Pension gekürzt wird.

Warsteiner Brauerei

Die Warsteiner Brauerei wurde – und wird noch immer – mit der neuen gesetzlichen Regelung konfrontiert. Und die muss bei der Personalplanung berücksichtigt werden, betont Stefan Bastert, Leiter Human Resources. Aus diesem Grund stehe man mit den Mitarbeitern in einem ständigen Dialog, um die persönliche Lebensplanung und die betrieblichen Notwendigkeiten zu berücksichtigen. Bastert: „Dieser Austausch zeigt, dass sich unsere Mitarbeiter teilweise auch mit dieser Frage beschäftigen: frühzeitig in Rente oder nicht.“

Es gehe sowohl Arbeitnehmer, die frühzeitig in Rente gehen wollen, andere würden gerne noch länger arbeiten. Und es gebe eine dritte Gruppe, da „sind zumeist die gesetzlichen Voraussetzungen nicht gegeben (zum Beispiel 45 Jahre Beiträge in die Rente), und die persönlichen Umstände lassen dementsprechend eine vorzeitige Rente nicht zu.“

Wie viele Mitarbeiter bei der heimischen Brauerei das Angebot letztlich nutzen werden, steht noch nicht fest, da noch Gespräche stattfinden – und naturgemäß immer wieder neue Mitarbeiter die aktuell gültige Altersgrenze für einen frühzeitigen Renteneintritt ohne Abschläge erreichen. Personelle Engpässe, die Auswirkungen auf den Betrieb haben könnten, gebe es nicht, so Bastert auf Anfrage der WESTFALENPOST.

LWL Lippstadt und Warstein

In den LWL-Einrichtungen in Warstein und Lippstadt haben im vergangenen Jahr 23 Mitarbeiter das Angebot der früheren abschlagsfreien Rente in Anspruch genommen. 112 hätten dazu die Möglichkeit gehabt, berichtet Jutta Oesterhelweg, stellvertretende Leiterin der Abteilung Personal und Recht; das wären immerhin mehr als fünf Prozent aller Mitarbeiter. Die Folgen der früheren Rente hielten sich aber in Grenzen: „Sehr kurzfristige Austritte haben selbstverständlich für ein paar Umsetzungen gesorgt. Aufgrund unserer umfangreichen Ausbildung konnten Engpässe durch Auszubildende, die mit der Ausbildung zum 30. September fertig geworden sind, abgefangen werden. Außerdem haben wir eine demografieorientierte Nachwuchsförderung, so dass auch hier Austritte abgefangen werden konnten.“

Sparkasse Lippstadt

Bei der Sparkasse Lippstadt „gibt es den ein oder anderen Mitarbeiter, der das Angebot eventuell nutzen möchte“, berichtet Birgit Hasse: „Bei der Größe unserer Belegschaft ist dies aber nur ein sehr geringer Anteil und hat für uns keinerlei Auswirkungen.“

Warsteiner-Personalchef Stefan Bastert sieht das seit einem Jahr gültige gesetzliche Angebot durchaus kritisch: „Betrachtet man die grundsätzliche Altersstruktur der Bevölkerung und die sich abzeichnenden Entwicklungen der verschiedenen Geburtsjahrgänge, stellt sich die Frage, wie lange unser Sozialsystem die Mehrkosten dieser Maßnahme aufbringen kann.“ Hinzu komme das Problem für die Betriebe, „weil berufserfahrene und qualifizierte Fach- und Führungskräfte die Unternehmen verlassen und der Stellenmarkt weder in der Anzahl noch in der Qualifikation den Bedarf der Unternehmen abdecken kann.“