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Entführung

Plakate in Berlin erzählen von Senahs Leid

17.12.2009 | 08:00 Uhr
Plakate in Berlin erzählen von Senahs Leid

Lippstadt. Die kleine Senah ist im Libanon immer noch in der Gewalt ihres Vaters. Die Initiative „Vermisste Kinder”, die die Mutter unterstützt, ging am Donnerstag in Berlin in die Offensive: Auf großen, Aufsehen erregenden Plakatwänden wünscht sie „Schreckliche Weihnachten”.

Senah aus Lippstadt ist immer noch bei ihrem Vater im Libanon. An ihrem Beispiel macht nun die Initiative "Vermisste Kinder" in Berlin auf das Thema Kindesentzug aufmerksam.

Am S- und U-Bahnhof Pankow hängen neun Quadratmeter große rote Plakate mit der Aufschrift "Schreckliche Weihnachten", außerdem fährt ein Fahrzeug mit den „Schrecklichen Weihnachtswünschen” durch das Regierungsviertel und an der libanesischen Botschaft vorbei. Vertreter der Hamburger Initiative wurden auch vom Ersten Sekretär empfangen: Die Botschaft versprach, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten in den Fall einzumischen.

Kontakt verboten

Zwischenzeitlich hatte der 30-jährige Vater der Mutter jeglichen Kontakt zu der Achtjährigen verboten — weil in Deutschland und im Internet über den Fall öffentlich berichtet wurde. Er hatte Senah im Juni mit auf einen Urlaub in den Libanon genommen und war nicht zurückgekehrt. Sie lebt eigentlich mit ihrer Mutter Rosina P. in Lippstadt. Das Mädchen ist eines von etwa 1600 Kindern in Deutschland, die im Jahr von einem Elternteil entführt werden, meistens in den arabischsprachigen Raum.

Plakat rund um Senahs Entführung in den Libanon.

Bei Verhandlungen in Tyros im Libanon sind dem Vater weitreichende Zugeständnisse gemacht worden, wenn er das Kind wieder nach Deutschland ließe: So sollte ein Haftbefehl gegen ihn außer Vollzug gesetzt werden, außerdem bekäme er ein weitreichendes Besuchsrecht. „Man baut ihm goldene Brücken”, sagt Carl Bruhns von der Initiative „Vermisste Kinder”. Zwischendurch war so viel Hoffnung, dass für das Kind bereits ein zweiter Pass ausgestellt worden war.

Auf Einlenken gedrängt

Doch der 30-Jährige sperrt sich aus unbekannten Gründen — obwohl selbst seine in Deutschland lebenden Brüder auf ein Einlenken drängen. „Er hält alle hin”, sagt Carl Bruhns. Er steht in ständigem Kontakt mit der Mutter, die sich seit einigen Wochen mit Unterstützung der Initiative im Libanon aufhält. Die deutsche und die italienische Botschaft im Libanon bemühen sich um Senah, ebenso der Mufti und der Bürgermeister von Tyros, wo die Großfamilie des Mannes lebt: Zuletzt verschwand Hassan kurzerhand aus den Verhandlungen, die bereits zehn Wochen dauern. Für Rosina P. beginnen jetzt noch schwierigere Tage: Die Angehörigen der Botschaften verabschieden sich die Weihnachtsferien — bei ihren Familien. „Sie fühlt sich furchtbar allein”, betont Carl Bruhns.

Auch die Zeit drängt: Experten betonen, das eine Rückführung von entführten Kindern spätestens nach einem Jahr abgeschlossen sein muss — ansonsten entfremde sich das Kind zu sehr von dem anderen Elternteil und von seiner Heimat.

Jürgen Kortmann

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Kommentare
18.12.2009
15:02
Plakate in Berlin erzählen von Senahs Leid
von Weihnachtswünsche | #2

Viel Glück und alles Gute weiterhin für die Mutter und ihre Tochter.

Zum Glück kann sie auf weitreichende Hilfe bauen, hat sogar die Brüder des Entführes auf ihrer Seite.
Eine Ausnahme, bei den 1600 weiteren zumeist in den arabischsprechenden Raum entführten Kindern kämpfen die Mütter und die deutschen Botschaften allein. Hier zeigt sich auch wieder mal das der Libanon aus der Masse der Nahost Staaten heraussticht und durchaus liberal und dem Westen nicht abgeneigt ist.
Die Redaktion soll bitte dran bleiben. Öffentlicher Druck ist ein gutes Mittel.

17.12.2009
21:26
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #1

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