Pferde zogen Warsteins erste öffentliche Kehrmaschine

Foto: WP
Was wir bereits wissen
Kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieg kaufte die Stadt Warstein erste Fahrzeuge zur Reinigung der Straßen. Der Grund für den Kauf erinnert an heutige Zustände.

Warstein..  „Nur durch einen geregelten Kehrbetrieb kann der Staubplage auf der Hauptstraße effektiv entgegengewirkt werden.“ So steht es in der Akte der Stadt Warstein zur Anschaffung einer neuen Straßenreinigungsmaschine.

Entstanden ist der Staub, von dem auf den schon deutlich vergilbten Seiten die Rede ist, aber nicht in Steinbrüchen, sondern von Pferdefuhrwerken und den ersten Automobilen. Denn die Akte, die Ortsvorsteher Dietmar Lange im Stadtarchiv in die Hände fiel, stammt aus dem Jahr 1913. Damals schaffte die Stadt die erste Kehrmaschine überhaupt an.

Verkehr deutlich zugenommen

„Der Verkehr hatte in den Jahren zuvor deutlich zugenommen“, erklärt der Historiker, reines Fegen hat auf der damaligen „Provincialstraße“ nicht mehr ausgereicht. So lud die Stadt am 23. Juni 1913 alle Anwohner der Hauptstraße zu einer Versammlung in den Gasthof zur Post ein – von Fritz Messing an Hausnummer 1, wo heute das Kolpinghaus steht, bis zur evangelischen Schule gegenüber dem Haus Kupferhammer. 105 Anlieger verpflichteten sich, jährlich 30 Pfennig pro laufenden Meter Straßenfront für die Reinigung des Kopfsteinpflasters zu entrichten.

Mit den heutigen Multifunktionsfahrzeugen hatten die damaligen Gerätschaften aber noch nicht viel zu tun. So brauchte die Stadt nicht nur eine Kehrmaschine, sondern auch einen Sprengwagen, der Wasser auf die Straße aufbrachte. In Paderborn wurde die Verwaltung fündig. Die Domstadt suchte einen Käufer für ihren sechs Jahre alten Sprengwagen, der noch von Pferden gezogen wurde – selber sollte erstmals ein motorisiertes Gefährt angeschafft werden. „Das war für Warstein 25 Nummern zu groß“, mutmaßt Dietmar Lange.

Als „eine hervorragend günstige Anschaffung“ pries die Stadt Paderborn ihr Angebot, denn ein fabrikneuer Sprengwagen hätte wohl etwa doppelt so viel gekostet. Rund 400 Mark legte die Stadt auf den Tisch, weitere 1070 Mark für eine Kehrmaschine der Firma Beukelmann aus Dortmund.

„Das ganze Vorgehen ist typisch für Verwaltungen“, erkennt Lange mit einem Augenzwinkern Parallelen zu heutigen Anschaffungen der Stadt: „Erst wurde ein Vergleichsangebot eingeholt, dann wurde versucht, den Preis noch etwas zu drücken, und sogar darum gefeilscht, wer den Transport zu bezahlen hat.“ So zog sich der Kauf über mehrere Monate hin.

Landwirte bewerben sich

„Als die Entscheidung dann gefallen war, musste noch geguckt werden, wer die beiden Wagen fährt“, erläutert Lange. Mehrere Landwirte boten sich an, den Zuschlag erhielten schließlich Johann Ostermann für die Kehrmaschine und Heinrich Müller für den Sprengwagen. Ab dem Frühjahr 1914 fuhren sie mittwochs und samstags jeweils von 13 bis 18 Uhr die Hauptstraße ab, so ist es in den alten Unterlagen festgehalten. „Je nach Straßenbreite müßen drei bis vier Bahnen gefahren werden“, hieß es im Vertrag. Bei vier Anwohnern setzten die Reinigungsmaschinen allerdings aus – sie hatten die Gebühren doch nicht bezahlt.

Lange hatten die Warsteiner allerdings nichts von den Neuanschaffungen. Im Ersten Weltkrieg wurde die Straßenreinigung unterbrochen. Doch die Maschinen überstanden das Kriegsende und 1921 wurde das Kehren wieder aufgenommen.