Pfarrkirche erhielt zwei Volltreffer

Es waren dramatische Tage in Warstein. Zwischen dem 5. und 7. April 1945 entschied sich das Schicksal der Stadt. Heinrich Gudemann, der spätere Ehrenbürger der Stadt Warstein, hat die schicksalhaften Ereignisse aufgezeichnet. Nachfolgend einige Auszüge aus seinen Aufzeichnungen:

„Nachdem schon einige Tage zuvor amerikanische Panzer auf der Heide Kallenhardt gesichtet worden waren, erfolgte der Angriff auf Suttrop am Donnerstag, 5. April. Dabei entstanden erheblich Schäden an einer Reihe von Wohngebäuden und im Barackenlager am Ortsausgang des Dorfes.

Am 6. April schlugen nachmittags zwischen 16 und 17 Uhr die ersten Granaten am Hillenberg ein. Weiter südlich, in Wulfs Kamp, war inzwischen eine deutsche Einheit aufgefahren.

Unsere Stadt selbst war auf Befehl der Partei durch Anlage von Panzersperren und Schützengräben in Verteidigungszustand gesetzt worden.

Bis zum letzten Blutstropfen

Ein Major einer weiteren deutschen Einheit, die nach Warstein verlegt worden war, befahl die Verteidigung bis zum letzten Blutstropfen.

Am Abend des 6. April erschien in Warstein der stellvertretende Bürgermeister von Kallenhardt, Cramer, als Beauftragter der Amerikaner mit dem Ersuchen der kampflosen Übergabe der Stadt. Der deutsche Kommandant lehnte dies ab.

In der Nacht vom 6. auf den 7. April wurde Warstein daraufhin von Drewerheide aus massiv unter amerikanisches Artilleriefeuer genommen. Die Bürger suchten Schutz in den Bunkern.

Besonders heimgesucht wurden die Bilsteinstraße, die Wilhelmstraße, die letzten Häuser der Hospitalstraße, der Marktplatz und die Pfarrkirche, die zwei Volltreffer erhielt. Auch die Brauerei Cramer erhielt Volltreffer.

Schlosser wollte Vater retten

Besonders tragisch war der Tod des beliebten Schlossermeisters August Enste, der nach einem ersten Treffer in seinem Hausboden zur Rettung seines betagten Vaters in die oberen Stockwerke geeilt war. Dort riss ihn ein zweiter Treffer jäh aus dem Leben.

Die für Warstein entscheidenden Ereignisse fielen auf Samstag, 7. April 1945. Da die Ablehnung der Kapitulation auf noch härteren Beschuss schließen ließ, verließ ein Teil der Bevölkerung die Stadt. Über 100 Menschen – vornehmlich Frauen und Kinder – suchten Schutz in der Tropfsteinhöhle.

Gegen 11 Uhr tauchten am Oberhagen, östlich des Wäldchens, drei amerikanische Panzer auf, die sich an der Beschießung der zurückflutenden deutschen Truppen beteiligten und auch die Stadt unter Beschuss nahmen. Um die Mittagszeit herum erschien amerikanische Infanterie vom Oberhagen und von der Lied aus und bewegte sich auf das Zentrum zu. Etwa 13 Uhr war die Stadt von den Truppen der Amerikaner erreicht.

Zur selben Zeit erschien eine größere Anzahl amerikanischer Panzer auf dem Weg durch den Oberhagen und fuhr über das Salzbörnchen in die Stadt ein. Wenig später glich die Stadt einem Bild aus Wallensteins Lager: Panzer aller Typen, Panzerspähwagen, Lastkraftwagen und eine gewaltige Menge sonstiger Kraftwagen säumten die Straßen und stauten sich am Marktplatz.“ Damit war der Krieg für Warstein am 7. April beendet.