Pfadfinder „kreuzen auf“ mit Kapelle am Wegesrand
01.02.2012 | 18:38 Uhr 2012-02-01T18:38:00+0100
Rüthen.Dass ein Gotteshaus gebaut wird, ist in Zeiten, in denen Kirchen eher geschlossen werden, eine Rarität. Doch genau das ist am Diözesanzentrum der Pfadfinder am Eulenspiegel der Fall. Dort wird eine Kapelle als spirituelles Zentrum der Pfadfinderschaft errichtet. Möglicherweise erfolgt der erste Spatenstich schon in diesem Jahr.
„Wir befinden uns seit zwei Jahren in der heißen Phase“, erklärt auf Anfrage unserer Zeitung Dirk Lankowski, Pressesprecher des DPSG-Diözesanverbandes in Paderborn. Damit umschreibt er den Zeitraum, seit die Idee zum Kapellenbau konkret wurde, über den endgültigen Entwurf bis zum im September vergangenen Jahres gestellten Bauantrag. „Es fehlte für einen katholischen Verband ein fester Ort als spirituelles Zentrum“, nennt er den Hintergrund für den Kapellenbau. Im Haus selbst gebe es nur einen kleinen Andachtsraum, größere Gottesdienste seien aber nur unter freiem Himmel möglich.
Das wird sich ändern. Insgesamt Platz für 180 Besucher bietet die Kapelle nach dem Entwurf des Paderborner Büros RSK-Architekten. Sie gliedert sich in drei auch in ihrer Form als solche zu beschreibende Blöcke, die allerdings nicht den rechten Winkel als hervortretendes Gestaltungsmerkmal haben. Der kleinste Raum ist das Entree. Es folgt die eigentliche Kapelle, die sich in zwei Räume teilen lässt. Der eine Raum misst acht mal acht Meter. In ihm steht der Altar, zugleich lässt er sich mit 31 Sitzplätzen für kleinere Andachten nutzen. Eine seiner Spitzen ragt in den großen Kapellenraum hinein, der eine Seitenlänge von zwölf mal zwölf Metern hat.
Die Außenfassaden werden laut Stadtplaner Joachim Heidrich durch Holz und Klinker geprägt, dazu kommen große Glasflächen. So sorgen breite Glasschiebetüren dafür, dass die Kapelle bei entsprechendem Wetter geöffnet werden kann und auch draußen die Menschen am Geschehen drinnen teilhaben.
„Ein Neubau einer Kirche oder Kapelle ist für Nordrhein-Westfalen schon etwas besonderes“, räumt Dirk Lankowski ein. „Wir sind uns bewusst, dass es Fragen aufwirft, zur jetzigen Zeit an einem Ort der Jugendarbeit eine Kapelle zu bauen. Wir glauben, dass es sinnvoll ist“, ergänzt Diözesankurat Tobias Dirksmeier in dem begleitenden jugendpastoralen Konzept, das unter dem Slogan „Wir kreuzen auf“ Akzente setzen will.
Auf rund 400 000 Euro sind die Kosten für die Kapelle kalkuliert. Dank der Unterstützung unter anderem durch das Erzbistum und die Bank für Kirche und Caritas sowie den Verein „Andere Zeiten“ sind laut Lankowski nur noch 70 000 bis 100 000 Euro offen. Aufgebracht werden sollen sie von den Pfadfinderstämmen durch Aktionen, eine „Muskelhypothek“, sprich Eigenleistungen, und weitere Spender, „die die Bedeutung von katholischer Jugendarbeit erkennen“. Der erste Spatenstich könnte noch in diesem Jahr erfolgen, „aber das hängt von den Spenden ab“.
Den Kapellenbau stellen Ulrich Weber, Geschäftsführer der Schulungs- und Erholungsstätte Paderborn e.V. (eine der organisatorischen Säulen der Pfadfinderschaft im Erzbistum), und Architekt Carsten Scherhans am Montag, 6. Februar, im Bauausschuss vor. Die Stadt Rüthen muss im Rahmen des Bauantragsverfahrens ihr gemeindliches Einvernehmen erteilen. Die Verwaltung schlägt dies auch vor. Die Sitzung beginnt um 17.30 Uhr im Rathaus.
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