Pädagoge hilft in Seminaren, Flugangst zu bekämpfen

Ein Sicherheitsgurt an Bord eines Flugzeuges. Menschen mit Flugangst kostet es größte Überwindung, eine Maschine zu betreten.
Ein Sicherheitsgurt an Bord eines Flugzeuges. Menschen mit Flugangst kostet es größte Überwindung, eine Maschine zu betreten.
Foto: WAZ FotoPool
Nach Unglücken wie dem Germanwings-Absturz steigt die Scheu vor dem Fliegen. Der Pädagoge Frank Eisenberg bietet Menschen mit Flugangst Hilfe an.

Paderborn/Lippstadt.. Bei Menschen mit Flugangst, so wissen Experten, wird nach Unglücken wie dem Absturz der Germanwings-Maschine die Scheu vor dem Fliegen noch größer. Frank Eisenberg, Pädagoge und Privatpilot, bietet am Flughafen Paderborn-Lippstadt Seminare gegen Flugangst an (www.flugseminare.de)

Was spielt sich bei Menschen ab, die vor einer Flugreise stehen und erst vor kurzem Absturzbilder verfolgen mussten?

Frank Eisenberg: Gerade jetzt, wo viele Familien in einen Ferienflieger steigen, sind die Menschen besonders sensibilisiert. Sie projizieren das Unglück auf ihre eigene Situation und stellen sich vor, dass sie in eine Maschine steigen könnten, die abstürzt.

Wie viele Menschen leiden unter Flugangst?

Die letzte Statistik ist von 2003. Dem Allensbach-Institut zufolge haben 16 Prozent der Bundesbürger Flugangst - wobei mir eine genaue Definition des Begriffs fehlt. In meinen Seminaren ist es mir wichtig, dass die Teilnehmer herausfinden, was genau ihnen Angst bereitet und wie sie Lösungen finden, damit umzugehen. Dass jemand nur Flugangst hat, ist selten. Die Ängste treten vielfältig auf.

Zum Beispiel?

Nehmen wir die Mutter, die ohne ihre Kinder in ein Flugzeug steigt und die sich Gedanken macht, was im Absturzfall aus den Kleinen wird. Oder nehmen wir den Fluggast, der in der Kindheit von einer Leiter gefallen ist und seitdem unter Höhenangst leidet. Oder jenen, der nach einem Autounfall traumatisiert war. Es sind häufig Negativerlebnisse aus der Vergangenheit, die dann auf die aktuelle Situation - hier: auf das Fliegen - gemünzt werden. Was freilich am häufigsten als Ursache der Flugangst genannt wird: dass man als Passagier keine Kontrolle über das Geschehen hat.

Sollten Menschen mit Flugangst die Berichterstattung über den Absturz zurückhaltend verfolgen?

Grundsätzlich ist es wichtig, sich der Sache zu stellen. Allerdings sollte man die gedankliche Katastrophe nicht noch verfeinern - sich nicht so hineinsteigern, dass die Ängste noch größer werden.

Wie äußert sich Flugangst?

Betroffene sind bereits vor Antritt der Reise unruhig und angespannt. An Bord können Herzrasen, Schweißausbrüche und Atemnot hinzukommen. Man denkt, sich selbst in Lebensgefahr zu begeben.

Lässt sich die Angst mit Medikamenten und Alkohol bekämpfen?

Das ist nur eine indirekte Vermeidungsstrategie. Man bekämpft nur Symptome, nicht die Ursachen.

Wirkt sich privater oder beruflicher Stress negativ aus?

Stress und Angst gehen Hand in Hand. Es ist wichtig, vor dem Abflug herunterzukommen.

Welche Gegenstrategien lehren Sie in ihren Seminaren?

Am ersten Tag stellen wir Atem- und Entspannungsübungen vor, erörtern, was Angst ist und wie man damit umgehen kann. Im technischen Teil geht es z.B. um die Frage, wie Turbulenzen zu bewerten sind. Am zweiten Tag sitzen die Teilnehmer in einem Linienflug. Wir liefern Fakten zur Sicherheit: Denn auch nach der jüngsten Katastrophe - einem absoluten Ausnahmefall - wird das Flugzeug das sicherste Verkehrsmittel der Welt bleiben.

Nehmen Männer und Frauen gleichermaßen an den Seminaren teil?

Der Frauenanteil ist höher. Frauen gehen offener mit der Angst um. Männliche Manager z.B. wollen eine diskrete Einzelbetreuung.