Ortskunde nicht nur für Fremde interessant

Gehören zum Team der Stadtführer: Hans-Jürgen Hense, Peter Wessel und Joseph Friederizi.
Gehören zum Team der Stadtführer: Hans-Jürgen Hense, Peter Wessel und Joseph Friederizi.
Foto: WP
Diesen Samstag ist Welttag des Fremdenführers. In Belecke gibt es ein Team, das über die Geschichte des Ortes informiert. Diese ist eng verbunden mit der Propstei.

Belecke..  Auf die goldene Kuh solle ich achten, hatte Joseph Friederizi gesagt. Und schon habe ich es gefunden: das erste Haus in Beleckes Altstadt, das nach dem großen Brand 1805 wieder aufgebaut wurde. Auch was ein Krüppelwalmdach ist, habe ich gelernt. Und einen Pfeil gesehen, der während der Soester Fehde auf Belecke abgefeuert wurde – alles so Dinge, die man bei einer Stadtführung halt entdecken kann.

„Tag des Fremdenführers, ist der deutschlandweit?“, hatte mich Joseph Friederizi am Telefon gefragt. „Nicht nur für Deutschland, es geht um den Welttag des Fremdenführers“, war meine Antwort. Und so sitze ich mit ihm, Hans-Jürgen Hense und Peter Wessel im ehemaligen Wirtschaftsgebäude der Propstei zusammen. „Früher haben nebenan die Schweine im Stall gestanden“, erklärt mir Hans-Jürgen Hense. Statt Stroh und Spinnenweben hängen hier nun aber alte Ölgemälde an den Wänden. In der Kapelle ist ein Bild des Begründers des Benediktinerordens zu finden. Oder die alten Gewänder der Äbte lassen sich betrachten. Denn seit der Eröffnung im Jahr 1992 ist hier das Museum. Deutlich wird die enge Verbindung zwischen der Propstei und der Ortschaft: „Die Benediktiner haben Belecke über 700 Jahre geprägt“, sagt Friederizi.

Intensivkurs auf Eigeninitiative

Friederizi, Hense und Wessel gehören mit zum sechsköpfigen Team der Belecker Stadtführer. Seit dem Altstadtfest 1988 haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, Heimatgeschichte zu vermitteln. Sie organisieren Stadtführungen mit den drei Schwerpunkten Altstadt, Kirche und Museum, je nachdem was gewünscht wird. Wissen und Konzepte haben sie sich dazu vor zehn Jahren in einem eigen initiierten Intensivkurs angeeignet.

Wie es sich gehört, sind die Stadtführer mit Info-Material ausgestattet: einen Stadtplan, der Beleckes Altstadt nach dem großen Brand zeigt, präsentieren sie mir. Statt verwinkelter Gässchen sind auf einmal rechteckig angeordnete, breite Straßen zu sehen. Die Dächer wurden mit Schiefer bedeckt – alles als Brandschutzmaßnahmen, und Belecke diente damit vielen Gemeinden und Orten in der Nachbarschaft als Vorbild, erklären sie.

Stadtbrand, Kirchenwappen, Schutzpatrone oder Propsteigeschichte – immer wieder verlieren sich die Geschichtsfans in kleinen Exkursen. Stadtgeschichte kann man eben nicht mal zwischendurch begreifen.

„Wenn man sieht, wie viele junge Menschen zum Studium weggehen, das tut schon weh. Die Liebe zur Heimat sollte man bewahren“, findet Peter Wessel und spricht dabei auch von einer Verantwortung, das heimatkundliche Wissen zu erhalten. „ Es trägt auch zum Wohlfühlen bei, mehr über den Heimatort zu wissen“, fügt Hense hinzu.

Lernen von anderen Gruppen

Deswegen sei es auch nicht unüblich, dass viele Einheimische nach Stadtführungen fragen. „ An vielen Dingen geht man einfach so vorbei. Da ist es schon interessant wenn man in die überraschten Gesichter blickt, die plötzlich etwas Neues entdecken“, berichtet Hense. Aber auch viele Gruppen aus anderen Regionen des Sauerlands kommen vorbei, um sich Belecke anzusehen: Vor allem von anderen Heimat- oder Kulturvereinen könnten die drei Stadtführer dazu lernen und Verbindungen zur eigenen Geschichte erkennen, berichten sie.

Regelmäßig kooperieren sie auch mit Schulklassen, zum Beispiel wenn im Sachunterricht Heimatkunde auf dem Plan stehe. Und wenn Schulklassen aus der Partnerstadt St. Pol zur Erkundungstour durch Belecke kommen, müssen auch mal die Fremdsprachenkenntnisse ausgepackt werden: „Gar nicht so einfach“, sagt Hense , „wenn man den Begriff Krüppelwalmdach erklären muss“. Wie das wohl auf Französisch heißt?

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