Omma sacht...

Wenn was Wahres daran ist, dass frau im Laufe ihres Lebens mehr und mehr ihrer Mutter und Großmutter gleicht, dann freue ich mich aufs Älterwerden. Allerdings muss ich noch Einiges lernen.


Wenn ich höre, wie meine Mutter und Großmutter über Bekannte reden, dann fehlt mir eindeutig noch irgendein Gen, das es mir ermöglicht, ganz selbstverständlich mehrere Minuten lang über jemanden zu reden, ohne auch nur seinen Namen zu nennen.


Ich bin mir sicher, Sie kennen das: Eine fängt an (in meinem Fall meistens meine Omma). „Die Dings aus der Hochfuhr hat übrigens geheiratet.“ „Wer?“ „Na, die neben Schmidts.“ „Kerners? Die haben doch gar keine Tochter?“ „Nein, die nach oben hin wohnen. Die in dem alten Schulten Haus.“ „Ach, die da gebaut haben?“ „Nein, die wohnen doch nur zur Miete. Die haben das doch von Düsers Franz übernommen.“ „Düsers Franz? Der wohnt doch unten im Dorf.“ „Ja, aber der hat doch da oben am Friedhof gebaut, als er die Jüngste von Oelrichs geheiratet hat.“ „Die haben da aber doch nie gewohnt.“ „Nein, aber das gehört denen noch. Oder hat das der Sohn schon?“ „Das weiß ich nicht. Aber war das nicht der, der mit Kortens Lisbeth Schützenkönig war?“ „Nein, das war dem Merz Heinz sein Junge.“ „Stimmt. Wo ist der denn eigentlich jetzt?“ „Der? Der hat eine von denen aus der Marmeladensiedlung geheiratet, von den Zugezogenen. Die wohnen jetzt aber im Lahrfeld.“


Ist das nicht herrlich? Und das Beste: Es könnte noch ewig so weitergehen. Ich hoffe, ich kann das in 60 Jahren auch. Und bis dahin weiß ich hoffentlich auch, wer geheiratet hat. Sie wissen schon, die aus der Hochfuhr...