Neue Idee: Stadt soll Schule tragen
23.04.2008 | 17:36 Uhr 2008-04-23T17:36:00+0200Die Diskussion um eine Gesamtschule in Lippstadt dreht sich im Kreis. Jetzt beschäftigte sich der städtische Schulausschuss mit dem Thema.
Lippstadt. Einig war man sich, dass eine Gesamtschule grundsätzlich sinnvoll sei; Uneinigkeit dagegen gab es in der Frage der Trägerschaft. Die BG kann sich inzwischen auch eine Gesamtschule mit der Stadt als Schulträger vorstellen. Für die CDU ist der Elternwille entscheidend.
Im Kreis Soest gehen rund 120 an die erste und einzige Gesamtschule in Soest.Die INI will, wie berichtet, Mitte 2009 auch in Lippstadt eine Gesamtschule einrichten. Seit dieser Bekanntgabe fragen sich Politiker aller Parteien, wem es nutzt und wem eine Gesamtschule schadet. Die Stadt als öffentlicher Schulträger befürchtet einen Rückgang der Schüler an ihren Schulen und somit das Aus zumindest für die ein oder andere Hauptschule. Bislang war im Schulentwicklungsplan der Stadt keine Gesamtschule vorgesehen.
Die CDU, so ihr Sprecher Wilhelm Börskens, kündigte im Schulausschuss an, den Elternwillen zu achten: Vor einer Entscheidung soll es eine umfassende Elternbefragung geben. Die BG stellte in der Sitzung klar, dass eine Gesamtschule nicht unbedingt mit einer Trägerschaft durch die INI gleichgesetzt werden muss: Die BG geht weiter und möchte prüfen, ob nicht die Stadt selbst eine Gesamtschule einrichten sollte. Hier biete sich vornehmlich das räumliche ausreichende Realschulzentrum am Dusternweg an. Zugleich könne mit einem solchen Angebot auch eine Ganztagsbetreuung für bisherige Realschüler geschaffen werden. Die Bürgergemeinschaft greift damit voraus: Das Land schafft erst ab 2009/10 ein Programm, um auch an Realschulen und Gymnasien Ganztagsangebote zu schaffen.
Die BG stellte auch die Frage, welchem Bewerber die Bezirksregierung Arnsberg den Vorrang geben würde. Die SPD sieht hier klar den Vorzug für private Schulträger. In NRW, so ihr Fraktionschef Hans-Joachim Kayser, sei bislang nur eine Gesamtschule genehmigt worden — und die sei privat. Zurzeit gibt es aber auch eine ganze Reihe öffentlicher Schulträger, die eine Gesamtschule errichten möchten. Nach Auskunft ist von diesen Vorhaben nicht ein einziges bislang positiv beschieden worden — und es bestehe in Düsseldorf auch nicht die Absicht, vor der Landtagswahl 2010 auch nur einen einzigen Fall zu entscheiden. Die Errichtung einer Gesamtschule für das Gebiet des Altkreises Lippstadt wird damit de facto verhindert, so die Meinung der SPD.
Die befürchtete Zerschlagung der Lippstädter Schullandschaft werde nicht stattfinden, räumte Kayser ein. Auch die Hauptschulen müssten nicht mit massiven Anmelderückgängen rechnen. In Soest kommen 30 Prozent der Schüler mit einer Hauptschulempfehlung in die Gesamtschule und davon nur die Hälfte aus Soest selbst. Basierend auf den bislang bekannt gewordenen Planungen würde das für die Lippstädter Hauptschulen bedeuten, dass sie insgesamt nur gut zehn Anmeldungen weniger haben würden — eine Größenordnung, die keine der bestehenden Schulen gefährden würde. Kayser: „Auch deshalb sehen wir in dem Vorstoß der INI zur Gründung einer Gesamtschule keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung der Lippstädter Schullandschaft.”
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