Naturschutz für Merpketal stößt bei Landwirten auf Kritik

Das Merpketal bei Oberbergheim ist als Naturschutzgebiet unter Schutz gestellt.
Das Merpketal bei Oberbergheim ist als Naturschutzgebiet unter Schutz gestellt.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Warsteins neuestes Naturschutzgebiet, das Merpketal bei Oberbergheim, sorgt nicht überall für Begeisterung. Landwirte fürchten, das Gebiet künftig nicht mehr nutzen dürfen.

Niederbergheim..  Die Stadt Warstein hat ein neues Naturschutzgebiet: Das 46 Hektar große Merpketal bei Oberbergheim ist von der Bezirksregierung Arnsberg unter Schutz gestellt worden, wie die Behörde gestern mitteilte. Was zunächst nach einem Grund zur Freude klingt, verärgert die betroffenen Landwirte. Sie fürchten, in der Bewirtschaftung des Gebiets künftig Einschränkungen zu unterliegen.

Bei dem neuen Naturschutzgebiet handelt es sich um einen offenen Talabschnitt der Merpke nordwestlich von Oberbergheim, der bis hin zur B 516 reicht. Die Schutzausweisung erfolgte nach Angaben der Bezirksregierung „wegen der Seltenheit, Eigenart und Schönheit des kleinteiligen, strukturreichen offenen Tales inmitten der ansonsten ackerbaulich genutzten Südflanke des Haarstranges“. Das Tal zieht sich bis ins Möhnetal und sei somit ein bedeutendes Vernetzungselement.

Die Landschaft sei „ein vielfältiges Mosaik an Lebensräumen mit seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten und durch nachhaltiges Handeln über Generationen entstanden und erhalten worden“. Aus genau diesen Gründen hält Niederbergheims Ortsvorsteher Christian Lenze die Ausweisung eines Naturschutzgebiets für überflüssig: „Der Charakter der Landschaft ist erst durch die Landwirtschaft entstanden. Wenn die Bewirtschaftung jetzt eingeschränkt wird, verbuscht das Gebiet.“ Auch der Stadtentwicklungsausschuss hatte daher Bedenken gegen die Unterschutzstellung geäußert (wir berichteten).

Künftige Einschränkungen?

Die Bezirksregierung beruhigt: „Im Grunde genommen ändert sich zur bisherigen Nutzung wenig“, erklärte Christian Chmel-Menges, Pressesprecher der Bezirksregierung, auf Anfrage der WP, „das Gebiet wird vorwiegend beweidet – und diese Nutzung ist auch weiterhin durchaus erwünscht.“ Diese Zugeständnisse waren auch das Ergebnis von zwei Info-Veranstaltungen, auf denen Eigentümer und Pächter des unter Schutz gestellten Geländes ihre Einwände vorbringen konnten.

„Die Landwirte dürfen keinen Busch mehr wegmachen und keine Drainage legen, ohne vorher nachzufragen“, sieht Christian Lenze dennoch Nachteile. Die Hauptsorgen der Nutzer richten sich aber in die Zukunft. „Wenn etwa die EU ihre Vorgaben ändert, könnten heutige Absprachen unwirksam wirken“, fürchtet Lenze. E gebes keine unmittelbaren Veränderungen, betont Chmel-Menges, „ob sich durch eine andere Gesetzgebung Auswirkungen ergeben, kann man nicht sagen.“

Das neun Hektar große Gebiet „Unterlauf der Merpke“ westlich der B 516 wurde nicht als Naturschutzgebiet, sondern bloß als „geschützter Landschaftsbestandteil“ ausgewiesen. Einbezogen sind darin die landschaftsprägenden Bäume und Sträucher entlang des Ufers, Gewässer und angrenzenden Grünland- und Waldbereiche.