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Jacques Tilly

Nach dem Zug ist für ihn stets vor dem Zug

29.11.2010 | 16:27 Uhr
Nach dem Zug ist für ihn stets vor dem Zug
Man verstand sich sofort: Jacques Tilly mit den jungen Narren vom MFC Meiste.

Meiste.Als Nachhilfe wollte Jacques Tilly seinen Besuch beim Meister Faschings-Club ausdrücklich nicht verstanden wissen – das würde ja anmaßend klingen. Vielmehr wollte der Chefwagenbauer des Düsseldorfer Rosenmontagszuges Tipps und Hilfestellung geben.

Für jeden Spaß zu haben: Jacques Tilly

Eines vorweg: Was der MFC für den Rüthener Rosenmontagszug plant, das wird an dieser Stelle noch nicht verraten – es hat etwas mit dem Thema Eiszeit zu tun... Kommen Sie einfach am 7. März 2011 um 14 Uhr nach Rüthen. Wie berichtet, hatten Meistes Narren den Besuch von Jacques Tilly als „Hauptgewinn“ eines Kreativwettbewerbes der Warsteiner Brauerei bekommen (für die er in der Vergangenheit schon Dekorationen entworfen, so kam der Kontakt zustande). Beim MFC-Thema hielt sich Tilly heraus: „Man muss das Pferd nur zum Brunnen führen. Trinken muss es alleine.“ Dafür vermittelte der 47-Jährige seine „Düsseldorfer Leichtbauweise“ aus reichlich Maschendraht, der sich verbiegen lässt, aus Biegeleisten, dünnstem Papier und viel Farbe. Aus seiner Bildhauerei mit Maschendraht zaubert Tilly seine bissigen Rosenmontagsmotive – und wirbt ausdrücklich um Nachahmung: „Rüstet ab“, predigt er bei Karnevalsvereinen, die ihre Motivwagen bisher viel zu aufwändig und zu massiv gestalteten.

Maschendraht ist sein Geheimrezept - damit gestaltet Tilly seine Motive für den Rosenmontagszug.

Ein Rheinländer gibt den Westfalen Tipps. Das klappt reibungslos, denn Tilly hat viel Respekt vor den kleinen Vereinen im Lande: „Karneval hat sein satirisches Potenzial auch in den kleinsten Gemeinden.“ Und: „Bei Vereinen, die nicht so viel Geld haben, ist der Spaßfaktor sogar noch viel größer“, beobachtete er. So wie eben in Meiste. Mit den Leuten vom MFC war er sofort per „du“: „Die junge Garde hier ist sehr zukunftsfähig“, lobte Tilly. Und die Helfer vom MFC brennen vor Ehrgeiz: „Wir wollen einen richtig guten Wagen bauen“, sagte Präsident Marco Schlüter.

Zwei Drittel der Wagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug gestaltet der Künstler Tilly inzwischen. Hinzu kommen Aachen, Krefeld, Neuss, ab und zu sogar Köln! Selbst aus Berlin kommen Anfragen, sogar Narren in Irland und Griechenland gab er schon Hilfestellung. Nach dem Zug ist immer vor dem Zug: Die Wagen mit unpolitischem Hintergrund und den Düsseldorfer Prinzenwagen entwirft Tilly bereits im Sommer in seinem Bürozelt auf einem südfranzösischen Campingplatz. Die satirischen Motivwagen, die sich Politik und Religion vornehmen, dagegen entstehen dank besagter Leichtbauweise gerade einmal zwei Tage vor dem Zug: „Damit können wir immer aktuell sein.“ Dabei gilt: „Man muss den Nerv treffen. Ein Wagen, den keiner wahrnimmt, der hat seinen Sinn nicht erfüllt.“

Jürgen Kortmann

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