Nach 160 Jahren kommt endlich die Elektrik

Die Stadt lässt die Kirchturmuhr von St. Pankratius Warstein mit Motor ausstatten. Richard Madla, Jürgen Kösters und Bürgermeister Manfred Gödde (v.l.) vor Ort.
Die Stadt lässt die Kirchturmuhr von St. Pankratius Warstein mit Motor ausstatten. Richard Madla, Jürgen Kösters und Bürgermeister Manfred Gödde (v.l.) vor Ort.
Foto: Manfred Böckmann / WP
Was wir bereits wissen
Bald braucht niemand mehr täglich 116 Stunden hinaufklettern, um die Kirchturmuhr von St. Pankratius am Laufen zu halten. Das übernehmen dann Motoren.

Warstein..  In diesen Tagen geht eine wahre Ära zu Ende: Bis jetzt musste an jedem Tag, möglichst sogar zur selbsten Stunde, das Uhrwerk in der St. Pankratius-Kirche aufgezogen werden. Künftig übernehmen diese Aufgabe drei Motoren.

„Tausende Warsteiner“, glaubt Bürgermeister Manfred Gödde, schauen alltäglich zum Kirchturm auf dem Marktplatz, um zu erfahren, wie spät es ist. Und prompt fiel auf, wenn die Zeit einmal wieder offensichtlich falsch war. Das lag dann aber nicht an den sprichwörtlichen „Tücken der Technik“, sondern am Küster, der möglicherweise gerade krank war: Denn eine elektrische Uhr gab es sin rund 40 Metern nicht.

Aufgabe der Küster

Die Aufgabe wurde zunächst von den jeweiligen Küstern übernommen, die die 116 Stufen täglich hinaufkletterten – und das alles für zuletzt 89 Cent pro Tag. Als es in St. Pankratius im Sommer einen Küster-Wechsel gab, übergab die Kirchengemeinde die vertrauensvolle Aufgabe zurück in die Hände der Stadt.

Seitdem übernahm Jürgen Kösters, eigentlich in der Stadtkasse beschäftigt, die Tätigkeit. Drei Rollen galt es dabei aufzuziehen: 74 Umdrehungen für den Viertelstunden-Schlag, 54 für den Stunden-Schlag und 24 für das eigentliche Uhrwerk. „Das sollte immer mittags passieren, feiertags war das nicht so angenehm“, erinnert sich Kösters.

Doch die Initiative, etwas an der Situation zu ändern, sei von den Bürgern gekommen, betont der Bürgermeister. Es sollte zu keinen Ausfällen mehr kommen (Jürgen Kösters erinnert sich ein seiner Amtszeit nur einen einzigen derartigen Vorfall, als er nämlich kurzfristig nach Münster musste und sich zu spät daran erinnerte, dass da in Warstein noch eine Aufgabe auf ihn wartete...

Technik aus der Zeit um 1860

Da die Motorisierung des Uhrwerkes (die eigentliche Technik aus der Zeit um 1860, gebaut von einer „Thurmuhrenfabrik Weiss“ aus Oberschlesien, bleibt dabei erhalten) für die Stadt eine freiwillige Leistung bedeutet hätte, machte sich der Bürgermeister auf die Suche nach Sponsoren – und wurde bei der Paul-Cramer-Stiftung fündig. Es folgten Absprachen zwischen Stadt, Kirche und Denkmalamt, ehe eine Spezialfirma beauftragt werden konnte. Die Arbeiten sollten – quasi als Weihnachtsgeschenk – eigentlich zum Ende des Jahres erfolgen, doch ließ sich das nicht realisieren.

Jetzt ist Richard Madla von der Firma Korfhage & Söhne aus Melle dabei, innerhalb von zwei Tagen, die Technik zu modernisieren, indem ein Motor dafür sorgt, dass die Trommeln regelmäßig aufgezogen werden. Dabei geben zwei Signalgeber den Beginn und das Ende des Aufzieh-Vorgangs vor – das alte System wird dabei nicht verändert. Das freut auch den Uhren-Experten. denn die Technik soll erhalten bleiben. Richard Madla: „Von der Sorte habe ich noch keine Uhr gesehen“.

Auch künftig wird die Technik kaum jemand zu Gesicht bekommen. Wohl aber wird man weiter den Glockenschlag hören und die aktuelle Zeit sehen können. Ganz ohne, dass jemand täglich die 116 Stufen hinaufklettert.